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Jupiter: Geht demnächst Silber aus? Explodiert der Preis?

Der britische Asset Manager ist optimistisch für Silber und warnt davor, dass die großen Zuflüsse in mit physischen Silber unterlegten Indexfonds für eine massive Knappheit und damit für steigende Preise sorgen könnten.

Ned Naylor-Leyland, Jupiter
Ned Naylor-Leyland, Jupiter

Die physische Knappheit am Silbermarkt ist in letzter Zeit stark in den Fokus der Märkte gerückt. Doch was bedeutet das für den Silberpreis, falls die hohen Zuflüsse in Silber-ETFs anhalten? Dieser Frage geht Ned Naylor-Leyland, Head of Gold & Silver und Fondsmanager des Jupiter Gold & Silver Fund bei Jupiter Asset Management, in einer aktuellen Einschätzung nach.

Für Naylor-Leyland sei das Potenzial für einen von spekulativen Anlegern getriebenen Silber-Squeeze besonders relevant, da es nur ein begrenztes physisches Silberangebot gibt. Zudem hat auch die moderne Industrie einen großen Silberbedarf, zum Beispiel für Anwendungen in der Elektronik, in grünen Technologien, Katalysatoren und medizinischen Geräten. Daher herrscht ein harter Wettbewerb um die oberirdischen Silbervorräte. In diesem bereits angespannten Markt ist ein zusätzlicher Ansturm auf das Metall für die Banken potenziell problematisch.

Laut LBMA-Statistik vom Dezember 2020 befinden sich etwas mehr als eibe Milliarde Unzen Silber in den Londoner Tresoren – davon werden aber mehr als 850 Millionen für bestehende börsengehandelte Produkte verwahrt. Das verfügbare Metall ‚im Streubesitz‘ ist extrem gering. Kleinanleger im Silberrausch haben in Massen physische Silberprodukte (Barren und Münzen) aufgekauft, und die Leihzinsen am Leihmarkt für Silber steigen. All dies deutet auf einen bereits sehr engen Markt hin. "Sollte Silber die Marke von 30 US-Dollar pro Unze überschreiten und der Goldpreis vielleicht wieder über 2.000 US-Dollar steigen, würden wir mit einem echten Squeeze rechnen", erklärt Naylor-Leyland.

Was ist heute anders als 1980 und 2011?
In den Jahren 1979/1980, als die Hunt-Brüder und andere den Silberpreis auf 50 US-Dollar pro Unze hochtrieben (über 120 US-Dollar pro Unze in heutigem Geld, inflationsbereinigt), wurde der Preisanstieg durch kreditfinanzierte Futures-Käufe angeheizt. Das heißt, dass der Preis durch gehebelte Investitionen und nicht durch den reinen Ankauf von physischem Silber in die Höhe getrieben wurde.

2011 kam es zu einem ähnlichen Ansturm auf Futures. Beide Male wurde die Spekulationsblase durch wiederholte Erhöhungen der Sicherheitseinlagen (Margin) für Silberterminkontrakte zum Platzen gebracht.

Diesmal stellt die Situation am physischen Silbermarkt die Edelmetallbanken vor Probleme – aufgrund des unhaltbaren Wachstums der Nachfrage nach einem ungehebelten Silber-ETF, dem iShares Silver Trust (SLV).

ETF muss physisches Silber kaufen
Durch die hohen Zuflüsse privater und institutioneller Anlagegelder in das Long-only-Produkt hat sich das Fondsvermögen des SLV seit April 2020 enorm erhöht. Problematisch sei das, weil der SLV mit physischem Silber unterlegt ist und daher entsprechend der höheren Nachfrage auch seinen Bestand an physischem Silber erhöhen muss.

"Unseren auf den erwähnten LBMA-Daten basierenden Schätzungen zufolge gibt es in London aber praktisch kein Silber mehr für eine zusätzliche Unterlegung von ETFs. Der SLV verzeichnete zuletzt innerhalb von drei Tagen ein so großes Anlegerinteresse, dass er gezwungen gewesen wäre, seinen Bestand an physischem Silber um 110 Millionen Unzen zu erhöhen, um die Neuzuflüsse zu decken. Angesichts einer jährlichen Förderung von 800 Millionen Unzen und einer Industrie, die 70 bis 80 Prozent dieser Fördermenge benötigt, ist das ganz klar unhaltbar. Auch darf nicht vergessen werden, dass der SLV nur einer von mehreren Silber-ETFs ist, die Anlegern zur Verfügung stehen", kommentiert Naylor-Leyland.

Steigende Anleger- und Industrienachfrage treibt den Silberpreis
Sollte Silber bald die Marke von 30 US-Dollar pro Unze durchbrechen, dürften Silber-ETFs wie der SLV bei institutionellen und professionellen Investoren wieder deutlich stärker gefragt sein. Dennoch bleibt für Naylor-Leyland die Frage: Wo soll dieses Silber herkommen? Selbst wenn sich die Förderbedingungen im Nachgang der Covid-Krise im Jahr 2021 wieder normalisieren sollten, würden nur 800 Millionen Unzen an neuem Silber auf den Markt kommen – und mindestens 600 Millionen davon würden an die Industrie gehen.

Wenn die Anleger- und Industrienachfrage weiter steigt, ist es für Naylor-Leyland nur schwer vorstellbar, dass der Silberpreis nicht ebenfalls steigt: "Edelmetallhändler und Münzläden sind ausgeräumt worden, wie es immer mal wieder geschieht, wenn der Bedarf an monetärer Absicherung steigt, aber ein Wiederauffüllen der Bestände aufgrund des Angebotsdrucks seitens der Industrie und des Bankensystems kurz- bis mittelfristig unwahrscheinlich erscheint. In diesem Zusammenhang werden die „verfügbaren oberirdischen Silbervorräte“ wahrscheinlich noch für den Rest des Jahres im Fokus der Märkte stehen." (aa)

 

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