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Ist die Unterwerfung Europas unter die USA nur eine Frage der Zeit?

Der globale Wettkampf lasse sich nicht mit einem Deal beenden, sondern werde über die nächsten Jahrzehnte erhalten bleiben. Ein anhaltender „kalter Wirtschaftskrieg“ werde die Weltwirtschaft in Blöcke spalten, vermutlich in eine asiatische und eine westliche Zone mit jeweils eigenen Wertschöpfung.

Manfred Schlumberger, Leiter des Starcapital-Portfoliomanagements
Dr. Manfred Schlumberger (Bild), Vorstand und Leiter Portfoliomanagement, sagt nichts Tröstliches: "Europa ist zu schwach, um sich eigenständig behaupten zu können, und muss sich den USA unterwerfen, um nicht zerrieben zu werden. Das bisherige Exportmodell Deutschlands, das sehr stark auf den Chinahandel ausgerichtet ist, wird sich kaum behaupten können. Europa insgesamt droht eine ‚ökonomische Disruption‘."
© Jose Poblete / stock.adobe.com

In der neuesten Ausgabe der "StarInvest" beschäftigt sich Dr. Schlumberger in einem Beitrag mit den Handelskriegen. 

Waffenstillstand: eine erstrebenswerte Atempause für Europa?
Kurzfristig dürfte der wirtschaftliche Schaden des Handelskriegs für China größer sein als für die USA. Langfristig sieht Dr. Schlumberger die autokratische Führung Chinas im Vorteil: „Sie kann ihrer Bevölkerung unter dem Deckmantel patriotischer Propaganda leichter ökonomische Opfer abverlangen. Trump muss seine Wiederwahl im Herbst 2020 im Auge haben, die ihm in einem rezessiven Umfeld nicht gelingen wird.“ Deshalb steige gegen Ende des Jahres der Druck auf den US-amerikanischen Präsidenten. Und weiter: „Für das voraussichtliche Trump-Xi-Treffen auf dem G 20-Gipfel in Osaka Ende Juni erwarte ich bestenfalls eine erneute Aufnahme von Verhandlungen einhergehend mit einem Waffenstillstand für 3 bis 6 Monate.“ Dies käme Europa zugute, da Trump Mehrfrontenkriege scheue und sich Europa beziehungsweise die deutsche Automobilindustrie erst nach einem Deal mit China vornehme. „In dieser Auseinandersetzung sind Trumps Erfolgschancen ungleich größer“, befürchtet Dr. Schlumberger.

Aktienmarkt ohne Alternative?
Die Leitzinssenkungen in den USA sollten den US-Dollar etwas abschwächen und so die Kapitalmärkte der Schwellenländer stützen. Europa könnte von seinem aktuellen Schattendasein im Handelskrieg relativ weiter profitieren. „Die US-Zinsen bleiben im Abwärtstrend, sodass uns die Alternativlosigkeit von Aktieninvestments erhalten bleibt. Im Spannungsfeld schwacher Unternehmensgewinne und extrem niedriger Zinsen sollten die Aktienmärkte ihre breite Seitwärtsbewegung der letzten zweieinhalb Jahre fortsetzen“, erwartet der StarCapital-Experte. Das Rezessionsrisiko habe jedoch vor dem Hintergrund des Handelskriegs deutlich zugenommen: „Kommt es zu einer globalen Rezession, wovon wir aktuell nicht ausgehen, muss realistischerweise von heftigen Einbrüchen an den Aktienmärkten ausgegangen werden.“ (kb)

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