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Ist die aktuelle Ölpreis-Rallye nur der Anfang?

Nach einem Einbruch im Zuge der Corona-Krise lag der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent im April 2020 bei 20 US-Dollar und erholte sich zum Jahreswechsel auf gut 50 US-Dollar. Bis Ende Februar setzte sich der Preisanstieg auf über 65 US-Dollar fort. Ist hier ein Superzyklus am Start?

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Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel
© Donner & Reuschel

Nach dem jüngsten Rohölpreisanstiegen riefen einige Experten zuletzt sogar einen neuen „Superzyklus“ für Rohöl aus, verbunden mit der Erwartung weiter stark steigender Notierungen. Doch wie realistisch ist diese Perspektive? Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, analysiert die Geschehnisse.

"Seit den Tiefstkursen im letzten Frühjahr wurde die Ölpreisrallye vor allem von der Aussicht einer überdurchschnittlichen Erholung der Weltwirtschaft nach der Corona-Rezession getrieben. Ende 2020 wurde diese Hoffnung durch die Erfolgsmeldungen vonseiten der Impfstoffentwicklung noch einmal untermauert", so Mumm. "In einer dynamischen Konjunkturerholung würde zunächst eine wieder schnell steigende Nachfrage auf ein etwas unelastischeres Angebot treffen, denn im Zuge der Krise wurden viele Produktionsstätten geschlossen, vor allem im Segment der Schieferölindustrie in den USA."

Wetterkapriolen in Texas plus US-Schieferölproduktion, die Fahrt aufnehmen muss
ie Anzahl der aktiven Ölbohrungen in den USA fiel Mitte des letzten Jahres auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Anfang 2021 wurden weitere Ölpreissteigerungen durch die Ankündigung Saudi-Arabiens, die eigene Ölförderung bis März weiter zu drosseln, angetrieben. Für nochmals kurzfristig deutlich steigende Notierungen sorgte die Kältewelle in Texas weil dadurch nennenswerte Förder- und Raffineriekapazitäten ausgefallen sind. Auch wenn die Behebung der Kälteschäden einige Wochen andauern dürfte, kann gerade die US-Schieferölproduktion grundsätzlich relativ schnell reaktiviert werden. So wurde die Anzahl der aktiven Bohrlöcher in den USA bereits von 176 im August auf derzeit 397 hochgefahren. Auch der Vorkrisenwert von knapp 700 kann bei weiter steigenden Rohölnotierungen innerhalb weniger Monate wieder erreicht werden.

OPEC+ uneins
Hinzu kommt, dass die Mitgliedstaaten der OPEC+ sich zuletzt nicht einig waren. Saudi Arabien hat mit der Förderkürzung höhere Produktionsniveaus, etwa aus Russland,  ausgeglichen. Anhaltend hohe Ölpreise könnten auch andere Förderstaaten zur Ausweitung ihrer Produktion veranlassen. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob beim Treffen der Mitglieder der OPEC+ in dieser Woche eine Verlängerung der Förderkürzungen beschlossen wird, zumal die OPEC-Staaten kein Interesse an zu stark steigenden Ölpreisen haben, weil diese das Hochfahren der US-Ölindustrie noch anfeuern würden.

Angebotsausweitung spricht gegen deutliche Preissteigerungen
Im Laufe des Jahres dürfte sich das weltweite Rohölangebot somit an die gestiegenen Nachfrageperspektiven anpassen und weiter deutlich steigende Notierungen verhindern. (kb)

 


 

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