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Investec Asset Management wandelt abseits ausgetretener Pfade

Beispiel gefällig? Man nehme die Mongolei, sie hat eine dreimal so große Fläche wie Frankreich, fast 70 Millionen Nutztiere und eines der weltweit größten unerschlossenen Rohstoffvorkommen. Dieses Schwellenland bietet echte Chancen, meint Peter Eerdmans von Investec Asset Management.

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Peter Eerdmans
© Investec AM

Der beneidenswerte Bestand an Naturkapital (Mineralien und tierische Produkte) in der Mongolei ist eine solide Grundlage für stabiles Wachstum. "Ob man das gesamte Potential des Landes nutzen kann, hängt vor allem von Infrastrukturinvestitionen ab", sagt Eerdmans. "Die Erlöse aus dem Naturkapital müssen umsichtig und gezielt eingesetzt werden. Trotz der sozialistischen Vergangenheit, die ja nicht die beste Grundlage für einen guten institutionellen Rahmen ist, mangelt es der Mongolei nicht an zuverlässigen Einrichtungen, die das Land unterstützen: IWF und Weltbank sind nur zwei der Institutionen, die derzeit eng mit der Mongolei zusammenarbeiten."

Noch gibt es viel zu tun
Nicht zuletzt bei den Themen Korruption, sozialer Wohnungsbau und Umweltverschmutzung bedarf es geeigneter Maßnahmen. Aber es gibt mehrere Initiativen mit dem Ziel, den Lebensstandard der Mongolen zu verbessern. Kurz gesagt, scheint die Mongolei wirklich nachhaltiges Wachstum für seine Wirtschaft und seine Einwohner zu wollen. Deshalb entwickelt sich das Land auch unter ESG-Gesichtspunkten in die richtige Richtung. Zu den wichtigsten positiven Faktoren gehören das Bekenntnis der Regierung zur Haushaltsdisziplin und die starke Unterstützung durch die internationalen Finanzinstitutionen.

Gefahr der Überstrapazierung der Staatsfinanzen
Viele Schwellenländer machen den Fehler, ihre Staatsfinanzen überzustrapazieren, häufig aus politischen Gründen im Vorfeld der Wahlen, weiß Eerdmans: "Der Mongolei ist das 2016 auch passiert. Das Land ließ ein Haushaltsdefizit von 18 Prozent zu. Weil die Rohstoffpreise wieder stiegen und gespart wurde, erreichte die Regierung bereits nach zwei Jahren wieder einen Haushaltsüberschuss und damit früher als der IWF prognostiziert hatte. Der IWF hat sogar angemerkt, dass nach diesem Erfolg die Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssen."

Zwei Staatsfonds geschaffen
Aus einem Gespräch mit dem Finanzminister geht hervor, dass das Land auf keinen Fall noch einmal eine solche Demütigung erleben will wie 2016.  Das Finanzministerium geht davon aus, dass sich der enorme Rückgang der Schuldenstandsquote fortsetzen wird. Nach 60 Prozent vom BIP im Jahr 2018 kann die Staatsschuldenquote bis 2021 auf 40 Prozent zurückgehen. Und mit dem Aufbau von zwei Staatsfonds hat das Land bewiesen, dass es sich für schlechtere Zeiten rüsten will.

Starke Unterstützung wichtiger internationaler Finanzorganisationen
Nicht zuletzt wegen der Sparprogramme genießt die Mongolei den Support dieser Organisationen. Das geplante Finanzierungsprogramm des IWF, das zurzeit bis zum Abschluss der Prüfung der Bankenrekapitalisierung ausgesetzt ist und von den mongolischen Behörden genehmigt werden muss, kann durchaus zustande kommen. Vertreter der IWF verwiesen auf die bemerkenswerte wirtschaftliche Leistung des Landes. Die Weltbank unterstützt die Mongolei mit 100 Millionen US-Dollar. Das sei ungewöhnlich und zeige, wie glaubwürdig die mongolische Regierung sei, meint Eerdmans.

Größte Risikofaktor ist die Oyu-Tolgoi-Kupfermine im Süden der Wüste Gobi
Sie hat dem Staat seit 2010 2,4 Milliarden US-Dollar eingebracht. Die Regierung prüft derzeit ihren Vertrag mit dem Mehrheitseigentümer der Mine. Es besteht also durchaus das Risiko – wenn auch nur ein kleines – das in Zukunft keine Investitionen mehr getätigt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die zweite Phase der Erschließung der Mine komplexer und teurer ist als angenommen. Das Ausmaß möglicher Verzögerungen und ihre finanziellen Auswirkungen wird man erst nach dem Abschluss der Untersuchungen im Jahr 2020 kennen.

Rohstoffabhängigkeit und mögliche Wahlgeschenke
"Das zweite Risiko ist die Anfälligkeit der Mongolei für einen starken Rückgang der Rohstoffpreise. Und das dritte Risiko besteht in den bald anstehenden Neuwahlen. Vielleicht werden sie schon Ende Oktober ausgerufen, aber dieses Risiko hat sich dank der umsichtigen Finanzpolitik bereits verringert. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass die Regierung ihre sparsame Finanzpolitik aufgibt und Wahlgeschenke macht", sagt Eerdmans. Angesichts der Erfahrungen im Jahr 2016 sei dies jedoch unwahrscheinlich. Außerdem habe man das Gefühl, dass die Bevölkerung eine gute Finanzpolitik wünsche und keine Geschenke, die sie langfristig teuer zu stehen kämen.

Steiniger Weg zum langfristigen Erfolg
Alles in allem sollten Investoren daran denken, dass junge Demokratien auf ihrem Weg zum Erfolg häufig Fehler machen. "Dagegen ist die Mongolei nicht immun. Der Weg zum Wohlstand dürfte also steinig werden. Aber eines steht fest: Obgleich noch einige wichtige Reformen nötig sind, um die Wirtschaft endgültig auf den rechten Weg zu bringen, bietet dieser Frontiermarkt Investoren spannende Chancen", resümiert Peter Eerdmans. (kb)

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