Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

News Übersicht

| Märkte
twitterlinkedInXING

Invesco: Zweifel an einigen Grundregeln der klassischen Finanztheorie

Die jüngsten Marktentwicklungen könnten Zweifel an einigen Grundregeln der klassischen Finanztheorie geweckt haben – vor allem an der Annahme, dass durch einen Mix unterschiedlichster Anlageklassen das Risiko eines Portfolios entscheidend reduziert werden kann, meint Invescos Arnab Das.

Arnab Das, Global Market Strategist, Global Thought Leadership, Invesco London
Arnab Das, Invesco
© Marlene Fröhlich für Institutional Money

 „Konzentrierte Portfolios – mit Schwerpunkten zum Beispiel in Wachstums- oder Tech-Werten, den USA und zunehmend auch China – haben zuletzt besser performt als diversifizierte Strategien,“ erklärt Arnab Das, Global Market Strategist, EMEA, bei Invesco in einer aktuellen Einschätzung. Wie sich an der Outperformance von Schwellenländeranleihen gegenüber Schwellenländeraktien zeige, hätten die risikoreichsten Teilklassen bei einer deutlich höheren Volatilität oft geringere Erträge geliefert. In vielen Fällen hätten diversifizierte Strategien dadurch niedrigere Renditen erzielt, aber das Risiko erhöht. Diese Entwicklungen widersprechen zumindest temporär der Finanztheorie. Das gilt insbesondere hinsichtlich der Annahme, dass durch die Diversifikation unterschiedlichster Anlageklassen das Risiko eines Portfolios entscheidend reduziert werden könne.

Entkoppelung bei Staatspapieren
Doch während konzentrierte Strategien in risikoreichen Anlageklassen wie Aktien und Unternehmensanleihen funktioniert hätten, sei es bei langlaufenden Staatsanleihen der größten Volkswirtschaften – US Treasuries, Bundesanleihen, japanischen Staatsanleihen, britischen Gilts und zuletzt auch chinesischen Staatsanleihen – zu einer Entkopplung gekommen, nachdem sich diese vor dem Hintergrund ähnlicher Wachstums- und Inflationserwartungen zuvor über längere Zeit weitgehend gleichläufig bewegt hatten.

„Die Entkopplung der insgesamt rückläufigen Anleiherenditen signalisiert unterschiedliche Wachstums- und Inflationstrends, wobei China und die USA das Feld anführen, gefolgt von Großbritannien, Japan und der Europäischen Union“, erklärt der Invesco-Stratege.

Dies könne zwar helfen, die höheren Gesamtrenditen von Risikoanlagen in China und den USA zu erklären. Trotzdem stellen sich Das zufolge aktuell mehrere Fragen von grundlegender Bedeutung für die künftige Positionierung von Investmentportfolios: Warum hat die Diversifikation die Rendite reduziert, ohne das Risiko zu reduzieren? Wird sich das jetzt wieder ändern? Und was bedeutet das alles für den Wachstumsausblick und die Kapitalmarktaussichten in den kommenden Jahren?

Konvergenz vs Divergenz
Wie Das erläutert, haben Geldpolitik, Deregulierung, Globalisierung und technologischer Fortschritt zu steigenden Wachstumsraten und Renditen geführt und eine weltweite Konvergenz sowie stärkere Konzentrationstendenzen an den Kapitalmärkten gefördert. Inzwischen stünden den Konvergenzkräften aber auch zunehmende Treiber größerer Divergenzen gegenüber.

Zu den Konvergenzkräften zählt Das die extrem großzügige Liquiditätsversorgung der Wirtschaft und Märkte durch die Geld- und Fiskalpolitik sowie die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Technologiesektoren. Als divergierende Kräfte nennt er strukturelle und politische Veränderungen sowie technologische, geoökonomische und geopolitische Trends wie zunehmende Handelsbarrieren, Investitionshemmnisse und regulatorische Hürden.

Comeback unterschiedlicher Konjunkturzyklen
Obwohl praktisch alle Staaten ihrer pandemiegebeutelten Wirtschaft mit Hilfspaketen unter die Arme griffen, fiele die fiskalpolitische Unterstützung unterschiedlich hoch aus, wodurch sich auch die Volkswirtschaften unterschiedlich schnell von der Covid-19-Krise erholen dürften. Damit werde sich der Trend zu weltweit auseinanderlaufenden Konjunkturzyklen verstetigen. „In den letzten zehn Jahren hat es praktisch keinen ‚normalen‘ globalen Konjunkturzyklus gegeben. Stattdessen hatten wir es mit wiederholten mittzyklischen Auf- und Abschwüngen zu tun und in einigen Ländern der Eurozone sogar mit ‚Double-Dips‘“, sagt Das.

Game Changer
Weitere divergierende Kräfte seien die Lockdown-Maßnahmen mit ihren sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf verschiedene Volkswirtschaften und Branchen. Während Tourismus, Gastronomie und Freizeitindustrie am Boden lägen, habe sich die Industrie an die veränderte Lage angepasst. Im Dienstleistungssektor wiederum sei es zu einer massiven Verschiebung zu Onlinediensten gekommen.

Gewinner und Verlierer
Damit hätten die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus klare Gewinner und Verlierer hervorgebracht. „Die Gewinner- und Verlierersektoren sind in verschiedenen Volkswirtschaften und Kapitalmarktindizes unterschiedlich hoch gewichtet. Unser Umfeld ist geprägt von Divergenz, Differenzierung und Streuung – und die unterschiedliche fiskalpolitische Unterstützung wird die Divergenzen zwischen strukturell unterschiedlichen Volkswirtschaften vermutlich weiter verstärken“, so Das.

Aus Anlegersicht spricht dem Invesco-Experten zufolge in diesem Umfeld viel für eine hohe Selektivität und gute Diversifikation, um den sich verändernden Risiko-Ertrags-Profilen der verschiedenen Anlageklassen und Teilklassen Rechnung zu tragen. (aa)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren