Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Theorie
twitterlinkedInXING

Invesco über die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution

Laut einer jüngst publizierten Studie von Invesco habe die „Industrielle Revolution 4.0“ weitreichende Konsequenzen für die Wirtschaft und damit auch für die Märkte. Investoren sollten diese Effekte auf Inflation, Zinsen, Produktivität etc. bei ihren Investmentüberlegungen mitberücksichtigen.

Arnab DAS, Invesco
Arnab Das, Global Market Strategist und Mitglied des Global Investors’ Forum sowie des Global Thought Leadership Teams von Invesco
© Invesco

Institutionelle Investoren leben derzeit in einer spannenden Ära. „Denn die „vierte industrielle Revolution“ – kurz „IR 4.0“ – ist bereits voll im Gange und könnte Wirtschaft und Märkte auf allen Ebenen von Grund auf verändern, mit ähnlich weitreichenden makroökonomischen, geopolitischen und nationalen politischen Folgen wie die erste, zweite und dritte industrielle Revolution“, schreibt Arnab Das, Global Market Strategist und Mitglied des Global Investors’ Forum sowie des Global Thought Leadership Teams von Invesco, in einem neuen Invesco-Whitepaper zu den Auswirkungen der IR 4.0 für Wirtschaft, Märkte und Investoren.

Kapital statt menschlicher Arbeitskraft
Die Studie mit dem Titel „Industrial revolution 4.0: ghosts of disruption past, present and future“ beleuchtet die neuen Herausforderungen der stärkeren Nutzung von Kapital an Stelle von Arbeitskraft im Zuge der Digitalisierung, Automatisierung und künstlichen Intelligenz. Sie untersucht die Makro- und Mikroauswirkungen dieses Transformationsprozesses, identifiziert die wahrscheinlichen Gewinner und Verlierer und skizziert allgemeine Auswirkungen für Investoren.

Automatisierung beeinflusst die Zinsen
Zu den von Invesco identifizierten Auswirkungen der IR 4.0 gehören ein anhaltend geringer oder moderater Inflationsdruck, wodurch die nominalen Anleiherenditen bei zyklischen Verschiebungen von Höhe und Struktur der Zinskurven in den wichtigsten Staatsanleihemärkten niedrig bleiben dürften. Aus der Top-down-Perspektive betrachtet sollten die Verwerfungen in anderen Segmenten der Zinsmärkte wie kreditbezogenen Schuldtiteln dank der im historischen Vergleich niedrigen nominalen Anleiherenditen begrenzt bleiben. Durch disruptive Entwicklungen auf Ebene ganzer Branchen oder einzelner Unternehmen sei aber mit teilweise erheblichen Veränderungen auf Einzeltitelebene zu rechnen.

Höhere Renditen, niedrigere Produktivität
Unterdessen könne der Wettbewerbsdruck zwischen Ländern und Unternehmen im Hinblick auf einen anhaltenden oder sogar beschleunigten technologischen Fortschritt die Kapitalrenditen stärken und das Potenzial für eine nachhaltige, bedeutende und rasche Steigerung der Arbeitsproduktivität hemmen. Arnab Das und sein Team rechnen mit bedeutend größeren Unterschieden zwischen den Ländern, die sich in den Anteilen an der Wirtschaftsleistung, der Aktienmarktkapitalisierung und den Ertragsströmen widerspiegeln werden. „Diese Effekte sind bereits voll im Gange und dürften künftig noch deutlicher werden, da viele Unternehmen und Länder den Technologiewandel forcieren und sich weiterhin schneller anpassen als andere, die weniger bereit oder fähig sind, die dafür nötige Flexibilität zu zeigen“, so der Global Market Strategist von Invesco.

Alles ist in Bewegung
Tatsächlich seien die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution selbst in dieser frühen Phase bereits deutlich tiefgreifender als allgemein angenommen. Zusammen mit der Globalisierung, der Deregulierung der Arbeitsmärkte, der Migration und der Inflationssteuerung wirke sich die IR 4.0 auf Wachstum und Inflation, Investitionen, Löhne, Produktivität und Beschäftigung aus, wobei die Ersetzung von Arbeitskräften durch Kapital die Politik vor große Herausforderungen stelle.

Dazu gehören Sorgen über Massenarbeitslosigkeit, eine größere Einkommensungleichheit und die Bedrohung des historischen Aufholmodells der Schwellenländer – der Entwicklung von landwirtschaftlich basierten zu fertigungsintensiven Volkswirtschaften zur Förderung der Produktivität und realen Einkommen.

In ihrer neuen Studie untersuchen Das und sein Team, ob und wie diese Herausforderungen zu bewältigen sind und ob die positiven Auswirkungen radikaler Innovationen letztlich schwerer wiegen als die disruptive Wirkung dieser Innovationen in Form von Zerstörung und Ungleichverteilung. Ob Länder, Branchen und Unternehmen zu den Gewinnern oder Verlierern dieser Entwicklung gehören, werde dabei maßgeblich von der nationalen Politik und Geopolitik abhängen.

Japan und die USA weiter führend
Demnach dürften die USA und Japan ihre Spitzenposition unter den Industrieländern auch künftig beibehalten. Dabei werde Japan vor allem in der Robotik weiter ganz vorne mitspielen, während die USA wie gehabt bei transformativen Technologien die Nase vorn haben dürften. Dadurch werde der US-Aktienmarkt auch weiterhin der wichtigste Markt für neue transformative Technologien, disruptive Unternehmen und neue Aktienmarkt-Giganten bleiben.

In Europa hingegen sehen die Invesco-Experten bedeutendes Potenzial für fortschrittliche Innovationen in weniger skalenträchtigen Sektoren wie Fintech sowie in der Herstellung hochwertiger und großtechnischer Automatisierungstechnologien und ihrer Anwendung auf bestehende Technologien. Arnab Das zufolge dürfte es Europa und Japan aber schwerfallen, ähnlich wie die USA völlig neue transformative Technologien aus der Wiege zu heben. Grund seien die größere Schwierigkeit, in diesen Märkten umfangreiche Risikokapitalfinanzierungen auf die Beine zu stellen, sowie die geringere Flexibilität der Produkt-, Dienstleistungs- und Arbeitsmärkte.

Old Economy wird unter Druck kommen
Die Thought-Leadership-Experten von Invesco gehen davon aus, dass sich in den Schwellenmärkten die großen asiatischen Länder, vor allem China und Korea, an die Spitze setzen werden. Indien dürfte führend in Hightech-Software- und Beratungssegmenten bleiben. Im Hardware-Bereich dagegen werde das Land wahrscheinlich weiter hinterherhinken und außerdem eine weiterhin sehr stark landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft mit traditionellen „Old Economy“-Produktionssektoren haben. In der Folge könnte das Wirtschaftswachstum nicht ausreichen, um das traditionell hohe Bewertungsniveau indischer Aktien auf breiter Basis zu stützen. Dadurch könnte es zu einer größeren Differenzierung auf Branchenebene kommen, wenn „Old Economy“-Sektoren weltweit unter Druck geraten.

Schreckgespenst Disruption
Mit Blick in die Zukunft rechnen Arnab Das und sein Team mit deutlich größeren disruptiven Veränderungen der Struktur und relativen Marktkapitalisierung von Branchen und nationalen Indizes. „Noch ist es zu früh für klare Prognosen, aber wir rechnen mit einem ‚Amazon-Effekt‘, der sich durch preisliche Transparenz, Wettbewerb und Margendruck nicht nur auf die Inflationserwartungen auswirkt, sondern auch zu weiteren Veränderungen der Cashflows und der darauf angewandten Abschläge führen dürfte“, so Das.

„Branchen und Unternehmen, in denen es durch neue Technologien bzw. neue Marktteilnehmer, die neue Technologien auf neuartige Weise einsetzen, zu disruptiven Veränderungen kommt, müssen mit Marktanteilsverlusten, sinkender Profitabilität und steigenden Kreditrisiken und -spreads sowie höheren Aktienrisikoprämien rechnen, wenn ihre Überlebensfähigkeit in Frage gestellt wird.“

Auswirkungen auf die Asset Allokation
Wie sich diese technologischen Veränderungen auf die Produktion, die Beschäftigung und die Unternehmensgewinne in den verschiedenen Sektoren und Ländern – sowie auf Unternehmensebene – auswirken werden, lässt sich zwar unmöglich voraussagen. Die entscheidenden Marktauswirkungen, die sich bereits jetzt abzeichnen, sollten jedoch genauso wie andere wichtige globale Wirtschaftsentwicklungen in die Vermögensaufteilung und Marktstrategie einfließen. „IR 4.0 beeinflusst schon jetzt Politik und Regulierung in aller Welt. Daher sollte sie auch schon jetzt in der Asset Allokation berücksichtigt und genau im Blick behalten werden. Denn der Wandel ist nicht mehr nur eine Konstante – sondern ein Beschleuniger“, betont Das. (aa)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen