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Invesco Global Fixed Income Study: Ende des Aufschwungs rückt näher

Die Hälfte der Befragten erwartet, dass der Konjunkturzyklus noch ein bis zwei Jahre andauert; viele nordamerikanische Investoren rechnen hingegen mit einem früheren Zyklusende. Zudem bereiten globale Schuldenberge und die Ausweitung der Kreditspreads den Investoren Sorgen.

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Nick Tolchard, Head of Europe, the Middle East & Africa (EMEA) bei Invesco Fixed Income, fasst zusammen: „Im vergangenen Jahr ist die von den meisten erwartete ‚neue Normalisierung‘ weitgehend eingetreten. Inzwischen zeigen sich die Investoren durch die immer länger werdende Liste potentieller geopolitischer und marktspezifischer Risiken aber zunehmend verunsichert. Dadurch richten die Anleiheinvestoren ihre Anleiheportfolios aktiv neu aus, um besser für unterschiedliche Szenarien gerüstet zu sein."
© Invesco

Invesco hat die zweite Ausgabe seiner jährlichen Global Fixed Income Study veröffentlicht. Die Studie zeigt, dass die Investoren trotz der Erwartung eines baldigen Endes des Konjunkturzyklus nicht mit einer bedeutenden Kurskorrektur an den Zinsmärkten rechnen, sondern mit einer – eher selten vorkommenden – weichen Landung bei einer anhaltend flachen Zinsstrukturkurve. Vor diesem Hintergrund wollen die Investoren auf der Suche nach Rendite auch an ihren Anleihepositionen festhalten, aber einen aktiveren Ansatz verfolgen, um mit alternativen Anlageinstrumenten, Schwellenländeranleihen und China-Investments  unterschiedliche Renditepotentiale zu erschließen. 

Handelszwist als Auslöser für Reallokationen 
Die Studie, die auf Interviews mit 145 Anleiheexperten und CIOs in EMEA, Nordamerika und Asien-Pazifik mit einem Anlagevermögen von insgesamt 14,1 Billionen US-Dollar basiert, zeigt zudem, dass sich die Investoren verstärkt auf mögliche Marktverwerfungen durch geopolitische Entwicklungen einstellen. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Investoren hat die Handelsstreitigkeiten zum Anlass genommen, die eigenen Portfolioallokationen anzupassen.

Institutionelle bleiben beim Brexit cooler als Wholesale-Investoren
Besonders ausgeprägt sind die geopolitischen Sorgen bei den Wholesale-Investoren, von denen zwei Drittel (65 Prozent) den Brexit zum Anlass genommen haben, ihre Allokationen in Europa und Großbritannien anzupassen, verglichen mit lediglich einem Drittel (34 Prozent) der
institutionellen Investoren. Die Erwartungen der Investoren an die weitere Entwicklung der
Weltwirtschaft sind inzwischen nicht nur unsicherer geworden, sondern unterscheiden sich auch stärker, wobei die hohe globale Verschuldung als wahrscheinlichster Auslöser des nächsten Abschwungs betrachtet wird.

Wann kommt das Ende des Zyklus?
Der aktuelle Aufschwung dauert inzwischen fast zehn Jahre an und ist damit einer der längsten aller Zeiten. Daher fürchten viele Investoren inzwischen auch ein baldiges Ende des aktuellen Zyklus und halten Ausschau nach möglichen Auslösern eines Abschwungs. Die mit einem Anteil von 49 Prozent geläufigste Ansicht unter den globalen Anleiheinvestoren ist, dass der
Zyklus noch ein bis zwei Jahre andauern wird, der nächste Abschwung also vermutlich zwischen Ende 2019 und Ende 2020 einsetzen wird. Mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent) rechnet jedoch mit einem früheren Zyklusende innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate. Verglichen mit den institutionellen Investoren äußern sich die befragten Wholesale-Investoren pessimistischer zum kurzfristigen Ausblick – 65 Prozent gehen davon aus, dass der aktuelle Konjunkturzyklus innerhalb der nächsten zwei Jahre enden wird.

Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede
Am stärksten überzeugt, dass der Konjunkturzyklus noch ein bis zwei Jahre andauern wird, sind die Investoren aus dem asiatisch-pazifischen Raum, während die Befragten aus der EMEA-Region am optimistischsten sind, dass der Zyklus erst deutlich später zu Ende gehen könnte. Nordamerikanische Anleiheinvestoren sind dagegen weniger optimistisch – von ihnen glaubt mehr als die Hälfte, dass es mit dem Aufschwung innerhalb der nächsten zwölf Monate vorbei sein wird. 

Potentielle Auslöser der nächsten Rezession 
Auf die Frage nach den erwarteten Auslösern des nächsten Abschwungs verwiesen die Befragten ganz überwiegend auf das insgesamt hohe Schuldenniveau und vor allem die hohe Staatsverschuldung. Dass den Investoren die angehäuften Schuldenberge Sorgen machen, ist nach einer so langen Phase rekordtiefer Zinsen kaum verwunderlich. Die befragten Investoren glauben, dass ein von steigenden Zinsen gekennzeichnetes Umfeld bedeutende Auswirkungen auf die Zinskosten und Ausfallraten haben wird. Als weitere mögliche Auslöser von Marktverwerfungen wurden eine Krise in den Schwellenmärkten (für 15 Prozent der Investoren das größte Risiko) sowie and dritter Stelle eine Schuldenblase in China genannt (13 Prozent).

Auswirkungen auf die Zinsmärkte 
Das möglicherweise nahende Ende des aktuellen Aufschwungs stimmt die Investoren zunehmend nervös und schürt Sorgen über potenziell deutliche Kurskorrekturen an den Märkten, wobei sich diese Sorgen etwas stärker auf die Aktien- als auf die Anleihemärkte beziehen. Allerdings glauben 60 Prozent der befragten Investoren, dass sich die Kreditspreads in den nächsten drei Jahren ausweiten werden, und 45 Prozent it einer noch für längere Zeit flachen Zinsstrukturkurve. Ein möglicher Anstieg der Inflation bereitet den Anleiheinvestoren dagegen weniger Sorgen (34 Prozent) und nur jeder vierte Befragte (27 Prozent) rechnet in den nächsten Jahren mit einer invertierten Zinsstrukturkurve.

Höhere Allokationen in chinesische Anleihen 
Chinesische Anleihen profitieren davon, dass sich die Investoren auf der Suche nach Rendite und Diversifikation nicht von Handelsstreitigkeiten und geopolitischen Sorgenfaktoren abhalten lassen. Ein Drittel (32 Prozent) der globalen Anleiheinvestoren will das Engagement in China in den nächsten drei Jahren ausbauen. Das gilt besonders für nordamerikanische Investoren (58 Prozent). In den Portfolios der US-amerikanischen Investoren sind chinesische Zinsprodukte derzeit noch weniger stark vertreten. Trotz der zunehmenden Handelsspannungen werden sie ihre Allokationen in China-Anleihen aber auch mit der größten Wahrscheinlichkeit erhöhen. Das ist ein bemerkenswerter Sinneswandel in einer Nation, die vornehmlich in ihre eigenen (d.h. US-amerikanischen) Anleihemärkte investiert. Für die Hälfte (51 Prozent) der globalen Investoren ist das größere Engagement in China eine längerfristige strategische Entscheidung,
hinter der auch das ab 2019 voraussichtlich zunehmende Gewicht des Landes in den wichtigsten Anleihenindizes steht. 

Obwohl der traditionelle Renditeaufschlag chinesischer Staatsanleihen gegenüber US-amerikanischen Treasuries geschrumpft ist, sind die ausländischen Anlagezuflüsse in den chinesischen Anleihemarkt im Jahr 2018 schnell gestiegen. China hat den drittgrößten Anleihemarkt der Welt, ist aber in den Anleiheportfolios professioneller Investoren seit langem untergewichtet (oder überhaupt nicht vertreten), obwohl Faktoren wie die relative Bewertung, Rendite und erwartete Gesamtrendite für chinesische Anleihen sprechen. 

Abgebaute Investmenthürden in China
Die Hürden, die einem Engagement am chinesischen Markt entgegenstehen, werden jedoch zunehmend abgebaut. Das machen sich die Investoren zunutze. Als aktuell größte Hürden betrachten sie das anlageklassenspezifische Risiko, mögliche staatliche Interventionen sowie potenziell restriktivere Kapitalverkehrskontrollen. 

Investoren antworten auf die aktuelle Lage mit unterschiedlichen Strategien
"Interessanterweise ziehen Anleiheinvestoren in allen Regionen ein breites Spektrum von
Portfoliostrategien in Erwägung: Während einige die Verzinsung an erster Stelle sehen, setzen andere auf mehr Sicherheit durch kürzere Laufzeiten oder Barmittel für den Fall eines Volatilitätsschubs. Wieder andere bevorzugen flexiblere variabel verzinsliche Instrumente. Das zeigt, dass Investoren angesichts der vielen zu beachtenden Faktoren unterschiedliche Lösungen brauchen, um die potentiellen Risiken zu adressieren,“ sagt Nick Tolchard. (kb)

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