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INSURANCE DAY: Herausforderungen und Regulierung im Asset Management

Wie schon in den letzten drei Jahren zuvor beschäftigte sich Dr. Stanislava Saria, Abteilungsleiterin Querschnittthemen der Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht bei der FMA, in ihrem Vortrag mit angedachten Neuerungen und Reviews des Solvency II-Regimes.

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Dr. Stanislava Saria
© FMA

Dr. Saria wies darauf hin, dass sich die Solvabilitätsquoten der österreichischen Versicherer auf einem relativ hohen und stabilen Niveau bewegen. Während der Median der SCR-(Solvency Capital Requirement)-Bedeckung bei 238,8 Prozent liegt, konnte die Hälfte der österreichischen Assekuranz  eine Mindest-Solvenzkapital-(MCR)-Bedeckung zwischen 569 und 900 Prozent  vorweisen. Der aggregierte Vergleich zwischen dem ersten Halbjahr 2018 und jenem des Vorjahres ergab eine Steigerung des Prämienvolumens von mehr als drei Prozent, allerdings war das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um zirka ein Viertel rückläufig. 

Stabile Asset Allokation
Die Kernaktienquote wurde nur geringfügig erhöht und liegt bei um die vier Prozent, die gesamte Aktienquote ist allerdings in Österreich mit etwas über 20 Prozent in Europa relativ hoch. Nur in Schweden, Island und Dänemark ist sie in Europa noch höher. Dominant in der Asset Allokation der österreichischen Versicherer sind Anleihen mit mehr als 60 Prozent, wenn man die Rentenfonds dazurechnet. Im EU-Vergleich liegt dieser Wert bei 84 Prozent. Dr. Saria: "Bemerkenswert ist, das Österreichs Assekuranz im EU-Vergleich mit 14 Prozent nur in etwa halb soviel Staatsanleihen wie große europäische Versicherungsunternehmen besitzt, die auf 28 Prozent Anteil in ihrer Asset Allokation kommen. Dafür halten Österreichs Versicherer mit 16 Prozent mehr Anleihen aus dem Finanzsektors, in Europa sind es im Schnitt 10 Prozent." Daneben ortet die FMA ein steigendes Interesse an Immobilien, Alternativen Anlagen wie Infrastruktur und Sachwerte sowie an Beteiligungen. Abgebaut wurden hingegen Anleihen aus dem Finanzsektor, strukturierte Produkte und Nachrang-Anleihen.   

Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite
Dr. Saria wies darauf hin, dass in den letzten zehn Jahren ein regelrechter Regulierungstsunami über die Finanzbranche hereingebrochen sei, der bis heute nicht abgeebbt sei. Die laufenden Regulierungsvorhaben sprächen eine deutliche Sprache.

EMIR-REFIT  
Zu nennen ist die Überprüfung der Verordnung über europäische Marktinfrastrukturen (EMIR), EMIR-REFIT bezeichnet. Ziel des Reviews ist es, die Anforderungen von EMIR ohne Beeinträchtigung der übergeordneten Ziele der Verordnung in bestimmten Bereichen anzupassen, um die Anforderungen zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. Die geplanten Anpassungen der Verordnung werden im zweiten Halbjahr 2018 auf europäischer Ebene verhandelt und finalisiert. Dr. Saria merkte an, dass mit 17. August 2018 eine Übergangsbestimmung auslief, die es den Altersversorgungseinrichtungen gestattete, von der Derivate-Clearing-Pflicht und von der Verpflichtung vom Handel von clearingpflichtigen OTC-Derivaten ausgenommen zu sein. Eine diesbezügliche Verlängerung wäre möglich, ist aber aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen nicht sicher. Immerhin haben die drei ESAs (EBA, EIOPA und ESMA) eine Opinion Anfang Juli 2018 publiziert, der zufolge die Aufsichten auf diesem Gebiet bei Vorsorgeeinrichtungen keine prioritären Aufsichtshandlungen setzen werden

Verbriefungen
Angestrebt wird hier eine Wiederbelebung des europäischen Verbriefungsmarktes durch eine Re-Regulierung. Durch die Verbriefungsverordnung gibt es ein grundsätzliches Verbot von Wiederverbriefungen, die Festlegung, dass der Risikoselbstbehalts nicht von den Special Purpose Vehicles (SPVs) als Originatoren übernommen werden darf, und die Einführung der STS- (sichere, transparente und standarisierte)-Verbriefungen. Für STS-Verbriefungen sind Erleichterungen bei der Eigenmittelunterlegung vorgesehen, es bedarf jedoch noch bestimmter Präzisierungen. Bei den RTS (regulatory technical standards) gibt es noch eine Begutachtungsfrist bis 15. September 2018. Auf nationaler Ebene ist das STS-Verbriefungsvollzugsgesetz bis 14. September 2018 in Begutachtung und wird mit 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Kommissionsvorschlag zu Sovereign Bond-Backed Securities (SBSS)
Hier besteht seitens der solide wirtschaftenden europäischen Staaten die Befürchtung, dass mit Hilfe dieses Instruments durch die Hintertür Eurobonds eingeführt werden könnten. Jedenfalls handelt es sich bei SBBS um gebündelte Staatsanleihen, die dann in Tranchen zerlegt und investierbar gemacht werden sollen. Dies soll einer weiteren Integration und Diversifikation des Finanzsektors dienen. Mögliche Verluste würden ausschließlich von privaten Investoren zu tragen sein, so die EU-Kommission.

Aktien
Nachgedacht wird über weitere Erleichterungen bei der Eigenmittelunterlegung. Bis dato gab es immer wieder Erleichterungen im Aktiensegment, etwa die Ausdehnung von  Übergangsvorschriften bezüglich des sukzessiven Anstiegs des Stress-Faktors auf nicht-börsennotierte Aktien und auf indirekt über Investmentfonds gehaltene Aktien. Nun gibt es  neue Vorschläge von Frankreich und den Niederlanden im Rahmen des SCR-Reviews, die nicht gelistete Aktien und strategische, langfristige Aktienengagements betreffen. Für letztere gibt es einen Vorschlag in Richtung 22 Prozent Solvenzkapitalunterlegung. Österreichs Assekuranz würde hier nach Polen am meisten profitieren, da der Anteil der strategischen Beteiligungen von heimischen Versicherungsunternehmen mit 12 Prozent am zweithöchsten ist.  

Weitere Dossiers
Sie betreffen Infrastrukturinvestments auf der Equity- und Bond-Seite mit Erleichterungen bei der Kapitalunterlegung, Covered Bonds (Pfandbriefe), für die es in Europa keine einheitliche Definition gibt - so wird die Funktion des Treuhänder von mehreren Staaten in Frage gestellt - und die Förderung nachhaltiger Investments.

Förderung des nachhaltigen Investierens
Dazu gibt es einen Legislativvorschlag vom 24.  Mai 2018, der in Richtung Schaffung eines Klassifikationssystems für nachhaltige Anlagen (Taxonomy) geht. Dazu müsse aber erst eine einheitliche Definition etwa von Green Bonds geschaffen werden, um Green Washing zu verhindern, wie Dr. Saria ausführte. Angedacht ist auch ein EU-Umweltzeichen für grüne, d.h nachhaltige Finanzprodukte, das für Retail-Investoren nützlich sein könnte, die entsprechende Präferenzen bei ihrer Kapitalanlage haben. 

Nachhaltigkeitspräferenzen sollen künftig auch im Vertriebsprozess berücksichtigt werden, eine diesbezügliche Änderung der Level 2-Verordnung zur Versicherungsvertriebsrichtlinie (Insurance Distribution Directive; IDD) steht im Raum. Bis dato sei im Zentrum gestanden, so Saria, dass der Versicherer im besten Interesse des Kunden handeln müsse, worunter rein finanzielle Interessen verstanden werden. Dies müsste sich im Hinblick auf den Einschuss von Nachhaltigkeit ändern. Kein leichtes Unterfangen werde auch die Erstellung von transparenten und soliden Nachhaltigkeitsbenchmarks werden. (kb)

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