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In der Zinsfalle: Dax-30-Pensionslücke auf Rekord-Niveau

Die Pensionslasten der Dax-Konzerne dürften laut einer Studie des Flossbach von Storch Research Instituts im ersten Halbjahr auf ein Rekordhoch von über 400 Milliarden Euro geklettert sein. Erodierende Zinsen haben die Verpflichtungen massiv anschwellen lassen.

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Altersarmut könnte in Deutschland wieder ein weit verbreitetes Thema werden, wenn Zinsen und BIP-Wachstum zu niedrig sind.
 
© Alexander Raths / stock.adobe.com

Mit Blick nach vorne verheißt das zunehmend festzementierte Niedrigzinsumfeld für die Pensionsmanager der 30 deutschen Dax-Konzerne nichts Gutes, heißt es in einer aktuellen Studie des Flossbach von Storch Research Instituts in Köln. Die dauerhaft niedrigen Zinsen werden laut dem Studienautor Kai Lehmann zunehmend zu einer Belastung für die großen Unternehmen in Deutschland. "Gleichzeitig dürften die Unternehmen wieder einmal kaum von der freundlichen Entwicklung an den Aktienmärkten profitiert haben", so Lehmann.

Laut den Ergebnissen der Studie ist die Lücke bei den Pensionsverpflichtungen der Unternehmen im Dax-Index zurzeit so groß wie nie zuvor. Lehmann hat anhand eines eigenen Modells errechnet, dass die Pensionslasten Mitte des Jahres bei rund 400 Milliarden Euro. Gleichzeitig seine nur rund 250 Milliarden Euro davon an speziell dafür ausgelagerten Vermögenswerten vorhanden, was die Finanzierungslücke auf einen neuen Rekordwert von 146 Milliarden Euro treibe, 27 Milliarden mehr als noch vor einem halben Jahr.

Am Beginn einer zinslosen Ära
Zwar könne die tatsächliche Entwicklung von den in seiner Studie geschilderten Ergebnissen unter Umständen deutlich abweichen, so Lehmann, der dazu erklärt: "So objektiv und nachvollziehbar unsere gewählten Annahmen sind, sei doch darauf hingewiesen, dass es sich bei den Berechnungen um Simulationen handelt." Das ändere aber nichts daran, dass das grundsätzliche Problem bestehen bleibe, dafür würden die jüngsten Zinsentscheidungen der Notenbanken sprechen.

"Die Zinsen werden ewig nahe null bleiben"
Mit einer Zinswende nach oben rechnet Flossbach von Storch ohnehin schon längst nicht mehr. "Die Zinsen werden ewig nahe null bleiben", hatte Bert Flossbach, Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters, schon vor Monaten gewarnt. In seinem aktuellen Kapitalmarkt-Kommentar ging er sogar noch einen Schritt weiter und erklärte: "Die jüngsten Signale der Zentralbanken deuten darauf hin, dass wir eher am Anfang als am Ende der Tiefzinspolitik stehen." Auch wenn die Niedrigzinsphase nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt anhalte, so sei das nur der Beginn einer zinslosen Ära.

Auch wenn Betriebsrenten deshalb nicht gleich in Gefahr sind, weil grundsätzlich der Pensionssicherungsverein einspringt, wenn ein Unternehmen seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann: Allein die Tatsache, dass entsprechende Mittel zur Deckung von Pensionsverpflichtungen verwendet werden müssen, dürfte die finanziellen Spielräume der Unternehmen immer mehr einengen mit dem Effekt, dass das Geld an anderer Stelle wie etwa bei Investitionen fehlt.

Unternehmen haben Vermögensallokation nicht angepasst
Vor dementsprechend schwierigen Zeiten stehen die Pensionsmanager der Dax-Unternehmen, denen noch nicht einmal geholfen wäre, wenn die Zinsen in fünf Jahren wieder bei drei Prozent stünden. "Denn das würde auf der anderen Seite nichts Gutes für die Kursentwicklung der ausgelagerten Vermögenswerte erwarten lassen", so Kai Lehmann in seiner Studie. Denn die Pensionslücke werde bleibe, egal wie man es auch drehe oder wende. Jetzt räche es sich, dass die Unternehmen nicht genügend Vorsorgemittel zur Seite gelegt hätten. Schwache Ausfinanzierungsgrade und niedrige Aktienquoten beim ausgelagerten Vermögen würden zudem eine Reduktion der Pensionslücke verhindern.

"Da die Zinsen vermutlich noch auf lange Zeit auf dem aktuellen Niveau verharren werden, dürfte sich hieran nichts ändern, solange die Vermögensallokation der Unternehmen nicht dem veränderten Zinsumfeld angepasst und chancenreicher ausgestaltet wird", so Lehmann im Fazit zu seiner Studie.

Mit einer solchen Strategie-Anpassung rechnet der Studienautor nicht, wenn er am Ende erklärt: "Für die Manager der Pensionswerke scheint es im Zuge des Asset-Liablity-Matchings trotz dahingeschmolzener Kupons offenbar attraktiver zu sein, weiterhin hohe Anleihequoten zu halten als sich der Volatilität des Aktienmarkes auszusetzen." Dass insbesondere die Kurse langlaufender Bonds bereits bei einem geringen Anstieg des Zinsniveaus schmerzhafte Kursverluste erleiden können, werde hierbei anscheinend ausgeblendet. (hh)

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