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Hüfner: Was bedeuten mehr Nationalstaaten für die Anlagestrategie?

Dieser interessanten Frage geht Dr. Martin Hüfner in seinem aktuellen Kommentar nach. Denn durch den Zerfall diverser Großreiche und Kolonien entstehen immer mehr Nationalstaaten, die laut Hüfner ein Kontrapunkt für die Globalisierung seien. Hüfner erklärt, wie Investoren diesen Trend nutzen können.

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Dr. Martin Hüfner, Assenagon: "In den letzten 200 Jahren ist nicht nur die Globalisierung rasant gestiegen ist. Es gab auch eine überraschend starke Gegenbewegung."


 
© Assenagon

Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon, weist in seinem dieswöchigen Kommentar auf einen Trend hin, der wohl nur wenigen Anlegern wirklich bewusst ist: Trotz einer immer mehr um sich greifenden Globalisierung gibt es interessanterweise immer mehr Nationalstaaten. Laut Hüfners Ansicht sei dies ein Kontrapunkt der Globalisierung, wobei er offenbar wie viele andere Bürger fälschlicherweise davon ausgeht, dass sich Nationalstaaten und Globalisierung gegenseitig ausschließen oder zumindest behindern.

Redaktionelle Anmerkung: Dabei ist es wahrscheinlich gerade andersrum, denn kleine Staaten ohne Zugriff auf "notwendige" Resourcen wie Öl, Gas, Uran etc. sind zu internationalem Handel und damit zur Globalisierung gezwungen, beispielsweise die Niederlande oder die Schweiz. Das Gegenbeispiel von wenig globalisierten Nationen wäre die ehemalige Sowjetunion, die im Grunde alle wichtigen Resourcen auf eigenem Gebiet fördern konnte und vielleicht gerade deshalb aufgrund ihrer Ineffizienz als Staat scheiterte. Die kleine Schweiz mit ihren vielen selbständigen Kantonen inklusive eigener Steuerhoheit gehört im Gegensatz dazu wohl zu den erfolgreichsten Staatengebilden der jüngeren Menschheitsgeschichte.

Hüfner erwartet jedenfalls in seinem Kommentar, dass sich der Trend zu immer mehr Staaten weiter forsetzen werde und zieht daraus einen für Investoren wichtigen Schluss: Bei der Auswahl von Unternehmen sollte man auch Small und Midcaps, die meistens regional tätig sind, dem Portefeuille beimischen. (aa)


"Vor kurzem stieß ich auf einen interessanten Artikel des Frankfurter Politikwissenschaftlers Egbert Jahn. Er hat ein paar Zahlen und Thesen zur Geschichte der Globalisierung zusammengestellt, die ich so nicht kannte, die aber erheb­liche Konsequenzen für die aktuelle europapolitische Dis­kussion haben (Egbert Jahn, "Die wundersame Vermehrung der Nationalstaaten im Zeitalter der Globalisierung", Frank­furter Montagsvorlesungen, Neue Folge 27, April 2014).

Üblicherweise geht man immer davon aus, dass Globalisie­rung und die Integration von Nationalstaaten im Zuge der Entwicklung der Weltwirtschaft der Normalfall sind. Jeden­falls war das bisher der Fall. Sie haben dazu beigetragen, dass ein Wohlstandsniveau erreicht wurde, das es in der Geschichte bisher nicht gegeben hat. Alles, was die Glo­balisierung stört, wie etwa derzeit die Aktionen des ameri­kanischen Präsidenten, sollte man daher tunlichst vermei­den.

Die Studie von Professor Jahn setzt hier Fragezeichen. Er zeigt nämlich, dass in den letzten 200 Jahren nicht nur die Globalisierung rasant gestiegen ist. Es gab auch eine über­raschend starke Gegenbewegung. Die Zahl der National­staaten hat mehr als erwartet zugenommen. Die National­staaten sind aber der natürliche Gegenpol zur Globalisie­rung. Sie stehen für Grenzen nach außen und Entwicklung einer eigenen Identität im Innern.

Seit 1900 hat sich die Zahl der Staaten in der Welt von 50 auf 195 erhöht (siehe Grafik). Das ist fast eine Vervier­fachung. Rein rechnerisch entstand alle neun Monate ein neuer Staat, schreibt Jahn. Das vollzog sich unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg zunächst in Asien. Von 1960 kam es dann zur Aufteilung der Kolonialreiche Großbritan­nie­ns, Frankreichs und Portugals in Afrika und in der Kari­bik.

Die Neuordnung nach Kriegen und das Ende der Kolonial­zeit waren natürlich einmalige Sondereffekte. Sie sind jetzt vorbei. Die Staatenbildung hat sich daher in letzter Zeit ver­langsamt. Sie ist aber keineswegs zum Stillstand gekom­men. Jahn geht davon aus, dass die Zahl der Staaten in Zu­kunft weiter steigen wird. Er verweist auf vielerlei Regionali­sierungsbestrebungen in der Welt.

Bemerkenswert ist auch die Rolle Europas in diesem Pro­zess. Der Kontinent gehört bekanntlich zu den wichtigsten Protagonisten von Globalisierung und Integration. Hier ent­stand der größte Binnenmarkt der Welt. Trotzdem ist die Entwicklung der Regionalisierung hier relativ noch stärker ausgeprägt. Obwohl der Kontinent nur sieben Prozent der Landober­fläche der Erde ausmacht, entfallen auf ihn heute ein Viertel aller Staaten. Professor Jahn legt hier sogar Zahlen für die letzten zweihundert Jahre vor. Seit dem Wiener Kongress 1815 hat sich die Zahl der Staaten in Europa von zehn auf in-zwischen 50 verfünffacht.

Welche Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen? Nor­malerweise soll man bei der Interpretation historischer Vor­gänge vorsichtig sein. Geschichte wiederholt sich nicht. Aber wenn sich eine Entwicklung über eine so lange Zeit hält, dann spricht viel dafür, dass sie nicht nur eine Zufalls­laune ist.

Drei Dinge sind festzuhalten:
Erstens, Globalisierung und Regionalisierung (gemessen an der Zahl der Staaten) sind keine Gegensätze, sondern gehören offenbar zusammen. Globalisierung ist wichtig für den Ausbau der internationalen Arbeitsteilung und die Schaffung von Wohlstand. Sie deckt aber nur einen Teil der Bedürfnisse des Menschen ab. Die Empathie der Menschen erreicht man eher über die Regio­nalisierung. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Zweitens: Die Regionalisierung macht auch vor den Natio­nalstaaten nicht halt. Auch sie sind nicht unveränderbar und in Stein gehauen. Sie haben sich zum Teil wieder in neue regionale Einheiten aufgespalten. Auch dies ist ein Trend, der noch aktuell ist. Der Widerstand etwa Madrids gegen die separatistischen Bewegungen in Katalonien oder Lon­dons gegenüber einer Abspaltung Schottlands ist verstän­dlich. Er wird sich aber auf Dauer nicht so halten lassen. Es scheint ein Bedürfnis der Menschen zu überschaubaren, kleineren homogeneren Einheiten zu geben. Ich würde mich nicht wundern, wenn es in Europa in zehn Jahren mehr Na­tionen gibt, als wir es uns derzeit vorstellen.

Drittens hat das auch Konsequenzen für die europäische Integration. Wir müssen aufpassen, dass wir bei den jetzt diskutierten weiteren Schritten zur Stärkung der Integration in Europa (die notwendig und wichtig sind) nicht die Regio­nen vergessen. In den letzten Jahren wurde immer mehr in Brüssel zentralisiert. Die Folge war, dass die Begeisterung für Europa in Teilen der Bevölkerung deutlich nachgelassen hat. Alles Schlechte dieser Welt wurde Brüssel in die Schu­he geschoben, alles Gute den Nationalstaaten.

Das sollte so nicht weitergehen. Die Stärkung der EU durch weitere Integration darf sich daher nicht auf Zentralisierung beschränken. Wer alles in Brüssel konzentriert, schafft viel­leicht ökonomisch effizientere Strukturen, gewinnt aber nicht die Menschen. Es wäre ein wichtiges Signal, bei den anste­henden Reformen auch an das Europa der Regionen zu denken.

Für den Anleger
Was für die Volkswirtschaft richtig ist, gilt auch für Anleger. Große international operierende Unternehmen sind nor­malerweise die Lieblinge des Kapitalmarktes. Sie wachsen schneller, sind wettbewerbsfähiger und verdienen häufig auch besser. Wenn die Regionalisierung aber ein so wich­tiger Trend ist, sollte man sich daneben auch regional be­deutsame Werte anschauen. Sie sind meist kleiner und we­niger spektakulär, andererseits aber oft flexibler und an­passungsfähiger. Vor allem sind sie vielen Anlegern in der Region persönlich bekannt. Ihre Risiken sind besser abschätzbar."

 

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