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Höhere Renditen durch Populismus: Dieses Segment könnte profitieren

Dr. Martin Hüfner geht der Frage nach ob sich eine für Investoren "gefährliche Anlageklasse" als Wette auf steigenden Populismus eignet. Der Rückblick auf die vergangenen Jahre könnte dem Assenagon-Chefvolkswirt Recht geben.

Dr. Martin Hüfner
Dr. Martin Hüfner
© Assenagon

Smarte Investoren könnten versuchen, an der politischen Verbreitung des Populismus zu verdienen. Ein Profiteur dieser Entwicklung könnte für Assenagon-Chefvolkswirt Dr. Martin Hüfner Gold sein. Auch wenn er das gelbe Edelmetall in seinem Kommentar als "gefährliche Anlageklasse" bezeichnet, ist der Goldpreis in den letzten Jahren parallel zu der politischen Verbreitung des Populismus gestiegen.

Für Hüfner gibt es eine Reihe von Faktoren, die auch künftig für eine positive Korrelation zwi­schen Gold und Populismus sprechen. Daher könnte der Goldpreis weiter steigen. Welche Faktoren für einen steigenden, und welche Risiken für einen fallenden Goldpreis sprechen, können Sie nachfolgend dem Originalkommentar Hüfners entnehmen. (aa)


"Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich das nicht auch am Kapitalmarkt zeigen würde. Gibt es, di­rekt gefragt, eine "populistische Geldanlage"?

Das klingt zunächst provokativ. Wer will schon ein populis­tisches Investment? Trotzdem möchte ich hier die vielleicht etwas kühne These aufstellen, dass es tatsächlich eine Asset-Klasse gibt, die man als populistisch bezeichnen könnte. Es ist Gold.

Dafür spricht zunächst der unmittelbare Augenschein. Der Goldpreis ist in den letzten Jahren fast gleichzeitig mit dem Populismus gestiegen. Der Wendepunkt war das zweite Halbjahr 2015. Damals endete der dramatische Fall des Goldpreises. Es ging wieder nach oben. Das war zugleich die Zeit als die populistischen Parteien in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland stärker wurden. In Großbri­tannien fing die Radikalisierung mit der Vorbereitung auf das Brexit-Referendum an. 2016 kam der Wahlkampf Trumps in den USA.

Der Goldpreis ist dabei nicht dramatisch gestiegen. Er hat sich aber relativ kontinuierlich von knapp unter 1.100 US-Dollar je Feinunze auf inzwischen über 1.300 US-Dollar erhöht. Das ist ein Anstieg von über zehn Prozent. Das sieht ähnlich aus wie die Verbreitung des Populismus. Auch dieser ist ja nicht mit einem Schlag gekommen, sondern breitete sich sukzessive aus.

Aber nicht nur die Grafik zeigt Parallelitäten. Es gibt auch sachliche Gründe.

Erstens: Wenn es überhaupt eine Ver­mögensklasse für die breite Masse des Volkes gibt (und nicht nur für die gesellschaftlichen Eliten), dann ist es Gold. Es sieht schön aus. Es ist wertvoll. Es gilt als Symbol von Reichtum. Es hat eine lange Geschichte. Es wurde schon als Geld verwandt, als es Papiergeld oder Münzen (von Ak­tien und festverzinslichen Wertpapieren ganz zu schweigen) noch nicht gab. Viele Menschen haben Gold, zu Hause oder im Tresor, obwohl es dafür keine Zinsen gibt und obwohl der Besitz physischen Goldes mit Risiken (und vielleicht auch mit Kosten) verbunden ist.

Ganz abgesehen davon war Gold in der Vergangenheit auch schon eine rentable Geldanlage. Wer seit dem Ende des Weltkrieges sein Geld in das gelbe Metall investierte, erzielte allein durch die Preissteigerungen eine Rendite von jährlich über fünf Prozent.

Zweitens: Der wachsende Populismus führt sowohl in den einzelnen Ländern als auch in der Welt insgesamt zu Span­nungen und Krisen. Gold ist aber nun einmal das traditionel­le Instrument, mit dem man sich gegen Krisen schützen zu können glaubt. Je mehr Krisen, umso höher der Goldpreis.

Drittens: Populismus untergräbt das Vertrauen der Men­schen in die staatliche Geldordnung. Er ist skeptisch gegen­über der Geldschöpfung durch die Banken. Er vertraut nicht auf unabhängige Zentralbanken. Menschen kaufen Gold, weil sie an ein Ende des Papiergeldes glauben und auf eine Rückkehr des Goldstandards hoffen.

Viertens: Populistische Politiker sind häufig Anhänger einer expansiven Finanzpolitik, nicht zuletzt um damit Wohltaten für das Volk zu finanzieren. Siehe etwa die massive Steuer­senkung, die der amerikanische Präsident im vorigen Jahr in Kraft setzte. Sie treibt das öffentliche Defizit und die Staatsverschuldung nach oben und schürt gleichzeitig Äng­ste vor Inflation. Das kommt am Ende wieder dem Gold zu­gute. Denn das gelbe Metall gilt traditionell als Schutz vor Geldentwertung.

Wenn es richtig ist, dass es eine Korrelation zwischen Populismus und Gold gibt, dann hat das Konsequenzen. Denn vieles spricht dafür, dass der Populismus nicht nur eine kurzfristige Modeerscheinung ist, sondern der Beginn einer Ära, die länger dauern könnte.

Gideon Rachman von der Financial Times hat vor ein paar Tagen darüber speku­liert, dass die Trump-Ära (nicht Trump selbst natürlich) in der Welt 30 Jahre dauern könnte – so lange, wie die Nach­kriegszeit (bis Ende der 70er Jahre) und so lange wie die dann folgende Zeit des globalen Kapitalismus. Das wären dann gute Perspektiven für die Anlageklasse Gold. Der Goldpreis könnte auf über 2.000 US-Dollar je Feinunze steigen.

Allerdings soll man nicht übertreiben. Es gibt auch Risiken. Eines ist, dass der Populismus zwar politisch erfolgreich ist, nicht aber zwangsläufig ökonomisch. Es ist denkbar, dass der Brexit in einem wirtschaftlichen Desaster endet. Trump könnte mit seiner Wirtschaftspolitik scheitern. Dann ginge es mit dem Populismus schnell zu Ende. Auch der Gold­preis würde wieder fallen.

Ein anderes Risiko ist, dass der Goldpreis durch andere Faktoren überlagert wird. Derzeit kaufen Zentralbanken vermehrt Gold (zum Beispiel Russland, China). Das hat nicht zwangsläufig etwas mit Populismus zu tun. Denkbar ist auch, dass sich ein Zinsanstieg negativ auf den Goldpreis auswirkt. Das würde die Zunahme des Goldpreises bremsen.

Für den Anleger
Gold ist eine gefährliche Anlageklasse. Dahinter steht nur ein einziges Metall und es wirken sehr unterschiedliche Fak­toren auf der Angebots- und Nachfrageseite. Es war daher kein Wunder, dass Goldbesitzer in der Vergangenheit oft enttäuscht wurden. Jetzt sieht es aber so aus, als ob die Auftriebskräfte beim Gold stärker werden könnten."

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