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Hochzinsanleihen: Risikoaufschläge bedenklich niedrig

Der Spread von Junk Bonds zu Staatsanleihen ist in den USA auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gefallen, aber auch in Europa sind die Risikoaufschläge sehr niedrig. Was die einen als Zeichen der Stärke deuten, stimmt andere Marktteilnehmer vorsichtig.

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© eelnosiva / stock.adobe.com

Investoren stürmen in die riskantesten Ecken der europäischen Anleihemärkte. Die Pandemie haben sie dabei glatt ausgepreist. Das zeigt eine gängige Meßgröße für die finanzielle Gesundheit von Unternehmen, berichtet Bloomberg.

Die Prämie für Euro-Hochzinsanleihen gegenüber Investment-Grade-Papieren ist auf den niedrigsten Stand seit 14 Monaten gefallen, zeigen die entsprechenden Bloomberg Barclays Indizes.

Zwei Ansichten
Einerseits kann man das als Zeichen der Überzeugung interpretieren, dass die europäischen Regierungen mit ihren Impfprogrammen den Europäern ihr normales Leben wieder zurückbringen können. Andererseits zeigt es, dass aufgrund der massiven monetären Stimuli das Risiko, Unternehmen mit dem niedrigsten Rating Geld zu leihen, kaum noch extra bezahlt werden muss.

Diese hauchdünnen Spreads werfen laut Bloomberg die Frage auf, ob sich Anleger der Risiken bewusst sind, die nach Ende der Pandemie auf die Unternehmen lauern. Skeptiker sagen, dass die Zentralbanken irgendwann anfangen werden müssen, ihre Unterstützungsmaßnahmen zurückzufahren. Und das fiskalische Pandemie-Konjunkturpaket der Europäischen Union in Höhe von rund 800 Milliarden Euro könnte sich verzögern.

“Alle haben so lange nach Rendite gelechzt”, sagt Michael Matthews, ein Anleihefondsmanager bei Invesco. “Wenn die Leute nervös werden und sich das umkehrt, würde es meiner Meinung nach nicht viel brauchen für eine nennenswerte Neubewertung.”

Extrem niedrige Spreads
Doch im Moment zieht sich der Rausch um den ganzen Globus. In den USA ist der Spread von Junk Bonds zu Staatsanleihen auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Das erste Quartal verzeichnete Rekordverkäufe von Ramschanleihen.

In Europa erzielen Risiko-Anleihen eine durchschnittliche Rendite von 2,49 Prozent, das ist das niedrigste Level seit 13 Monaten. Die Differenz zwischen Ramsch und Investment Grade liegt derzeit bei gerade mal 207 Basispunkten, weniger als ein Drittel der 652 Basispunkte, die im März 2020 als Aufpreis verlangt wurden, wie nachfolgende Grafik zeigt:

Auch Bankanleihen sind begeehrt
Dieselbe Dynamik zeigt sich auch in anderen Teilen des Kreditmarktes. Bei Banken in Europa hat sich der Aufschlag von riskanteren gegenüber sichereren Anleihen verflüchtigt. Nachrangige Schuldverschreibungen, bekannt als Tier 2, bieten derzeit eine Prämie von gerade mal 47 Basispunkten im Vergleich zu nicht-nachrangigen Papieren, laut Bloomberg Barclays-Indizes der geringste Aufschlag seit Februar 2020. (aa)

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