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High-Yield-Bonds: Warum Investoren vor einem schwierigen Jahr stehen

Die weltweiten High-Yield-Märkte werden dieses Jahr von einer lockeren Geldpolitik sowie fiskalischen Anreizen und den Fortschritten bei der Impfstoff-Entwicklung profitieren. Gleichzeitig rücken jedoch auch wieder die Fundamentaldaten von Unternehmen in den Vordergrund, meint Candriam.

Nicolas Jullien, Head of High Yield & Credit Arbitrage und Deputy Global Head of Credit beim europäischen Assetmanager Candriam
Nicolas Jullien, Candriam
© Christoph Hemmerich für Institutional Money

Staatliche Garantien wie auch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken trugen vergangenes Jahr zwar im Bereich Hochzinsanleihen zur kurzfristigen Abflachung der Zahlungsausfall-Kurve bei, verhinderte aber nicht die Verschlechterung der Bonität und entsprechende Herabstufungen. "Denn schließlich bieten Liquiditätsspritzen der Zentralbanken keine Umsatz- oder Gewinngarantien. Besonders in einem Markt, der angesichts von Einschränkungen und sozialer Distanzierung gewaltige Schwierigkeiten für die operative Effizienz und die Produktivität in sich birgt", schreibt Nicolas Jullien, Head of High Yield & Credit Arbitrage und Deputy Global Head of Credit beim europäischen Assetmanager Candriam, in einer aktuellen Markteinschätzung. Zur Erinnerung: Emittenten von High-Yield-Anleihen in den USA und Europa haben in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 ungeachtet ihrer Fundamentaldaten und ihres Bilanzstatus in großer Menge Schuldtitel begeben.

In diesem Jahr dürften die High-Yield-Märkte weiter von der hohen Liquidität profitieren. Gleichzeitig dürften es Impfstoff-Entwicklungen und fiskalische Anreize ermöglichen, über kurzfristige Verschlechterungen der Fundamentaldaten hinausgehende Betrachtungen anzustellen und die Konzentration auf die Wiederöffnung der Volkswirtschaften ab dem zweiten Quartal 2021 zu richten.

Fokus 2021: Tragfähigkeit der Schuldensituation
Zu beachten sei Jullien zufolge jedoch, dass ein Teil dieses positiven „Wohlfühl-Szenarios“ bereits in den Preisen berücksichtigt ist. Davon zeuge die Verringerung der Spreads und Renditen in den letzten Monaten. Im Zuge der allmählich nachlassenden Wirkung von fiskalischen und staatlichen Anreizen werden die Fundamentaldaten und unsystematischen Risiken voraussichtlich in den Vordergrund treten und an die Stelle einer von der Liquidität bestimmten Rallye werde wahrscheinlich ein Umfeld treten, in dem die Tragfähigkeit der Schuldensituation höchste Priorität habe.

Krise beschleunigt Trends
Langfristige Trends wie Klimawandel, Digitalisierung und Deglobalisierung sind zwar bereits seit Jahren präsent. Durch die COVID-Krise haben sie aber eine dramatische Beschleunigung erfahren und ihre Auswirkungen verstärkt.

In der Folge sei das Umfeld für Unternehmen noch schwieriger und disruptionsanfälliger geworden, da sie sich gezwungen sahen, ihre Geschäftsmodelle zu überarbeiten und strukturelle Veränderungen durchzuführen. Die Unternehmen mussten beträchtliche Ressourcen in den digitalen Wandel investieren und haben disruptive Entwicklungen in Sektoren wie dem Einzelhandel, im Bereich Gewerbeimmobilien und in der Reisebranche dadurch verstärkt. Es sei zu erwarten, dass der Energiesektor, die Automobilbranche und die Versorger sich im Laufe der nächsten zehn Jahre neu erfinden werden.

Große Chancen für starke Emittenten
Diese strukturellen Megatrends werden dauerhafte Auswirkungen haben und in vielen Unternehmens-Sektoren für beträchtliche Disruption sorgen. Der High-Yield-Markt wird davon besonders betroffen sein, wenn man bedenkt, dass die Fremdkapitalanteile hoch sind und dieser Markt Konkursen, Zahlungsverzug und Zahlungsausfällen stark ausgesetzt ist.

"Aus der angesprochenen Disruption werden sich aber große Chancen für diejenigen Emittenten ergeben, die in der Lage sind, sich den gestellten Herausforderungen erfolgreich anzupassen. Wobei die Tragfähigkeit der Schuldensituation für viele Akteure zu einer wichtigen Frage wird – in der Folge wird es klare Gewinner und Verlierer geben", hält Jullien fest.

Investoren sollten Jullien zufolge ein hohes Maß an Sorgfalt walten lassen, damit sie sich für die richtigen Chancen entscheiden. Aktives Management und Selektivität auf der Grundlage von Bottom-up-Research seien unerlässlich. Zudem werde es erforderlich sein, dass die herkömmliche Analyse durch einen stärkeren Fokus auf Themen wie Governance ergänzt wird – das sei eine wichtige Messgröße bei der Beurteilung der Anpassungsfähigkeit eines Geschäftsmodells.

Die Analyse sozialer Faktoren wird laut Jullien an Bedeutung gewinnen, denn angesichts einer zunehmenden Deglobalisierung wird die Interaktion eines Unternehmens mit seiner Belegschaft und mit der Gesellschaft wesentlich sein.

Und schließlich: Die Folgen der Regulierung im Zusammenhang mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf Sektoren und Emittenten müssen bei der Analyse ausgiebig in Erwägung gezogen werden. "Diese Aspekte werden sich unmittelbar auf die Kreditwürdigkeit der Emittenten und ihre Fähigkeit auswirken, ihre Schulden mittel- bis langfristig zurückzuzahlen", erklärt Jullien abschließend. (aa)

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