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Hendrik Leber: "An der Börse wird es schnell wieder nach oben gehen"

Der Acatis Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds hat sich in der Corona-Krise gut geschlagen. Acatis-Gründer Hendrik Leber erklärt im Interview, wie es ihm gelungen ist, das Portfolio vor größeren Schäden zu bewahren – und warum er optimistisch ist.

Acatis-Gründer Hendrik Leber
Acatis-Gründer Hendrik Leber: "Emotional dürften wir das Schlimmste schon hinter uns haben."
© Jose Poblete / FONDS professionell

Der Gründer des Frankfurter Vermögensverwalters Acatis Investment, Hendrik Leber, ist ein überzeugter Value-Investor. 1995 ging er mit seinem Unternehmen an den Start, heute managt Acactis 19 Fonds. Die Corona-Krise hat einige der Portfolios zwar hart getroffen. Der Acatis Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds jedoch hat seit Jahresbeginn lediglich sieben Prozent eingebüßt. Wie Hendrik Leber den Fonds vor größeren Verlusten bewahrt hat, erklärt er im Interview.


Herr Leber, die Corona-Krise hat auch Ihre Fonds getroffen. Welches Portfolio hat sich seit Jahresbeginn 2020 am besten geschlagen?
 
Hendrik Leber: Das ist ganz eindeutig der Acatis Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds. Der Fonds hat seit Jahresbeginn lediglich einen Verlust von sieben Prozent gemacht. Das liegt daran, dass wir eine Kurssicherung im Portfolio hatten. Ich hatte Ende Januar auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim den Eindruck, dass manche meiner Kollegen in Podiumsdiskussionen viel zu leger mit dem Thema Corona umgehen. Da fielen Sätze wie: "Das ist ja nur eine bessere Grippe", "Warum regen sich die Leute alle so auf?" und ähnliches. Ich dachte aber, wenn China so hart durchgreift, um das Virus einzudämmen, dann hat das schon seinen Grund. Wir haben daher am 28. und 31. Januar unsere Kurssicherung über Put-Optionen kräftig hochgefahren und das hat uns gut getan. Ich denke, das war ein Beispiel für ganz gutes aktives Fondsmanagement.
 
Gehen Sie jetzt schon wieder dazu über, die Kurssicherung aufzulösen, oder behalten Sie diese vorerst bei?
 
Leber: Nein, ich habe Mitte vergangener Woche begonnen, sie auflösen. Wenn eine Kurssicherung angeschlagen hat, muss man sie auch wieder herausnehmen, da man sonst auf dem Weg nach oben zu viel verliert. Wir waren bis zum 24. März noch zu 100 Prozent in der Aktienquote gesichert, jetzt sind es noch 80 Prozent. Die Anleihen schwingen frei, dort haben sind wir nicht kursgesichert. Auf der Rentenseite gab es allerdings auch negative Effekte. Das liegt daran, dass der Markt im Moment dermaßen ausgetrocknet ist, dass man nicht groß handeln kann. Wir hatten also sowohl auf der Aktien- als auch auf Anleihenseite Schäden. Aber auf der Aktienseite sind wir seit vergangener Woche nun wieder im Risiko.
 
Welche Aktienpositionen haben Sie mit der nun wieder frei gewordenen Liquidität aufgestockt oder ganz neu aufgebaut?
 
Leber: Zugekauft habe ich zum Beispiel die Titel von Akamai Technologies. Das ist ein US-Unternehmen aus Boston, das dafür sorgt, dass das Internet schneller und sicherer läuft. Der Gedanke dahinter ist, dass wir in unserer Home-Office-Welt von morgen mehr und mehr über das Internet arbeiten werden. Und Akamai transportiert die Inhalte von den Servern der Anbieter in die Nähe der Kunden. Wenn also zum Beispiel ein Film von Netflix häufig in Deutschland gesehen wird, dann lagert Akamai diesen Film in Deutschland auf einen Rechner, damit die Ansprechzeiten für die Kunden schneller sind. Neu gekauft habe ich Aktien des japanischen Healthcare-Unternehmens Shionogi, das unter anderem in der Virenforschung aktiv ist. Shionogi gehört zu den Firmen, die an Behandlungsmöglichkeiten gegen Corona forschen. Allerdings ist das Unternehmen in der Öffentlichkeit als leistungsfähiger Anbieter auf diesem Gebiet noch gar nicht so bekannt. Dann habe ich die Aktie von Sysmex gekauft, einem japanischen Hersteller von Testlaboren, der auch im Bereich der Corona-Forschung aktiv ist. Ich habe zwei weitere Titel aus dem Bereich Medizin ins Portfolio aufgenommen sowie Aktien eines Unternehmens, das in der Tiermedizin tätig ist. Sie sehen, wir haben viel Medizin gekauft.
 
Eine wirksame Medizin gegen das Coronavirus ist bislang aber leider noch nicht gefunden. Was wird Ihrer Ansicht nach noch auf uns zukommen?
 

Leber: Da muss man die Welt der Gesundheit betrachten, die Realwirtschaft und die Börse. Was die Volksgesundheit angeht denke ich, dass wir das Problem zumindest in Europa in den Griff kriegen. Die Quarantäne- und Shutdown-Maßnahmen werden in den kommenden zwei Wochen sicherlich deutliche Wirkung zeigen, auch die Testmöglichkeiten nehmen zu. Daher werden wir in einigen Wochen wissen, wer krank ist und wer nicht, die Ansteckungsraten werden sinken. Es ist auch gut möglich, dass wir in dieser Zeit, da wir kaum Auto fahren, deutlich weniger Verkehrstote verzeichnen. Wie auch immer, meine These ist, dass sich der Gesamteffekt von Corona in Grenzen halten wird. Volkswirtschaftlich sehe ich in Deutschland und Europa hingegen sehr schlimme Zeiten heraufziehen. Große Konzerne wie die Allianz oder die BASF dürften von der Krise kaum betroffen sein, aber kleinere Unternehmen und Gewerbetreibende werden sehr leiden, auch in der Zulieferindustrie könnten große Schäden entstehen.
 
Um die Folgen etwas abzumildern, fordern Sie ein Bürgergeld für die gesamte Eurozone. Wie genau stellen Sie sich diese Maßnahme vor?
 
Leber: Ein einmaliges Bürgergeld in Höhe von 3.000 Euro würde dazu beitragen, dass laufende Verpflichtungen wie Mieten bezahlt werden können. Nach Beendigung des Shutdowns könnte so auch die Nachfrage und damit die Wirtschaft wieder angekurbelt werden. Die Auszahlung des Bürgergeldes wäre in wenigen Tagen auf den Weg zu bringen. Sie würde an alle Personen erfolgen, die 2019 Steuern bezahlt haben. So würden nur diejenigen etwas zurückerhalten, die zuvor auch in die Gemeinschaft eingezahlt haben.
 
Und wie blicken Sie auf die Aktienmärkte?
 
Leber: Da bin ich sehr positiv gestimmt. Sicher, die Börse hat noch Stress vor sich, wir sind noch nicht komplett durch. Ich denke, die Amerikaner und auch Großbritannien haben den Höhepunkt der Corona-Krise noch nicht erreicht, dort werden die Ansteckungsraten noch erheblich steigen. Und erst wenn diese Entwicklung dort an der Börse ankommt, wenn in den USA etwa ein großes Unternehmen oder eine Bank ins Wanken gerät, erst dann ist an den Märkten der Tiefpunkt erreicht. Aber von dort aus geht es dann meiner Ansicht nach auch sehr schnell wieder nach oben.

Wie reagieren Ihre Anleger auf die aktuelle Entwicklung?

Leber: Wir hatten im Februar bis zur Monatsmitte leichte Abflüsse aus unseren Fonds von in Summe etwa fünf Prozent, aber momentan haben wir wieder Mittelzuflüsse. Diese kommen durchweg von unternehmerisch denkenden Kunden. Einer möchte zum Beispiel eventuell einen Spezialfonds auflegen, ein weiterer möchte ein eigenes Mandat, ein dritter investiert in bestehende Fonds. Dann haben wir ein Industrieunternehmen, das kräftig investieren will. Wir haben auch einen Vorstand aus der Finanzbranche, der jetzt wieder mit Freude in die Aktienmärkte gehen möchte. Also, aus verschiedenen unternehmerischen Ecken haben wir aktuell erhebliche Zuflüsse. Und ich selbst habe auch kräftig investiert.
 
Value-Investoren nutzen Einbrüche an den Märkten immer, um langfristig attraktive Aktien und Anleihen zu günstigen Preisen zu kaufen. Ist die aktuelle Krise aber vielleicht anders als alle vorherigen?
 
Leber: Nein, eigentlich nicht. Ich unterscheide drei Typen von Krisen: Solche, die ihre Ursache in der Realwirtschaft haben, Krisen, die im Finanzsystem begründet sind, und dann Krisen, die von den Börsen ausgelöst werden. So eine Krise haben wir jetzt. Die großen Ausschläge an den Märkten kommen im Moment von den Hedgefonds und sind noch keine direkten Folgen von Corona. Solche Krisen lassen sich zum Glück auch schnell wieder beseitigen. Man sieht ja, dass Notenbanken und Politik sehr viel Geld in die Wirtschaft pumpen. Diese Maßnahmen werden Effekte zeigen. Emotional dürften wir das Schlimmste schon hinter uns haben. Die Medizin forscht derzeit in einem rasenden Tempo an Tests, Impfstoffen und Behandlungen und findet Lösungen. Natürlich kann man nicht genau vorhersagen, wie schnell es an den Börsen wieder nach oben geht, aber ich denke, spätestens in einem Jahr dürften wir wieder gute Kurse haben.
 
Vielen Dank für das Gespräch. (am)

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