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Hedgefondsbranche positioniert sich für Inflation und steigende Zinsen

Trotz steigender Volatilität gab es Netto-Neugeld-Zuflüsse im fünften Quartal in Folge. Was die einzelnen Strategien anbelangt, so erwirtschaftete Fixed-Income Relative Value Arbitrage die höchsten Gewinne.

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Kenneth J. Heinz, Präsident von HFR
© HFR

Das Gesamtkapital in der Hedgefondsbranche stieg im dritten Quartal bei volatileren Aktienkursen und Zinsen leicht an. Währenddessen positionierten sich Fondsmanager und Anleger für eine bis zum Jahresende zunehmende Volatilität. Wie Hedge Fund Research (HFR), der Weltmarktführer für die Indexierung, Analyse und Research der globalen Hedgefonds-Branche, kürzlich in der neuesten Ausgabe des "HFR Global Hedge Fund Industry Report" berichtet, stieg das gesamte Hedgefonds-Kapital zum Ende des 3. Quartals 2021, unterstützt durch Nettozuflüsse von Investoren in der Höhe von 5,6 Milliarden US-Dollar, leicht auf 3,97 Billionen US-Dollar (geschätzt) – seit Jahresbeginn ein Plus von fast 370 Milliarden US-Dollar.

Assets stramm nordwärts durch Performance und Zuflüsse seit Q1-2020
Entsprechend früherer Berichte legte das Gesamtkapital der Hedgefonds-Branche in den letzten sechs Quartalen um über eine Billion US-Dollar zu, nachdem mit Beginn der weltweiten Pandemie im 1. Quartal 2020 ein Rückgang auf unter drei Billionen US-Dollar verzeichnet worden war. Mit den Zuflüssen von 5,6 Milliarden US-Dollar im 3. Quartal 2021 belaufen sich die Nettozuflüsse seit dem 3. Quartal 2020 nun auf schätzungsweise 40 Milliarden US-Dollar.

Ergebnisse im Detail
Der HFRI Fund Weighted Composite Index (FWC) blieb mit einem Rückgang um lediglich 0,3 Prozent im 3. Quartal 2021 nahezu unverändert. Dieser Entwicklung gingen das erfolgreichste Kalenderhalbjahr seit 1999 und die fünftbeste Rendite in einem ersten Halbjahr seit Auflegung des Index voraus. Der investierbare HFRI 500 Fund Weighted Composite Index stieg ab Jahresbeginn bis September 2021 um 9,11 Prozent.

Festverzinsliche Relative-Value-Arbitrage-Strategien on top in Q3-2021
Mit dem Zinsanstieg zum Ende des 3. Quartals erzielten credit- und zinssensitive festverzinsliche Relative-Value-Arbitrage-Strategien (RVA) den stärksten Vermögenszuwachs. Durch Zuflüsse von Investoren und performancebasierte Gewinne stiegen ihre Assets um  16,8 Milliarden US-Dollar. Einschließlich geschätzter 3,2 Milliarden US-Dollar an Netto-Neugeld-Zuflüssen im Quartal, von denen der größte Anteil auf RV: Multi-Strategy-Fonds mit einem Zuwachs von 8,9 Milliarden US-Dollar durch performancebasierte Gewinne und Netto-Neugeld-Zuflüsse entfiel, stieg das in RVA investierte Kapital auf 1,026 Billionen US-Dollar. Der investierbare HFRI 500 Relative Value Index rentierte im 3. Quartal mit 1,1 Prozent, während der HFRI Relative Value (Total) Index um 1,0 Prozent zulegte. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 führte der HFRI RVA: Yield Alternatives Index mit einem Zuwachs um 27,7 Prozent alle Teilstrategie-Indizes an.

Equity-Hedge-Strategien (EH): hohe Inflows in 2021
Diese erzielten im 3. Quartal bei steigender Volatilität am Aktienmarkt die höchsten Kapitalzuflüsse, und Fondsmanager wie auch Investoren positionierten sich für einen weltweiten Anstieg des Inflationsdrucks. EH-Strategien hatten bereits Ende 2020 die Schwelle von einer Billion US-Dollar durchbrochen und hielten sich zum Ende des 3. Quartals 2021 stabil bei 1,21 Billionen US-Dollar. Dabei wurden die Netto-Neugeld-Zuflüsse durch einen leichten performancebasierten Rückgang teilweise zunichte gemacht. Das EH-Kapital hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 weltweit um 119 Milliarden US-Dollar zugelegt. Sowohl der Equity Market Neutral als auch der Energy/Basic Materials verzeichneten im 3. Quartal Kapitalzuwächse von 1,7 beziehungsweise 1,5 Milliarden US-Dollar. Der HFRI Equity Hedge (Total) Index ging im 3. Quartal leicht um 0,8 Prozent zurück und erreichte damit eine Performance von 11,0 Prozent seit Jahresbeginn. Parallel zum Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise führte der volatile HFRI EH: Energy/Basic Materials Index die Gewinne der EH-Teilstrategie an. Er erreichte im 3. Quartal 2021 mit 23,1 Prozent seinen Höchststand und ist seit dem Beginn der weltweiten pandemiebedingten Quarantänemaßnahmen im März 2020 um 90 Prozent gestiegen.

Event Driven (ED) ist zweitgrößte Startegie der Branche
Nachdem bereits am Ende des 1. Quartals 2021 der Sprung über die Marke von einer Billion US-Dolla r geschafft war, veränderten sich die Kapitalpositionen der ereignisorientierten Strategien (Event Driven, ED), die sich strikt auf weniger attraktive Aktien- und Anleihepositionen mit niedriger Bewertung konzentrieren, im 3. Quartal 2021 nur minimal. Das Gesamtkapital in ED-Strategien ging im 3. Quartal geringfügig um 1,6 Milliarden US-Dollar zurück und bleibt bei geschätzten 1,09 Billionen US-Dollar stabil, was sie nach Gesamtkapital zur zweitgrößten Strategie der Branche macht. Den größten Anteil am Kapitalzuwachs der ED-Teilstrategie hatten die Distressed/Restructuring-Fonds, die im Quartal um 2,0 Milliarden US-Dollar zulegten und damit für einen Vermögenszuwachs der Teilstrategie auf rund 250  Milliarden US-Dollar sorgten. Der investierbare HFRI 500 Event-Driven Index blieb im  3. Quartal unverändert. Dennoch füht er die Hauptstrategien, die zusammengenommen den HFRI 500 Index ergeben, mit einer Rendite von +12,6 Prozent seit Jahresbeginn an. Der HFRI 500 ED: Distressed/Restructuring Index verzeichnet mit einer Rendite von 19,0 Prozent seit Jahresbeginn die beste Performance der ED-Teilstrategien.

Makro-Strategien
Nachdem nicht korrelierte Makro-Strategien im 2. Quartal 2021 die größten Zuflüsse erzielt hatten, mussten sie im 3. Quartal moderate Abflüsse hinnehmen, da die Zuflüsse in rohstoffzentrierte Strategien von den Abflüssen aus den „Systematic Diversified CTA“-Strategien mehr als neutralisiert wurden. Das Gesamtkapital in Makro-Strategien ging um 4,8 Milliarden US-Dollar zurück, sodass sich das verwaltete Vermögen zum Ende des 3. Quartals auf geschätzte 639,0 Milliarden US-Dollar belief. Grund hierfür war, dass eine Steigerung beim rohstoffzentrierten Makro-Kapital von 1,6 Milliarden US-Dollar durch Rücknahmen von Anlegern in quantitative CTA-Strategien von rund 1,4 Milliarden US-Dollar kompensiert wurde. Höhere Rohstoffpreise, steigende Zinsen und zunehmende Volatilität an den Aktienmärkten ließen den investierbaren HFRI 500 Macro Index im 3. Quartal um 0,6 Prozent steigen.

Hedgefonds-Firmen jeder Größe profitieren von Zuflüssen
Trotz der geringen Steigerung des Gesamtkapitals verteilten sich die Zuflüsse von Anlegern auf Hedgefonds-Gesellschaften jeder Größe. Dabei erhielten Firmen mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 5 Milliarden US-Dollar geschätzte 2,3 Milliarden US-Dollar der Gesamtsumme von 5,6 Milliarden US-Dollar des Netto-Neukapitals der Investoren im 3. Quartal 2021. Mittelgroße Firmen mit einem verwalteten Vermögen von 1-5 Milliarden US-Dollar erzielten im Quartal einen Nettozufluss von fast 500 Millionen US-Dollar, während Firmen, die weniger als 1 Milliarde US-Dollar verwalten, insgesamt Zuflüsse von geschätzten 2,8 Milliarden US-Dollar verbuchten.

Résumé
„Das Gesamtkapital der Hedgefonds stieg im 3. Quartal 2021 leicht an. Damit übertraf es den Rekord aus dem Vorquartal knapp und kam in einem Umfeld mit steigenden Rohstoffpreisen, höheren Zinsen, stärkerer Volatilität an den Aktienmärkten und zunehmendem Inflationsdruck dem Meilenstein von 4 Billionen US-Dollar ein Stück näher. Die zinssensitiven Relative-Value-Arbitrage-Strategien führten im Quartal sowohl die Performance als auch die Kapitalzuflüsse an. Gleichzeitig richteten Fondsmanager und Anleger die Portfolios an Zinsrisiken aus, da die US-Notenbank Fed einen Rückgang der Anleihekäufe in den kommenden Monaten angekündigt hatte und somit für 2022 höhere Zinsen erwartet werden“, meinte Kenneth J. Heinz, der Präsident von HFR. „Für das kommende Jahr konzentrieren sich Fondsmanager und Investoren stärker auf die Credit- und Zinssensitivität der Portfolios, taktische Rohstoffpositionen und Engagements am Aktienmarkt, die so unverbindlich und flexibel sind, dass sie sich an ein stetig wechselndes gesamtwirtschaftliches Umfeld und fließende Marktkonditionen anpassen lassen. Fonds, deren Positionierung effektiv an diese Multi-Asset-Trends angepasst ist, dürften im neuen Jahr das Wachstum und die Performance in der Branche anführen.“ (kb)

 

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