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Hedgefonds-Riesen verlieren ihre Attraktivität als Zufluchtsorte

Seit der letzten Finanzkrise verzeichneten die größten Hedgefonds regen Zulauf, denn die Investoren suchten Sicherheit in Größe. Jetzt zahlen sie aber einen hohen Preis dafür. Denn überdimensionale Fonds enttäuschen ihre Kunden in einer Zeit mit Marktturbulenzen.

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Die Hedgefonds-Ertragsrunde 2020 geht mehrheitlich an David, nicht an Goliath.
© Fotolia

Dabei sollte es sich ja um eine Marktphase handeln, die den Riesen-Hegdefonds theoretisch eine hervorragende Chance bieten sollte, Geld zu verdienen. Aber statt Gewinne einzufahren ist es einigen der weltweit größten Hedgefonds kaum gelungen, ihre Anleger vor Verlusten zu schützen.

Die Riesen als Performancebremsen
Eine Messgröße des Branchenbeobachters Hedge Fund Research (HFR), bei der die größeren Anbieter mehr Gewicht haben, büßte in diesem Jahr bis September 4,4 Porzent ein, während der Durchschnitt aller Hedgefonds einen kleinen Gewinn erzielen konnte. Zu den berühmten Fonds, die Verluste verzeichneten, gehören Bridgewater Associates, Quant-Größen wie Renaissance Technologies und Michael Hintzes CQS, sowie Lansdowne-Partners.

Institutionelle sind die Opfer dieser Entwicklung
Die Verluste schaden weitgehend den einflussreichen institutionellen Anlegern - Pensionsfonds, Versicherern und Stiftungen -, die am meisten zum Kapital der Branche beitragen und hinter den größten Fonds stehen. Diese bekommen offenbar die Quittung, denn Kunden fliehen verstärkt aus den Fonds. Laut den Daten von Eurekahedge haben Anleger in den ersten neun Monaten dieses Jahres 89 Milliarden US-Dollar von Hedgefonds abgezogen, hauptsächlich von großen Unternehmen. “Ein sehr beträchtlicher Teil des bei großen Hedgefonds investierten Vermögens hat sich nicht so gut entwickelt, und dies veranlasst die Anleger, ihre Ziele zu überdenken”, sagte Chris Walvoord, globaler Leiter Hedgefonds-Research beim Anlageberater Aon gegenüber Bloomberg.

Nachzügler
Im Gegegnsatz zu den letzten Jahre hinken Riesen-Hedgefonds performancemäßig hinterher.

Größere Hedgefonds traditionell  in schwierigen Zeiten als stabiler angesehen 
Diese Einschätzung wurde durch Performance-Daten bestätigt, die mehr als ein Jahrzehnt zurückreichen. Laut einer Analyse jedes verlustbringenden Monats von 2008 bis 2019 verloren große Fonds fast zwei Drittel der Zeit seit der globalen Finanzkrise weniger als ihre kleineren Pendants.

Dieses Muster zerbrach jedoch 2020
Hedgefonds mit einem Kapital von mehr als einer Milliarde US-Dollar haben in diesem Jahr bis September insgesamt Wertverluste von rund 60 Milliarden US-Dollar verzeichnet, was laut Eurekahedge etwas mehr als fünf Prozent ihres Kapitals entspricht. Investoren wären mit einem Indexfonds, der den Aktienmarkt nachbildet, weitaus besser gefahren: der S&P 500 stieg um 5,6 Prozent.

Versicherer und Pensionsfonds als Opfer ihrer eigenen Größe
Die Überdimensionierung von Hedgefonds entwickelte sich, als institutionelle Investoren nach und nach vermögende Privatpersonen als ihre größten Kunden ablösten. Den meisten dieser Investoren fehlen interne Research-Teams, und sie müssen Hunderte von Millionen US-Dollar zuteilen, um bedeutende Auswirkungen auf ihre Portfolios zu erzielen. Aus diesen Gründen neigen sie dazu, Geld bei den größten und bekanntesten Hedgefonds zu parken.

Große Hedgefonds ertranken im Geld, kleine musten oft zusperren
Dies hat dazu geführt, dass größere Fonds mit frischem Kapital überschwemmt wurden und kleinere das Geschäft einstellen mussten. Seit 2010 sind 170 Milliarden US-Dollar in Hedgefonds gepumpt worden, davon flossen laut HFR-Daten rund 135 Milliarden US-Dollar in größere.

Die Riesen cornern den Markt
Zwei Drittel aller Hedgefonds-Assets liegen bei den Vehikeln mit zumindest fünf Milliarden US-Dollar under Management.

Größe ist nun zu einem Nachteil geworden
Die schiere Größe einiger Fonds erschwert es ihnen, zu reagieren und aus Wetten ein- und auszusteigen. Als die Volatilität Anfang dieses Jahres zu Turbulenzen bei Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen führte, verlor eine große Anzahl der Big Player Rekordbeträge.

Die acht Monate bis Ende August waren brutal
Der Flaggschiff-Fonds von Bridgewater Associates verlor 18,6 Prozent, Renaissance Institutional Equities gab um 13 Prozent nach, Wintons Hauptfonds brach um etwa 19 Prozent  ein, Hintzes Hedgefonds CQS fiel um 42,5 Prozent, während der Lansdowne Developed Markets Fund um fast 22 Prozent zurückging.

Nicht alle großen Hedgefonds haben enttäuscht
Multi-Strategy-Anbieter wie Citadel, Balyasny Asset Management und Millennium Management, die auf Dutzende von Händlern setzen, um Gewinne zu erzielen, verzeichneten eines ihrer besten Jahre. Solche Fonds werden in der Regel von handelsorientierten Strategien dominiert, und die Volatilität bietet ihnen tendenziell mehr Möglichkeiten. Einige Makro-Hedgefonds, die von Unternehmen wie Brevan Howard Asset Management, Rokos Capital und Caxton Associates betrieben werden, haben ebenfalls satte Gewinne erzielt. Aber sie verschleiern das wahre Bild der Branche, die weiterhin zu kämpfen hat.

Es lebe die Nische
Ein Grund, warum kleinere Fonds besser abschneiden, besteht darin, dass sie starke Nischenhandelsmöglichkeiten nutzen, die einfach nicht die Kapazität für die Milliarden von Dollar haben, die ihre größeren Kollegen investieren müssen. “Die Ironie ist, dass die Hedgefondsbranche darauf aufgebaut war, mit kleinen, flinken Managern zu investieren, die exotische Anlagemöglichkeiten nutzen konnten”, sagte Andrew Beer, Gründer der in New York ansässigen Dynamic Beta-Investments im Talk mit Bloomberg. “Die letzten Jahre haben gezeigt, dass manchmal groß zu groß sein kann, insbesondere wenn Gebühren einen Großteil der Performance aufzehren.” (kb)

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