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Haben die Anleger wirklich kapituliert? Ethenea meint: "Nein!"

Im Oktober erreichten die wichtigsten Aktienindizes neue Jahrestiefs und viele Marktbeobachter sprachen von einer Kapitulation der Anleger. Doch haben die Anleger wirklich kapituliert? Christian Schmitt, Portfoliomanager bei Ethenea Independent Investors, analysiert die Lage an den Aktienmärkten.

Christian Schmitt
Christian Schmitt, Portfoliomanager bei Ethenea Independent Investors
© Ethenea

Dass der Höhepunkt überwunden ist, und wir uns in einem Bärenmarkt befinden, ist laut Christian Schmitt, Portfoliomanager bei Ethenea Independent Investors, unstrittig.  „Marktsegmente, die in der vorangegangenen Euphoriephase die Bewegungen nach oben angeführt haben, verbuchen gegenwärtig die stärksten Kursverluste,“ sagt Schmitt. Allen voran stünden unprofitable Technologieaktien sowie Kryptowährungen, die jeweils seit den letztjährigen Höchstständen im Schnitt Kursverluste von rund 75 Prozent zu verbuchen haben. In diesen Segmenten erwartet Schmitt am ehesten eine Kapitulation: „Erstaunlicherweise ist jedoch außer den immensen Kursverlusten kaum etwas von Kapitulation in den disruptiven Wachstumsmärkten der vergangenen Jahre zu spüren. Nach wie vor dominiert hier der Glaube an den unaufhaltsamen technologischen Fortschritt und die Aussichten auf enormes zukünftiges Marktpotential regt die Diskussion unter Analysten und Anlegern an“. 

Stimmung am Markt merklich eingetrübt 
Aufschluss, wie es auf dem breiten Markt aussieht, gibt zum Beispiel die monatliche Fondsmanagerumfrage der Bank of America. Im Oktober hieß es dazu auf Bloomberg, die Stimmung unter Fondsmanagern in Bezug auf Aktien und das globale Wirtschaftswachstum signalisiere „eine vollständige Kapitulation.“ Ebenso berichtete Bloomberg, dass Anleger derzeit 6,3 Prozent ihrer Portfolios in bar hielten - einen so hohen Wert gab es seit April 2001 nicht. Zudem würden 49 Prozent der befragten Fondsmanager Aktien untergewichten. „Tatsächlich hat sich die Stimmung im Laufe des Jahres merklich eingetrübt,“ beobachtet Schmitt. „Vergleichbare Umfragen bestätigen dies. Dennoch ist es verfrüht, angesichts der oben genannten Zahlen bereits von einer Kapitulation zu sprechen“.

Diskrepanz zwischen Meinung und Positionierung an den Flows ablesbar
Die größte Diskrepanz unter Marktteilnehmern sieht der Portfolio Manager jedoch zwischen Meinung und Positionierung der Marktteilnehmer: „Während es durchaus schwierig bis nahezu unmöglich ist, angesichts der Vielzahl an weltweiten Krisenherden einen positiven Ausblick zu zeichnen, zeigen die strategischen Positionierungen und großen Mittelbewegungen noch ein anderes Bild“. Einzig europäische Aktienfonds wiesen seit Jahresbeginn signifikante Mittelabflüsse aus. In anderen Regionen der Welt kämen die Mittelzuflüsse gerade erst ins Stocken, so der Portfolio Manager. „Und das nach einem Jahr 2021, in dem die Mittelzuflüsse in Aktienfonds laut Zahlen von Goldman Sachs in etwa so hoch waren wie in den vorangegangen 20 Jahren zusammen,“ betont Schmitt. 

Aussitzen erwies sich in der Vergangenheit immer wieder als vorteilhaft
„Aus zahlreichen Gesprächen mit Kunden und anderen Marktteilnehmern lässt sich die gegenwärtige Gemütslage vieler Anleger am besten mit ‚angespannt‘ zusammenfassen. Die Herausforderungen sind bekannt, aber die Theorie sowie die Erfahrungen der letzten Jahre haben gelehrt, dass Aussitzen eine veritable Strategie sein kann,“ erklärt Schmitt. „Zumindest war sie in der Vergangenheit eine sinnvolle Strategie. Denn auch in der globalen Finanzkrise ist schließlich die Welt nicht untergegangen, und Börsenindizes haben irgendwann wieder neue Höchstkurse erreicht“.

Ethenea geht anders vor
Aussitzen ist dagegen nicht die bei Ethenea verfolgte Strategie, betont Christian Schmitt: „Wir agieren lieber! Auf Herausforderungen, auf Gefahren, auf eine sich verändernde Welt. Wir wissen, dass viele Anleger ihre eigene psychische Risikotragfähigkeit tendenziell überschätzen. Dass oft erst dann reagiert wird, wenn sich Panik ausbreitet. Hiervor möchten wir unsere Anleger bestmöglich schützen, indem wir unser Management nicht nur auf langfristigen, sondern auch auf mittelfristigen – und wo möglich gar kurzfristigen – Kapitalerhalt ausrichten“.  

Kommt die große Kapitulation am Ende wirklich? 
„Glaubt man den volkswirtschaftlichen Prognosen, so wird die gegenwärtige wirtschaftliche Schwächephase nicht mit deutlich erhöhter Arbeitslosigkeit einhergehen,“ erklärt Schmitt. Laut dem jüngsten Quartalsbericht der Bank of America hätten zumindest die amerikanischen Bankkunden aktuell noch deutlich höhere Einlagen, als es vor der Corona-Pandemie der Fall war. „Das sind gute Gründe, warum die gefallenen Kurse bis dato keinen gesteigerten Leidensdruck auf die Anleger ausüben,“ sagt der Portfolio Manager. „Dennoch bleiben wir bis auf Weiteres eher vorsichtig. Das laufende Jahr hat schließlich bewiesen, dass die Kursrückgänge auch ohne Kapitulation der Anleger bisweilen sehr empfindlich ausfallen können.“ (kb)

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