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Fisch AM: Wie sich "3D-Faktoren" auf die Inflation auswirken

Nach Einschätzung des Investmentchefs von Fisch Asset Management werden die Preissteigerungsraten noch lange Zeit über den Zielgrößen der Zentralbanken liegen. Das liegt an den 3D-Faktoren. Dies und noch andere Gründe machen Aktien weniger attraktiv. Kurspotenzial ortet der CIO in anderen Segmenten.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management
Beat Thoma, Fisch Asset Management
© Axel Gaube / Institutional Money

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management, geht zwar davon aus, dass die Inflation ihren kurzfristigen Höhepunkt überschritten hat, allerdings hält er das Erreichen des Zwei-Prozent-Zielbereichs der Zentralbanken für unwahrscheinlich. Denn mittel- bis langfristig wirken laut Thoma die so genannten 3D-Faktoren: Deglobalisierung, Dekarbonisierung und Demographie.

Die ersten beiden Faktoren sorgen direkt für höhere Produktionskosten. Und demographische Faktoren sorgen außerdem bereits jetzt für einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter. Dies hat einen Arbeits- und Fachkräftemangel zur Folge. Damit ist nach Einschätzung Thomas mittelfristig für merklichen Lohndruck gesorgt.

Deutlich oberhalb
Die 3D-Faktoren dürften laut Thoma deshalb das Inflationsniveau auch längerfristig im Bereich zwischen drei und 3,5 Prozent halten und damit deutlich oberhalb der Zentralbankziele. Entsprechend sollten sich Investoren darauf einstellen, dass die Inflation weiterhin vorherrscht und sich nicht der Hoffnung hingeben, dass sie in absehbarer Zeit auf die tiefen Raten des vergangenen Jahrzehnts sinkt. "Trotzdem rechnen wir vorerst nicht mit einer Stagflation, die das Worst-Case-Szenario darstellen würde. Dazu ist das Wirtschaftswachstum zu robust und die Inflation trotz 3D-Faktoren kurzfristig noch zu gut unter Kontrolle", erklärt Thoma.

Aktienmärkte vor schwieriger Phase
An den Aktienmärkten gilt – trotz der mittlerweile deutlich spürbaren Volatilität – weiterhin das Motto TINA (There Is No Alternative), da tiefe Zinsen und die aktuell noch hohe Inflation die Bargeldhaltung unattraktiv machen. Im weiteren Jahresverlauf dürften aber die straffere Geldpolitik, temporär fallende Inflation, hohe Bewertungen und steigende Zinsen für eine Dämpfung der Börsen sorgen.

Ähnliches ist Thoma zufolge an den Märkten für Unternehmensanleihen zu erwarten. "Eine ausgeprägte Baisse erscheint uns allerdings im Moment wenig wahrscheinlich. Dennoch nimmt das Chancen/Risikoverhältnis damit deutlich ab. Zudem rechnen wir mit starken Sektorrotationen. Und zwar insbesondere, wenn sich aufgrund der Covid-19 Omicron-Welle ein hohe Herdenimmunität der Bevölkerung und damit ein vorzeitiges Ende der Pandemie ergeben würde", prognostiziert Thoma.

EM-Corporate Bonds interessant
Für Investoren im Anleihensegment erscheinen dieses Jahr vor allem Corporates aus den Schwellenländern interessant. Denn Fisch AM schätzt die Risikoaufschläge bei Emerging-Markets-Unternehmensanleihen weiterhin als attraktiv ein. Und im Unterschied zu den Pendants aus Industrieländern besteht 2022 noch Spielraum für eine Verengung. Hochzinsanleihen sowohl aus Schwellenländern als auch aus Industrienationen gehören aufgrund der laufenden Verzinsung ebenfalls auf den Radar der Investoren.

Wandelanleihen stehen vor Comeback
"Und nachdem Wandelanleihen im vergangenen Jahr aus Performance-Sicht hinter den Aktienmärkten zurückblieben, erwarten wir hier ein Comeback, da Convertibles gerade bei höherer Volatilität ihre Stärken ausspielen können. Aufgrund der Rahmenbedingungen, darunter steigende Zinsen, ist hier jedoch die Titelselektion entscheidend", erklärt Thoma abschließend. (aa)

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