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Federal Reserve zurrt lockere Geldpolitik fest

Die Fed hat in der geldpolitischen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) den eingeschlagenen geldpolitischen Kurs bestätigt. Die Leitzinsen wurden unverändert innerhalb der Bandbreite zwischen 0,0 und 0,25 Prozent belassen. Auch der Zinssatz auf Reserven wurde nicht verändert (IOER: 0,1 Prozent).

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Jerome Powell mi Maske
© Tasos Katopodis / Bloomberg

Die wesentlichste Änderung im Statement belief sich auf das QE-Programm, bercihten die Experten von Raffeisen Research. Die Bilanzausweitung durch Treasury und MBS-Käufe wird über die nächsten Monate zumindest im aktuellen Ausmaß fortgesetzt. Dies bezieht sich im Falle von Treasury-äufen auf ein monatliches Netto-Volumen von 80 Milliarden US-Dollar. 

Alles bleibt beim alten
Weiters wurde der im April nur verbal kommunizierte trübe Wirtschaftsausblick in Zahlen gegossen und in Form der quartalsweisen Prognose-Übersicht präsentiert. Die Wirtschaftsleistung wird demzufolge 2020 um 6,5 Prozent sinken (Q4/Q4), die Arbeitslosenquote bis Jahresende von derzeit 13,3 Prozent auf 9,3 Prozent fallen (Q4 2020) und die Inflationsrate persönlicher Konsumausgaben (PCE) im vierten Quartal bei 0,8 Prozent  p.a. liegen (Kernrate: 1,0 Prozent).

Prognoseübersicht als Zahlenwerk
Diese zeigt weiters, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses von keinen Änderungen der Leitzinsen bis zum Ende des Prognosehorizonts 2022 ausgehen. Das langfristige Niveau der Leitzinsen betrachtet die Mehrheit der Mitglieder nichtsdestotrotz unverändert bei 2,5 Prozent. Der Konjunkturausblick ist mit erhöhter Unsicherheit behaftet, so Powell. Die Federal Reserve bekennt sich dazu alles Mögliche, und so lange wie nötig, zu tun, um die wirtschaftliche Erholung bestmöglich zu unterstützen („whatever we can and for as long as it takes“). 

Einschätzung
In Summe erachtet man bei Raiffeisen Research die FOMC Sitzung als wenig überraschend. Die Entscheidung das QE-Programm mit mindestens dem aktuellen Volumen fortzusetzen, sorgt in Anbetracht der graduell sinkenden Treasury und MBS Käufe für die notwendige Klarheit.

Monatlichen Netto-Käufe von 80 Milliarden US-Dollar am oberen Ende der Erwartungen
Die Notwendigkeit eine klare Forward Guidance des QE-Programms zu kommunizieren, wurde bereits im Protokoll der April-Zinssitzung dargelegt. Das Volumen der monatlichen Netto-Käufe von 80 Milliarden US-Dollar sehen die Experten eher am oberen Rand der Markterwartungen, lag der Median der Survey of Primary Dealers doch bei 50 Milliarden für die kommenden Monate. Hält die Federal Reserve bis Ende des Jahres am gegenwärtigen Volumen fest, würde die Fed im Zuge der Corona-Krise Treasuries im Ausmaß von 10,3 Prozent (ca. 2.200 Milliarden) des BIPs gekauft haben. Dass die ​Federal Reserve Treasuries in historischer Dimension kauft, illustriert die folgende Grafik.

Fed hält Ende 2020 wohl gut zehn Prozent vom Treasury-Kuchen

Kommt das Renditeziel à la Japan?
Die Forward Guidance bestätigt die Einschätzung von Raiffeisen Research, dass QE auch nach dem Rückgang der Volatilität an den Finanzmärkten eine bedeutende Rolle im geldpolitischen Maßnahmenmix der Fed spielen wird. Erwähnenswert ist auch der explizite Hinweis seitens Powells, dass die Diskussionen um ein Yield Targeting weiter andauern (explizites Renditeziel entlang der Kurve). Die Einführung dieses Instruments ist zu einem späteren Zeitpunkt, nach Abschluss des 2019 gestarteten Strategic Reviews, nach Meinung von Raiffeisen Research nicht auszuschließen.

Neben QE standen die neuen Konjunkturprognosen im Fokus
Wie Powell in der Pressekonferenz betonte, zeigt das Prognose-Set eine beginnende Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte 2020, die über Jahre andauert und von konstanten Leitzinsen unterstützt wird. Die Prognosen sind jedoch mit äußerster Unsicherheit behaftet und stellen nur einen, von vielen möglichen, Entwicklungspfaden dar. Auch wenn die präsentierten Zahlen ein etwas pessimistischeres Bild zeichnen, stimmt die Dynamik der Erholung mit der Einschätzung von Raiffeisen Research weitgehend überein. Ein Konjunkturtief wurde im April erreicht, und erste Indikatoren deuten auf eine Stabilisierung hin. Nichtdestotrotz, wird das Ausgangsniveau nicht vor 2022, oder später, wieder erreicht werden können, was mit einer langen Phase expansiver Geldpolitik einhergeht. Dass selbst am Ende des Prognosehorizonts (2022) die Mehrheit der FOMC Mitglieder Leitzinsen am aktuellen Niveau als wahrscheinlichstes Szenario erachten, stimmt mit der Einschätzung der Raiffeisen-Fachleute als auch jener des Marktes überein.

Raschere Konjunkturerholung impliziert noch keine baldige Leistzinserhöhung
Die Erfahrung moderater Inflationsdynamik - selbst bei historisch niedrigen Arbeitslosenquoten während der langen Expansionsphase nach der Wirtschafts- und Finanzkrise - könnte weiters dazu beitragen, dass auch eine rascher als gedachte Konjunkturerholung nicht notwendigerweise eine baldige Erhöhung der Leitzinsen impliziert. Auf Nachfrage betonte Powell, dass er „nicht darüber nachdenkt über steigende Leitzinsen nachzudenken“.

Fazit
In Summe schätzt Raiffeisen Research die Zinssitzung als dovish ein, sowohl in Bezug auf die QE-Forward Guidance als auch auf den Konjunkturausblick, welche jedoch nicht überrascht haben sollte. Leitzinsen werden über eine längere Phase am aktuellen Niveau verharren und weitreichendes QE wird die Laufzeitenprämien auch in Zukunft dämpfen. Da der aktuelle  Zinsausblick von Raiffeisen Research beide dieser Effekte reflektiert, sieht man aufgrund dieser Zinssitzung keinen Anpassungsbedarf der Zinsprognosen. (kb)

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