Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Fed beendet de facto die Zinsanhebungsphase

Wie erwartet, beließ die US-Notenbank die Leitzinsspanne bei 2,25 bis 2,50 Prozent. Der Beschluss wurde einstimmig getroffen. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung fällt verglichen mit derjenigen von Ende Januar vor allem mit einer deutlich vorsichtigeren Konjunktureinschätzung auf.

bond1.jpg
Hört die Fed zu stark auf die Märkte und reagiert zu schnell in einer Art von voraus eilendem Gehorsam?
© doganmesut / stock.adobe.com

Die Währungshüter wollen bei der Beurteilung einer eventuell notwendigen Veränderung des Leitzinssatzes geduldig sein, schreibt Raiffeisen Research in einem aktuellen Report. Als Begründung in der Fed-Stellungnahme für die abwartende Haltung wird die Entwicklung an den Finanzmärkten sowie der globalen Konjunktur genannt, außerdem der weiter nur moderate Inflationsdruck.

Einschätzung
Mit der gestrigen Zinsentscheidung setzte die US-Notenbank konsequent den im Januar eingeschlagenen Weg fort und schaffte es den Markt sogar nochmals „taubenhaft“ zu überraschen. Fed-Präsident Jerome Powell erklärte ausführlich, dass sich die US-Konjunktur seit Ende 2018 spürbar abgekühlt habe. Zudem bestünden weiter Risiken für den mittelfristigen Konjunkturausblick. Dazu zählten unter anderem der Brexit, die ungelösten Handels-Spannungen zwischen den USA und China sowie spürbar verschärfte Finanzmarkt-Bedingungen.

Inflationsziel nicht erreicht
Zudem betonte Powell so stark wie nie zuvor, dass das Inflationsziel der Notenbank seiner Meinung nach nicht erreicht sei und sich dies in diesem Jahr auch nicht ändern werde. Flankiert wurden Powells Aussagen durch die neuen Leitzinsprojektionen. Denen zufolge geht nun eine Mehrheit der FOMC-Mitglieder davon aus, dass es in diesem Jahr nicht mehr angemessen sein wird, den Leitzins anzuheben. Im Dezember hatte eine Mehrheit der Währungshüter für das laufende Jahr noch zwei Zinsschritte als wahrscheinlich angesehen.

Abbau der Fed-Bilanz wird ab Mai verlangsamt und ab Ende September eingestellt
„Gekrönt“ wurde das Füllhorn an „taubenhaften“ Verlautbarungen schließlich durch die Ankündigung, den Abbau des Anleiheportfolios der Notenbank ab Mai zu verlangsamen und per Ende September gänzlich einzustellen. Zur Erinnerung: Im Dezember hatte Jerome Powell noch gesagt, der Bilanzabbau laufe auf Autopilot. Die Notenbank hat damit in nur drei Monaten zwischen Dezember 2018 und März 2019 eine geldpolitische Vollbremsung erster Güte hingelegt.

Schubumkehr
Als Ursache für dieses Vorgehen könnte man deutlich eingetrübte Konjunkturperspektiven oder die Sorge vor einer möglichen Verfehlung eines bzw. beider geldpolitischen Hauptziele – Preisstabilität und Vollbeschäftigung – vermuten. Der Blick auf die Zahlen bestätigt aber nichts dergleichen. Für 2019 wird eine Vorjahresrate des realen Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal von 2,1 Prozent angesetzt, nach 2,3 Prozent im Dezember. Maßgeblicher Treiber dürfte das zu erwartend schwache erste Quartal sein, das aber wohl durch den Government Shutdown sowie ungünstige Witterungseinflüsse nach unten verzerrt ist. Für das vierte Quartal 2020 wurde die erwartete Vorjahresrate um 0,1 Prozentpunkt auf 1,9 Prozent gesenkt. In beiden Jahren wird damit weiter eine Zunahme der Wirtschaftsleistung auf bzw. leicht über dem von der Fed mit 1,9 Prozent angenommenen Potenzialwachstum erwartet. Die erwartete Arbeitslosenquote wurde zwar für beide Jahre jeweils um 0,2 Prozentpunkte nach oben revidiert, sie soll mit 3,7 bzw. 3,8 Prozent allerdings noch immer klar unter der langfristig als „normal“ angesehenen Quote von 4,3 % liegen. Für die erwartete Inflationsrate fiel die Abwärtsrevision ebenfalls minimalst aus.

Welches sind die Gründe für die geldpolitische 180°-Wende?
Raiffeisen Research vermutet, dass sich die Währungshüter davor fürchten, den aktuellen Boom durch eine vermeintlich zu restriktive Geldpolitik abzuwürgen. Man reagiert daher anscheinend schon auf die kleinsten Anzeichen einer sich eintrübenden Laune an den Märkten, um auch ja ein mögliches Überspringen auf die Realwirtschaft zu verhindern. Unter dieser Annahme lässt sich der plötzliche Sinneswandel seit Dezember gut erklären: Risikoreiche Anlageklassen wie Aktien und Hochzinsanleihen hatten Ende 2018 einen regelrechten Abverkauf erlebt. Hierauf reagierte die Fed mit der Ankündigung der de facto Beendigung der geldpolitischen Normalisierung. Die Märkte reagierten prompt: Risikoreiche Anlageklassen legten seit Anfang des Jahres kräftig zu und haben quasi sämtliche Verluste aus dem vierten Quartal 2028 wieder aufgeholt.

Fed achtet stark auf die Märkte
In einer Art vorauseilenden Gehorsams, um die Märkte ja nicht weiter zu verschrecken, hat die Fed nun in Sachen „Taubenhaftigkeit“ nachgelegt. Die Finanzmärkte scheinen dies zunächst positiv zu goutieren. Die Strategie der Fed ist aber nicht ohne Risiken. Schon nach der Rezession 2001 hatte die Notenbank den Leitzins über Gebühr lange auf einem sehr niedrigen Niveau belassen. In der Folge wurden die Marktakteure dazu verleitet, immer größere Risiken einzugehen. Die Fed trug damit maßgeblich zur globalen Finanzkrise 2008 bei. Nun zeichnen sich bisher zwar keine derart großen Ungleichgewichte an den Finanzmärkten ab wie 2006 und 2007. Allerdings dürfte die US-Konjunktur im aktuellen geldpolitischen Umfeld weiter heiß laufen. Die Arbeitslosenquote wird weiter sinken, das Lohnwachstum weiter zunehmen. Irgendwann dürften der enge Arbeitsmarkt und die daraus resultierenden stärker steigenden Löhne sich negativ bei den Unternehmensgewinnen bemerkbar machen.

Politik nicht ohne Risiko
Bei einer gleichzeitigen Abkühlung der Binnennachfrage – die ist nämlich trotz aller Verweise von Powell auf die ausländische Nachfrage für US-Unternehmen weiter entscheidend – könnte das die Unternehmen dazu verleiten, ihre Investitionen zurückzufahren. Aber auch das gegenteilige Risiko besteht: Wegen des weiter äußerst günstigen Finanzierungsumfeldes mit einem realen Zinssatz nahe null Prozent könnte es wegen der momentan starken Nachfrage zu verstärkten Fehlallokationen von Kapital kommen, sprich einer Investitionsblase. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen