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EZB-Sitzung: Das erwartet Michael Heise

Für den Chefökonomen von HQ Trust, Michael Heise, ist die niedrige Inflation kein Anlass für mehr Expansion bei der Geldpolitik. Nach Krisenende sei seiner Ansicht sogar mit höheren Preissteigerungsraten zu rechnen.

 Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust
Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust
© HQ Trust

Für die EZB-Sitzung am Donnerstag erwartet Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, zwar keine wesentlichen Änderungen im Rahmen der Zinspolitik und der Anleihekaufprogramme. Trotzdem gibt Heises Einschätzung Investoren eine gute Orientierung, wie es am europäischen Fixed-Income-Markt weiter gehen könnte.

Geldpolitik muss erst wirken
Laut Heise dürfte in der Kommunikation Christine Lagarde auf noch bestehende Lockerungsmöglichkeiten, wie etwa gesteigerte tägliche Ankäufe im Rahmen des PEPP-Programms hinweisen. Weitergehende Lockerungsschritte wären in der aktuellen Lage kaum begründbar.

Für Heise wäre es hilfreich, wenn die EZB eine ruhige Hand bewahrt und bei allen Risiken der Pandemie auf die derzeit deutliche Erholung der Eurozone hinweisen würde. Dies dürfte mehr zur Verbesserung des Geschäftsklimas und zur Vertrauensbildung beitragen als weitere Ankündigungen einer noch expansiveren Geldpolitik.

Heise sieht aktuell zwei Hauptgründe, warum weitergehende Lockerungsschritte nicht zu erwarten sind.

Seit der letzten EZB-Projektion sind die BIP-Prognosen eher nach oben korrigiert worden, weil die Erholung wichtiger Volkswirtschaften stärker ausfiel als von IWF, Weltbank oder OECD erwartet. Voraussichtlich wird die Entwicklung in der EWU in 2020 besser verlaufen, als die – 8,7 Prozent, welche die EZB im Juni unterstellt hatte.

Die massiven schuldenfinanzierten Konjunktur- und Wachstumsprogramme der Regierungen und der EU werden neben den Nachholeffekten beim Konsum und der graduellen Erholung der Exporte ebenfalls wirken. Für die EZB besteht daher kein Anlass ihre Wachstumsprojektionen nach unten zu korrigieren.

Inflation durchschreitet tiefes Tal
Der größere Diskussionspunkt dürfte laut Heise die derzeit sehr geringe Steigerungsrate der Verbraucherpreise mit und ohne Energie sein, die die EZB weiter von ihrem Inflationsziel von unter, aber nahe bei zwei Prozent entfernt hat. Der aktuelle Blick auf die Preisentwicklung ist indessen nicht mehr als der Blick in den Rückspiegel, der sowohl den Ölpreisverfall, den Nachfrageeinbruch durch den Lockdown und die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland spiegelt. 

Aufgrund der aktuell niedrigen Preisniveauänderungen bestehe kein Anlass, die Projektionen für das kommende Jahr nach unten zu nehmen. In einer sich erholenden Wirtschaft würden mehrere preiserhöhende Faktoren zusammenkommen:

Eine zumindest temporäre Steigerung der Lohnstückkosten und höhere Produktionskosten durch pandemiebedingte Auflagen werden bei wieder höherer Nachfrage zumindest zum Teil in den Preisen weitergegeben werden.

Hinzu kommen ein voraussichtlicher Wiederanstieg der Rohstoffpreise und die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zum 1.1.2021. "Zumindest für Deutschland wäre es daher angemessen, die bisherige EZB-Inflationsprojektion von 1,1 Prozent für 2021 auf deutlich über zwei Prozent zu erhöhen", erklärt Heise abschließend. (aa)

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