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EZB-Sitzung: Christine Lagarde etwas weniger dovish als gedacht

Dieser Ansicht ist Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt der Bantleon Bank, der die aktuellen geldpolitischen Entscheidungen der EZB analysiert.

Daniel Hartmann
Dr. Daniel Hartmann, Chefökonom bei der Bantleon Bank
© Bantleon

Erwartungsgemäß hat der EZB-Rat keine neuen Beschlüsse getroffen. Die Notenbanker haben jedoch bestätigt, dass die PEPP-Anleihenkäufe aktuell in einem etwas langsameren Tempo fortgeführt werden als noch im 2. und 3. Quartal.

Recht optimistischer Wachstumsausblick
"Insgesamt waren die Ausführungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nicht ganz so »taubenhaft« wie gedacht", findet Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt der Bantleon Bank. "So hielt die Notenbank erstens an ihrem recht optimistischen Wachstumsausblick ohne Abstriche fest. Die gestiegenen Energiepreise wurden zwar als neuer Störfaktor genannt, offenbar aber nicht als so problematisch angesehen."

EZB den Ton bei der Inflation leicht angepasst
Die Währungshüter gehen nach wie vor davon aus, dass die Energiepreise im kommenden Jahr wieder fallen und die Angebotsengpässe allmählich überwunden werden. Entsprechend rechnet die Notenbank 2022 mit rückläufigen Inflationszahlen. Hartmann dazu: "Der aktuelle Teuerungsschub wird aber nicht mehr als ein rein temporäres Phänomen bezeichnet. Mithin muss der EZB-Rat einräumen, dass die gegenwärtige Phase höherer Inflation länger dauert als ursprünglich gedacht."

Eindeutige Positionierung zu PEPP
Es werde im März enden, sagte Lagarde. Wie es mit den Wertpapierkäufen insgesamt danach weitergeht, ließ sie jedoch offen. In den vergangenen Tagen sind die Leitzinserwartungen in der Eurozone regelrecht emporgeschnellt. Für Ende 2022 ist eine Leitzinserhöhung auf -0,30 Prozent eskomptiert, und Ende 2023 soll die Depositenrate bereits die Nulllinie erreicht haben. Viele Beobachter haben in Anbetracht dessen darauf gesetzt, dass sich die EZB-Chefin diesen Spekulationen vehement entgegenstemmen wird. Hartmann: "Lagarde kam diesem Ansinnen auch nach – allerdings nur halbherzig und etwas verklausuliert. Demnach geht sie nicht davon aus, dass die Bedingungen für ein Lift-off zu dem Zeitpunkt erfüllt sind, den die Märkte derzeit unterstellen."

Bantleons Einschätzung
"Insgesamt hat Christine Lagarde den ultraexpansiven Kurs der EZB tapfer verteidigt. Allen voran gehen die Währungshüter weiterhin von einem Unterschießen des Inflationsziels aus. Es fällt der Notenbank aber zunehmend schwer, die jüngste Inflationsentwicklung kleinzureden. Im Rahmen der Dezember-Sitzung dürfte der Gegenwind in dieser Hinsicht weiter zunehmen. Aus unserer Sicht wird die EZB dann nicht umhinkommen, ihre Inflationsprognosen erneut nach oben zu korrigieren", meint Hartmann.

Nach PEPP kommt wohl ein kleineres neues Programm
Vor dieser Kulisse geht man bei Bantleon davon aus, dass die Währungshüter das Ende des PEPP im Dezember definitiv beschließen werden. An dessen Stelle dürfte ein deutlich kleineres Nachfolgeprogramm treten. Insgesamt erwartet man eine sukzessive Rückführung der Netto-Wertpapierkäufe. Ende 2022 sollten sie ganz eingestellt werden.

Inflation stellt Basis für geldpolitische Straffung dar
Hartmann und seine Kollegen sind außerdem überzeugt davon, dass Teile des aktuellen Teuerungsschubs nicht nur temporärer Natur sind, sondern sich als nachhaltig erweisen werden. Die Inflationsrate (auch diejenige ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) dürfte demzufolge Ende 2022 bei gut 2,0 Prozent liegen. Damit ist die Basis für geldpolitische Straffungen gelegt. Das Haus rechnet mit der ersten Leitzinserhöhung im 1. Halbjahr 2023, weitere Schritte sollten im 2. Halbjahr 2023 sowie 2024 folgen. "Die an den Märkten aktuell eskomptierten langfristigen Leitzinserwartungen sehen wir daher als nicht übertrieben an. Vielmehr besteht hier sogar noch Luft nach oben", so Hartmann abschließend. (kb)
 

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