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EZB-Niedrigzins-Bekenntnis zieht bei Profiinvestoren nicht mehr

"Der Markt hat immer recht". Sofern diese Bonmot auch dieses Mal seine Gültigkeit hat, könnten Institutionellen am Rentenmarkt ungemütliche Zeiten bevorstehen.

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© gguy / stock.adobe.com

Die Finanzmärkte ignorieren bislang hartnäckig die jüngsten Warnungen von EZB-Entscheidungsträgern wie Chefvolkswirt Philip Lane, zu Unrecht von einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank Ende nächsten Jahres auszugehen. Damit dürfte es am Donnerstag an Notenbankchefin Christine Lagarde sein, die diesbezügliche Wahrnehmung der Anleger zu korrigieren, wenn sie die geldpolitische Entscheidung des Rates vorstellt. Über diese Entwicklung berichtet Bloomberg.

Höhere Inflation bringt EZB unter Zugzwang
Angesichts der durch Versorgungsengpässe und steigende Energiepreise angeheizten Inflation setzen die Anleger darauf, dass die von der US-Notenbank angestrebte Rücknahme der geldpolitischen Anreize die EZB schon bald in ihren Sog bringen wird. Inzwischen gehen sie davon aus, dass der Einlagensatz von derzeit -0,5 Prozent bis Ende 2024 auf null steigen wird. Am Freitag anstehende Daten dürften zeigen, dass die Verbraucherpreis-Inflation im Euroraum auf die Marke von vier Prozent zusteuert und damit doppelt so hoch ist, wie es die EZB mittelfristig anstrebt.

Am Markt werden zukünftige Entwicklungen gehandelt
“Der Markt ist der wahrscheinlichen Antwort der EZB weit voraus”, sagte Giles Gale, Leiter der europäischen Zinsstrategie bei NatWest Markets. “Wir gehen davon aus, dass Lagarde den Markt daran erinnern wird, dass die EZB ihre Prognosen ernst nimmt und dass dieser Weg ein ziemlich unwahrscheinliches Hochinflationsszenario darstellt.”

Die jüngsten Schätzungen der EZB gehen von einer Verlangsamung der Inflation auf 1,5 Prozent im Jahr 2023 aus - nicht genug, um höhere Zinsen zu rechtfertigen, wenn man das jüngste Leitbild der geldpolitischen Entscheidungsträger zugrunde legt. Es fordert einige Zeit mit Zwei-Prozent-Teuerung, bevor ein solcher Schritt in Betracht gezogen werden kann.

Am 28. September hatte Lagarde noch erklärt, die Forward Guidance der Notenbank habe “bereits zu einer besseren Übereinstimmung” der Zinserwartungen mit dem neuen EZB-Inflationsziel geführt. “Wir erwarten weitere Fortschritte in Richtung einer noch engeren Angleichung zwischen dem erwarteten Zeitpunkt der Anhebung unserer Leitzinsen und den wahrscheinlichsten Inflationsaussichten”, so Lagarde.

Nun, da die Wetten auf eine Zinserhöhung weiter gestiegen sind, ist es unwahrscheinlich, dass die EZB-Präsidentin noch so zuversichtlich sein kann. Der griechische EZB-Rat Yannis Stournaras sagte am 7. Oktober, die Zinswetten am Markt stünden  “nicht im Einklang mit unseren Prognosen”. Italiens Ignazio Visco warnte am 18. Oktober, dass “der Markt vielleicht ein bisschen zu hektisch” sei.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt und eine allgemeine Straffung der finanziellen Bedingungen die geldpolitischen Entscheidungen bestimmt, besteht die Gefahr, dass der Spielraum der EZB für einen allmählichen Ausstieg aus der Krisenhilfe und den Übergang zu Standardmethoden zur Unterstützung der Wirtschaft eingeschränkt wird.

”Es ist sinnvoll, dass die EZB ihre Diskussion auf die Bilanz und nicht auf die Zinsen konzentriert”, empfiehlt Mohammed Kazmi, Portfoliomanager bei Union Bancaire Privee.  (aa)

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