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EZB in der Zwickmühle: Inflationserwartungen steigen und steigen

Die Zentralbanken hätten sich erst spät auf das höhere Inflationsumfeld eingestellt, ein Angebotsschock folge auf den anderen und verstärkt den Anstieg der Inflationserwartungen. Das führt zu höheren Zinsen und Unruhe an den Anleihemärkten, ist einer Analyse von Ostrum AM zu entnehmen.

Axel Botte, Ostrum Asset Management
Axel Botte, Ostrum Asset Management
© Ostrum AM

Steigende Zinsen an den Aktienmärkte lassen nicht nur die entsprechenden Anleihenkurse fallen, sondern lassen auch Sorgen aufkeimen, dass den Zentralbanken die Situation entgleiten könnte. Vor allem die immer höheren Inflationserwartungen könnten ein Problem werden, meint Axel Botte, Marktstratege beim französischen Investmenthaus Ostrum Asset Management, in seinem wöchentlichen Marktkommentar. 

Höchster Stand seit 25 Jahren
„Im Vereinigten Königreich liegen die zehnjährigen Breakeven-Raten bei über 4,3 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren. Die Inflationsswaps in der Eurozone liegen bei über 2,1 Prozent, das US-Äquivalent bei 2,85 Prozent", schreibt Botte.

Vor diesem Hintergrund haben die Erwartungen einer Straffung der Geldpolitik zu einem Aufwärtsdruck auf die Renditen von Anleihen mit mittleren Laufzeiten geführt. Die fünfjährige US-Anleihe hat mit 1,24 Prozent den höchsten Stand seit Februar 2020 erreicht. Die Renditekurve hat sich jedoch über die fünfjährige Laufzeit hinaus abgeflacht, da die Anleger konvexe Strategien anwenden, um sich gegen einen Anstieg der Volatilität (aufgrund der Unsicherheit über die Geldpolitik im Zeitraum 2024-2026) zu schützen. Am deutlichsten ist laut Botte die Abflachung bei den der Spreads zwischen zehn- und 30jährigen Anleihen in der Eurozone; sie haben sich bei den Bundesanleihen innerhalb von fünf Tagen um zehn Basispunkte (Bp.) verengt.

Wahl zwischen Inflation und Stabilität
Die EZB bleibt jedoch bei der weltweit zu beobachtenden Straffung der Geldpolitik am Spielfeldrand. Die im September angekündigte Reduzierung der monatlichen PEPP-Käufe macht sich in den wöchentlichen Zahlen kaum bemerkbar, die immer noch Bruttokäufe von über 20 Milliarden Euro ausweisen. Die EZB muss abwägen zwischen den Risiken einer galoppierenden Inflation und den Störungen am Finanzmarkt, die eine plötzliche Verringerung des QE auslösen könnten. Die wichtigsten technischen Ankündigungen ihrer zukünftigen Politik werden möglicherweise nicht vor der Dezembersitzung bekannt gegeben, aber Christine Lagarde dürfte Bottes Einschätzung nach bereits auf der Sitzung am 28. Oktober eine Orientierung geben.

"Flexibilität" gefordert
Dabei würde Botte zufolge die fragile Zahlungsfähigkeit der Staaten der Eurozone noch lange Zeit "Flexibilität" erfordern. Die selbst auferlegten Haltegrenzen (pro Emission oder Ausgabe) müssen überarbeitet werden, um das Risiko asymmetrischer Schocks zu mindern. Es besteht kein Zweifel, dass griechische Anleihen trotz ihres unzureichenden Ratings weiterhin in die QE-Programme aufgenommen werden.

"Die italienischen Präsidentschaftswahlen (Februar 2022) und die Rolle von Draghi in den kommenden Monaten könnten eine Quelle der Volatilität sein, die die EZB nach Kräften ausgleichen wird", erklärt Botte abschließend. (aa)

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