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Ex-Fed New York-Chef: Fedkurs droht Risikoappetit ungesund zu steigern

William Dudley, ehemalige Chef der New York Federal Reserve Bank, ist der Ansicht, dass die gegenwärtige Geldpolitik der US-Notenbank risikoreiches Verhalten belohnt. Moral Hazard heißt das Problem, das noch aus der Finanz- und Wirtschaftskrise sattsam bekannt ist.

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William C,. Dudley, Ex-Präsident der Federal Reserve von New York (2009 bis 2018)
© Archiv

“Wer ausstehende Hochzins-Anleihen hält, der tut dies oft mit Absicht”, sagte Dudley im Interview mit Bloomberg News. “Wenn die Federal Reserve also interveniert und die Kurse dieser Vermögenswerte stützt, dann schafft sie gewissermaßen ein moralisches Problem: Sie ermutigt die Leute, noch mehr Anleihen aufzuhäufen.”

High Yield ETF-Käufe der Fed helfen Wagemutigen aus der Patsche
Um inmitten der Coronakrise eine ausreichende Verfügbarkeit von Darlehen zu gewährleisten, hat die Fed seit März verschiedene Notfall-Kreditprogramme auf den Weg gebracht. Dazu zählt eine Fazilität für den Unternehmensanleihe-Markt, die den Kauf börsennotierter Fonds umfasst, die in Hochzinsanleihen investieren. Bislang hat die Fed hier aber relativ wenig  gekauft.  Indessen hat die Notenbank US-Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Umfang von Billionen Dollar erworben, um in diesen für das globale Finanzsystem wichtigen Segmenten die Liquidität zu gewährleisten.

Hedgefonds gerettet
“In den vergangenen Monaten hatten wir eine ganze Reihe von Akteuren, die von der Fed letztlich gerettet wurden: Hedgefonds, die am Kassamarkt in Treasuries investiert und Treasury-Terminkontrakte leerverkauft hatten”, so Dudley. Die Treasury-Käufe der Fed hätten diesen Fonds geholfen, aus schlechten Geschäften wieder herauszukommen.

Systemrelevanten, die sich verspekuliert haben, mus sgeholfen werden 
“Wenn der eingesetzte Kredithebel bei Akteuren sehr stark wird und sie groß genug sind, um systemrelevant zu sein, dann muss nach meiner Ansicht die Aufsicht eingreifen und dies unter Kontrolle bringen”, so Dudley, der 2018 von seinem Posten bei der New Yorker Fed zurücktrat.

Was man dagegen machen könnte
Die Fed könnte die Banken anweisen, das Kreditangebot für Kunden aus dem Private-Equity- und Hedgefonds-Bereich zu begrenzen, so Dudley. Ebenso könnte sie die Verpflichtung einführen, zu Zeiten normaler Wirtschaftsentwicklung bei der Fed eine Art Liquiditätsversicherung abzuschließen, die dann im Ernstfall bereitstünde.

Marktverzerrungen
Als der Umfang des Corona-Problems für die Konjunktur absehbar wurde, flohen viele Anleger in die Sicherheit von Barbeständen. Dies führte zu ernstem Liquiditätsmangel, sodass die Fed sich gezwungen sah, einzuschreiten. “Was die Fed in solchen Fällen wirklich vermeiden will, ist, dass die Leute in großem Umfang Vermögenswerte abstoßen müssen, für die sich dann aber kein Käufer findet”, so Dudley. “Dies nämlich verzerrt die Märkte erheblich.”

SEC könnte Investmentfondsregeln ändern
Die US-Wertpapieraufsicht SEC könnte, so der Vorschlag Dudleys, die Regeln für Investmentfonds so ändern, dass in sehr illiquide Werte investierte Fonds keine Übernacht-Liquidität mehr anbieten. Dies würde das Risiko senken, dass Notverkäufe von Assets notwendig werden, sollten Anleger alle zur gleichen Zeit ihr Geld zurück haben wollen.

Sicherheitsnetze einziehen
“Es gibt verschiedene Dinge, die es wert wäre, zu prüfen”, sagte Dudley. “Alle 50 oder 100 Jahre eine Finanzkrise zu haben, ist das eine. Aber wenn es auf einmal alle zehn Jahre eine Finanzkrise gibt, dann werden die Maßnahmen der Fed die Leute ermutigen, künftig höhere Risiken einzugehen.” (kb)

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