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Europa mischt den Anleihemarkt auf

Anfang Juni haben alle EU-Mitgliedsländer die Krisenhilfen der Europäischen Union (EU) durchgewunken. Letzten Dienstag nahm die EU-Kommission nun erstmals Mittel zur Finanzierung des Wiederaufbaupakets „Next Generation Europe“ (NGEU) am Kapitalmarkt auf.

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Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment
© Union Investment

Die Anleihe stieß auf eine sehr hohe Nachfrage unter Investoren. Bis 2026 wird Europa zum größten supranationalen Emittenten und zum weltgrößten Emittenten von grünen Anleihen (Green Bonds) werden. Nach der Ausgabe von Social Bonds zur Finanzierung von europäischen Arbeitslosenhilfen (SURE) legt die EU-Kommission – stellvertretend für die Europäische Union – nach. Am heutigen Dienstag nimmt sie erstmals Geld zur Finanzierung des Krisenhilfepakets „Next Generation EU“ (NGEU) am Markt auf. Die NGEU-Bonds richten sich an institutionelle Investoren, aber auch an Privatanleger – Europa rückt am Kapitalmarkt näher an seine Bürger heran. Bald sollen auch kurzlaufende Anleihen (T-Bills) und grüne Anleihen folgen.

Die Gemeinschaft mischt damit den europäischen Anleihenmarkt kräftig auf
Sie wird zum fünftgrößten Emittenten hinter Spanien. Bis 2026 will die Kommission für NGEU rund 800 Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln, um Krisenhilfen für einzelne EU-Länder zu finanzieren und die europäische Wirtschaft nachhaltiger zu machen. Nebenbei wird die EU damit auch zur größten Green-Bond-Emittentin der Welt und untermauert ihren Anspruch der nachhaltigen Transformation der Finanzmärkte. Voraussichtlich ab September sollen rund 250 Milliarden Euro des geplanten Finanzierungsvolumens über grüne Anleihen aufgenommen werden und zweckgebunden in Klimaschutzprojekte fließen.

SURE-Anleihen im Vergleich zu NGEU-Emissionsplan klein
Bisher hat die EU allein zur Finanzierung des Arbeitslosenhilfe-Programms SURE 89 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen, bis Ende 2021 dürften sich die ausstehenden SURE-Bonds auf rund 94 Milliarden Euro summieren. Wegen ihrer nachhaltigen Eigenschaft als Social Bonds stießen die SURE-Anleihen unter Investoren auf sehr starkes Interesse. Die ersten NGEU-Anleihen werden als herkömmliche Anleihen begeben und nicht als grüne Anleihen, da die Erstellung des Rahmenwerks noch nicht abgeschlossen ist. Da bei den neu aufgelegten Anleihen die nachhaltige Komponente noch fehlt, könnte von einigen Anlegern eine leicht höhere Neuemissionsprämie verlangt werden. Die Nachfrage ist dennoch beachtlich. Die Konsortialführer haben für die neue zehnjährige Anleihe im Volumen von maximal 20 Milliarden Euro kurz vor Schließung des Orderbuchs eine Nachfrage von über 107 Milliarden Euro gemeldet. Das unterstreicht die Attraktivität der EU als sicherer Hafen am Kapitalmarkt.

Union Invest geht künftig von einer hohen Liquidität der NGEU-Anleihen aus
Dies deshalb, weil die Emissionsvolumina deutlich größer sein werden als die bisherigen SURE-Anleihen der EU. Auch wenn es sich um eine zeitlich begrenzte Schuldenaufnahme handelt: Die EU-Kommission mausert sich damit langsam zum europäischen Schuldenmanager. Union Invest begrüßt die Transparenz bezüglich der Emissionsdaten und Emissionsvolumen sowie der Laufzeiten, denn dies hilft Investoren, sich vorzubereiten. Insbesondere die Tatsache, dass künftig Anleihen auch im Rahmen von Auktionen an den Markt kommen und nicht nur über Bankensyndikate, zeigt, dass Europa in Kapitalmarktfragen enger zusammenrückt.

Alternative zu Bünden
Für Investoren sind die mit der höchsten Kreditwürdigkeit eingestuften NGEU-Anleihen eine Alternative zu Bundesanleihen, da sie bei gleicher Laufzeit einen Renditeaufschlag bieten. (kb)

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