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Europa hat endlich seinen Anteil an weltweiten Mega-Aktienrückkäufen

Der europäische Aktienmarkt könnte endlich von der Kraft profitieren, die seit der globalen Finanzkrise eine US-Aktienrallye angeheizt hat, nämlich den Aktienrückkäufen. Share-Buybacks werden in Europa zunehmend salonfähig und erfreuen das Aktionärsherz.

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© pixelkorn / Fotolia

Europäische Firmen haben in der aktuellen Berichtssaison Blockbuster-Rückkauf-Programme angekündigt, vom 25-Milliarden-Dollar-Plan der Royal Dutch Shell bis zu den 2,6 Milliarden Dollar von Diageo, da deren Bargeld-Reserven angesichts einer anhaltenden Erholung der Unternehmensgewinne angeschwollen sind. In Europa außerhalb des UK sind die Netto-Aktienemissionen laut Sanford C. Bernstein zum ersten Mal seit mindestens einem Jahrzehnt negativ, während sie in Großbritannien seit einem Jahr unter null liegen und nun in der Nähe des tiefsten Werts seit 2013 zu liegen kommen.

Steigende Rückkäufe geben europäischen Aktien Auftrieb
Europas Aktien bleiben wohl das dritte Jahr in Folge hinter der weltweiten Entwicklung zurück. Es zeigt sich, dass sich das gekoppelte Phänomen aus Aktienrückkäufen und einem schrumpfenden öffentlichen Markt über die USA hinaus ausgebreitet hat. Dort hatten einige Parlamentarier Bedenken geäußert, dass Kapital für Investitionen verschwendet und der Zugang der Öffentlichkeit zu Wertpapieren beschnitten wird. "Es ist sinnlos, all diese Investitionen in einem Umfeld mit viel weniger Wachstum zu tätigen, und es gibt nur so viel, wie man unter Kosteneffizienz-Aspekten investieren kann", sagt Roger Jones, Leiter Aktien beim Asset Manager London & Capital, gegenpber Bloomberg. "Es wird nun viel mehr akzeptiert, dass Rückkäufe ein nützlicher Mechanismus zur Erzielung von etwas Wachstum sind, sowie der Mechanismus, um Geld an die Aktionäre zurückfließen zu lassen."

In Europa steigen die Rückkäufe von einer sehr niedrigen Basis aus
Sie sind im Vergleich zum Rekordboom in den USA immer noch gering. In der Vergangenheit waren sie in der Region weniger üblich. Diese Diskrepanz ist auf eine schwächere Betonung der Aktionärserträge und eine stärkere der Investitionen zurückzuführen. Aber mit den europäischen Unternehmensgewinnen, die das dritte Jahr in Folge steigen dürften, kehren die Rückkäufe zurück. Vorreiter sind die Sektoren Energie und Rohstoffe, deren Gewinne von den höheren Rohstoffpreisen profitiert haben. Auch die Zinsen dürften in Europa länger in der Nähe von null bleiben, was die Finanzierung von Rückkäufen billiger macht.

Niedrigzinsen machen Finanzierung der Rückkäufe billiger
Solche Programme könnten sogar für europäische Banken, die sich noch in der Erholungsphase befinden, auf dem Weg sein. Barclays hat verlockend signalisiert, dass ein Rückkauf in Sicht sein könnte, während die Trendwende bei Credit Suisse Spekulationen angeheizt hat, dass ein Rückkauf kommen wird.

Rückkäufe sind gut für den Markt
Denn sie sind eine weitere Quelle für die Nachfrage nach Wertpapieren und werden oft als ein Zeichen dafür gewertet, dass das Management die Aktien als unterbewertet ansieht. Die Anleger scheinen sie auch zu mögen: Unternehmen, die Rückkäufe angekündigt haben, wiesen in diesem Jahr gegenüber jenen mit nachhaltigen Dividenden bislang eine Outperformance auf, wie aus von J.P. Morgan Chase zusammengestellten Aktienbaskets  hervorgeht. Allerdings hat sich die Differenz in letzter Zeit verringert. 

Rückkaufboom in den USA
Dieser wird 2018 voraussichtlich eine Billion US-Dollar umfassen. Das hat zu einer Debatte darüber geführt, ob es die beste Verwendung des Bargelds ist, dieses einfach an die Aktionäre zurückzugeben. Während die Investitionen dort immer noch steigen, dürften sie in Europa in diesem Jahr den höchsten Wert seit 2008 pro Aktie erreichen, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Schätzungen hervorgeht. "Die ständige Angst bei Rückkäufen ist, dass sie einen Mangel an Wachstumschancen signalisieren, in die Unternehmen investieren könnten. Alles, was wir sagen können, ist, dass dies bisher nicht der Fall ist", schrieben Bernstein-Strategen um Mark Taucher in einer Notiz. "Das beispiellose Ausmaß globaler Rückkäufe im Vergleich zu Aktienemissionen bietet eine sehr nützliche Unterstützung für den Markt gegen makroökonomischen Gegenwind." (kb)

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