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Eurizon-Fondsmanager Bernardelli: Inflation könnte ein Problem werden

Viele Investoren hoffen, dass es Ex-EZB-Präsident Mario Draghi, seit Februar Italiens Regierungschef, gelingt, die schleppende italienische Wirtschaft wiederzubeleben. Allerdings habe sich das an den Märkten noch nicht in einer tatsächlichen Verbesserung der Spreads und Preise niedergeschlagen.

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Paolo Bernardelli (Bild) ist Leiter des Bereichs Fixed Income & FX und Manager des 4,1 Milliarden Euro schweren Epsilon Fund – Euro Bond.
© Eurizon

Eurizon-Anleihenexperte Paolo Bernardelli ist Manager des 4,1 Milliarden Euro schweren Epsilon Fund – Euro Bond. Er gibt zurzeit Unternehmens- und Schwellenländeranleihen den Vorzug gegenüber Staatsanleihen. Hinsichtlich der Inflation geht er für 2022 von einer moderaten Entwicklung aus, warnt aber, dass sie zum Problem werden könnte, wenn die aktuellen geld- und fiskalpolitischen Impulse zu stärker steigenden Verbraucherpreisen führen würden. In diesem Fall sieht er auch das Risiko einer Reduzierung der geldpolitischen Unterstützung durch die EZB, wie er im folgenden Interview anklingen lässt:

Herr Bernardelli , was hat sich seit der Ernennung von Mario Draghi zu Italiens Regierungschef im Februar 2021 für den italienischen Finanzmarkt geändert?
Paolo Bernardelli: Die EZB war sich während der „Super-Mario-Ära“ der Notwendigkeit bewusst, zu vermeiden, dass sich eine Makrokrise in eine Finanzkrise verwandelt, wie es bei der zögerlichen Reaktion auf das Aufkommen der Subprime-Krise 2008 der Fall war. Und auch nach seinem Ausscheiden Ende 2019 war die EZB weiterhin sehr aktiv, um jeglichen Marktstress zu unterdrücken, der die globale Stabilität bedrohen könnte. Das ist der Grund, warum die Finanzmärkte seit der Ernennung von Mario Draghi zum Regierungschef im Februar große Erwartungen hegen. Die Hoffnung ist, dass er dazu beitragen kann, die schleppende italienische Wirtschaft wiederzubeleben, was einen Wendepunkt für die langsam sinkende italienische Wirtschaft darstellen würde. Es ist ihm gelungen, eine Regierung der nationalen Einheit mit einer großen Mehrheit zu bilden, die wahrscheinlich keine Neuwahlen bis März 2023 erforderlich machen wird. Im Moment hat sich diese Hoffnung der Finanzmärkte noch nicht in eine tatsächliche Verbesserung der Spreads und Preise umgesetzt. Der 10-Jahres-Spread zwischen Deutschland und Italien, ein Maß für die von den Investoren wahrgenommenen Risiken, ist nicht weit von dem Niveau entfernt, das er zu Beginn des Jahres hatte. Reformen brauchen Zeit und Energie, um umgesetzt zu werden, und die Finanzmärkte müssen erst greifbare Anzeichen dafür sehen, dass Italien in die richtige Richtung geht, bevor sie Mario Draghi mehr Kredit geben.

Welche Investments halten Sie bezüglich Rendite, Laufzeit und Bonität aus Sicht eines Anleiheninvestors derzeit für attraktiv?
Bernardelli: Wir leben in einer Welt mit niedrigen oder negativen Renditen, mit positiver und steigender Inflation. Aus diesem Grund ist die strategische Asset Allocation in einem Anleihenportfolio wichtig. Angesichts eines langsamen, aber stetigen Anstiegs der Renditen und eines sinkenden Ausfallrisikos für Unternehmen bevorzugen wir derzeit Unternehmens- und Schwellenländeranleihen gegenüber Staatsanleihen. Dank der riesigen Geldmenge im Umlauf und der Unterstützung durch die Zentralbanken bevorzugen wir Kredite niedriger Qualität, und die Gesamtduration der Portfolios sollte recht niedrig gehalten werden, um das Risiko eines Renditeanstiegs zu verringern.

Wo sehen Sie die größten Risiken für Investoren?
Bernardelli: Für institutionelle Anleger ist es immer ratsam, sich Gedanken darüber zu machen, was schief gehen kann, welche Probleme für ihre Portfolios auftreten könnten. Derzeit geht man von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Aktivität mit stabilen Renditen und einem vorübergehenden Anstieg der Inflation im Sommer aus. Die beiden entgegengesetzten Risiken dieses Szenarios hängen mit dem Tempo des Wirtschaftswachstums zusammen. Sollte es sich nicht weiter erhöhen, könnten wir mit einem Anstieg der Ausfallerwartungen für Unternehmen und einem Rückgang der Renditen konfrontiert werden. Das Gegenteil ist der Fall, wenn sich der Anstieg der Inflation nicht als vorübergehend erweist. Dies könnte die Zentralbanken beunruhigen, die anfangen könnten, sich weniger moderat und unterstützend für die Wirtschaft zu verhalten.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung der Inflation – und was erwarten Sie mittelfristig?
Bernardelli: Die Inflation könnte ein Problem werden. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrs hatten wir einen starken Rückgang der tatsächlichen und erwarteten Inflation, bedingt durch die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft. Mit dem kombinierten Effekt aus der Wiedereröffnung, der monetären Unterstützung durch die Zentralbanken und der fiskalischen Unterstützung durch die Regierungen haben sich sowohl die wirtschaftliche Aktivität als auch die Inflation in den ersten Monaten des Jahres 2021 schnell erholt. Die nächsten Monate werden sehr wichtig sein. Wir gehen davon aus, dass die Inflation, die im Sommer in Deutschland im Jahresvergleich drei Prozent erreichen könnte, im nächsten Jahr auf durchschnittlich zwei Prozent oder darunter zurückgehen wird. In einem solchen Fall wird die EZB nicht beunruhigt sein und wahrscheinlich weiterhin recht moderat bleiben. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der große geld- und fiskalpolitische Impuls sich in einer höheren Inflation niederschlägt, und in diesem Fall steigt das Risiko einer Reduzierung der geldpolitischen Unterstützung durch die EZB.

Inwieweit haben Sie Ihren Epsilon Fund – Euro Bond daran angepasst?
Bernardelli: Der Epsilon Fund – Euro Bond, der 2007 aufgelegt wurde, versucht, den J.P. Morgan Euro GBI Index innerhalb einer Risikobegrenzung von 2,5 Prozent in Bezug auf die Tracking Error Volatility (TEV) zu übertreffen. Es handelt sich um einen aktiv gemanagten Fonds, der hauptsächlich in Anleihen von Euro-Staaten investiert. Die wichtigsten Anpassungen, die der Fonds in den vergangenen Monaten vorgenommen hat, waren eine Untergewichtung in Bezug auf die Duration gegenüber der Benchmark, mit einem wichtigen Engagement in inflationsgebundenen Anleihen.

Alles in allem, welche Perspektiven bieten sich für ein Euro-Anleihenportfolio auf Sicht der kommenden zwölf Monate?
Bernardelli: In Zukunft wird es ein größeres Interesse der Investoren in der Eurozone an grünen Anleihen und allgemein an ESG-Faktoren geben. Eurizon hat sich die Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment zu eigen gemacht, die aus der Partnerschaft zwischen dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP-FI) und dem UN Global Compact entstanden sind, wobei der Epsilon Fund Euro Bond diese ESG-Kriterien als Kernelement seiner Strategie verwendet, da er ein „qualifizierter Fonds gemäß Artikel 8 der Verordnung (EU) 2019/2088“ ist. Das heißt, er integriert ESG-Faktoren in die Analyse, Auswahl und Zusammensetzung seiner Anlagen und strebt den Aufbau eines Portfolios an, das im Durchschnitt einen höheren ESG-Score als seine Benchmark aufweist und Governance-Praktiken respektiert. Aus diesem Grund ist er gut aufgestellt, um auf die ökologischen und sozialen Bedürfnisse der Anleger einzugehen."

Wir danken für das Gespräch. (kb)

 

 

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