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EU zieht den aus London agierenden Banken die Daumenschrauben an

Londoner Finanzinstitute spüren zunehmend, dass die Warnungen der Europäischen Union bezüglich der Kosten des Brexit mehr als nur harte Worte sind.

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© sergign / stock.adobe.com

Selbst die Auswirkungen der globalen Pandemie boten dem weltgrößten Interdealer-Broker TP ICAP keinen Spielraum. Die in London ansässige Gesellschaft teilte am Montag mit, sie habe nicht alle ihre EU-Kunden bedienen können, weil die geplante Verlagerung von Mitarbeitern nach Paris noch nicht abgeschlossen war. Die Mitteilung des Unternehmens erfolgte wenige Stunden, bevor ein Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank die Notwendigkeit für die Banken betonte, ihre Tochtergesellschaften in der EU auszubauen. Über diese Entwicklung berichtet Bloomberg News.

Ausreichende Man Power gefragt
“Es ist wichtig, dass wir weiterhin die Banken, die in den Euroraum umgezogen sind, drängen, ihren neuen Strukturen genügend Personal und Vermögenswerte zuzuweisen”, sagte das niederländische EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson, vor dem Europäischen Parlament.

Die Entwicklungen unterstreichen die harte Linie der europäischen Aufsichtsbehörden gegenüber dem Finanzsektor. Die EU kämpft um die Kronjuwelen der britischen Wirtschaft, die von den Brexit-Handelsgesprächen ausgenommen waren. Brüssel ist entschlossen, die Kosten für den Ausstieg aus dem weltweit größten Handelsblock zu demonstrieren und Geschäft von der City of London wegzulocken. Auf den Finanzsektor entfällt etwa ein Zehntel der britischen Steuereinnahmen.

Großbritannien werde nun mit der Realität des Austritts aus der EU konfrontiert, sagte die EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Mairead McGuinness, letzte Woche auf Bloomberg TV.

Gespräche im März
Europa und Großbritannien müssen noch einen Vertrag für den Finanzsektor aushandeln, der es ermöglicht, dass so etwas wie der Status quo vor dem Brexit funktioniert. Bis dahin wird um Vermögenswerte und Menschen gerungen. Die für März geplanten Gespräche drehen sich um einen Weg zur Zusammenarbeit und haben hauptsächlich symbolische Relevanz. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Äquivalenz-Entscheidung bald getroffen wird.

Anfang dieses Monats warnte Europas Top-Marktregulierungsbehörde Unternehmen vor Versuchen, die Regeln, dass Wertpapierdienstleistungen mit europäischen Kunden innerhalb der EU durchgeführt werden müssen, raffiniert zu umgehen, indem sie Online-Popup-Felder wie „Ich stimme zu“ verwenden.

London verlor am 4. Januar 6,3 Milliarden Euro an täglichem Aktienhandelsgeschäft an EU-Standorte. Laut Schätzungen des Beratungsunternehmen EY haben in Großbritannien tätige Finanzdienstleistungsunternehmen vor dem Brexit rund 7.500 Mitarbeiter und mehr als 1,2 Billionen Pfund (1,35 Billionen Euro) an Geldern in die Europäische Union verlagert.

Pariser Strafe
Die Erfahrung von TP ICAP dient als warnendes Beispiel. Der Interbroker-Dealer schaffte es unterrichteten Kreisen zufolge nicht, vor dem 31. Dezember etwa 80 Broker aus Großbritannien in die Tochtergesellschaft in Paris umzusiedeln. Als Grund nannte die Gesellschaft die Pandemiebeschränkungen und Schwierigkeiten, geeignete Schulen für die Kinder ihrer Mitarbeiter zu finden.

Das Unternehmen sei daher nicht in der Lage, alle EU-Kunden bei Geschäften wie Euro-Zinsswaps und anderen auf Euro basierenden Produkten zu bedienen, sagte die informierte Person. Es war unklar, wie lange TP ICAP brauchen würde, um Broker angesichts der anhaltenden Pandemiebeschränkungen umzusiedeln, aber die Gesellschaft verpflichtete sich, dies zum „frühestmöglichen Zeitpunkt“ zu tun.

Indes warnte die französische Aufsichtsbehörde Autorité des Marchés Financiers am Freitag in einer Mitteilung, dass Unternehmen ab dem 1. Januar strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie sich nicht an Regeln halten. Diese erfordern eine autorisierte Niederlassung oder Tochtergesellschaft innerhalb der EU und ausreichend Personal, um ein ordentliches Risikomanagement zu gewährleisten.

Zwar sagte ICAP, dass dies keine „wesentlichen Auswirkungen“ auf seine Finanzergebnisse haben würde. Indes bekräftigte EU-Kommissarin McGuinness am Montag die Ansicht aus Brüssel und erklärte: „Wir werden Entscheidungen nur treffen, wenn sie im Interesse der Europäischen Union sind.“ (aa)

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