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Essenslieferanten unter Druck: Folgt nun die Konsolidierungswelle?

Ob Gorillas, Lieferando oder Just Eat Takeaway– mit Ende der pandemischen Gefahr fällt der Startschuss zum großen Ausscheidungsrennen. Wie es ausgehen wird? Schwer zu sagen, denn noch ist unklar, wie profitabel ihr Geschäftsmodell langfristig ist und welche Anbieter die Selektion überleben werden.

Dr. Ernst Konrad, Lead-Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz
Dr. Ernst Konrad, Lead Portfolio Manager bei Eyb & Wallwitz, macht sich Gedanken zu Lieferando, Gorillas und Just Eat Takeaway bezüglich deren Überlebenschancen.
© Eyb & Wallwitz

Die Krise als Chance und Katalysator – eine Phrase, die zu Beginn der Coronapandemie allgegenwärtig war. Ernst Konrad, Lead Portfolio Manager bei Eyb & Wallwitz, sagt dazu: "Zweieinhalb Jahre später wissen wir: Chancen gab es für Unternehmen während der Pandemie tatsächlich viele, allerdings waren sie sehr ungleich verteilt. Ein Blick auf die Gastronomie macht das besonders deutlich: Während das Geschäft stationärer Restaurants von einem Tag auf den anderen einbrach, erlebten die Online-Lieferdienste einen staatlich verordneten Boom, der ihren Marktanteil deutlich steigen ließ. Und das sowohl bei Gastro-Logistikern wie Lieferando als auch bei E-Food-Anbietern wie Gorillas, Flink, Amazon Fresh oder Getir."

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
So konnte etwa die niederländische Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway ihren weltweiten Umsatz von 0,4 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf etwa 4,5 Milliarden Euro in 2021 steigern. Ähnlich sieht es beim Berliner Startup HelloFresh aus, dessen weltweite Quartalsumsätze zwischen Ende 2019 und Anfang 2022 von rund 0,5 Milliarden auf 1,9 Milliarden Euro kletterten. Und auch der Umsatz des amerikanischen E-Food-Anbieters DoorDash mit Beteiligungen an den EU-Konkurrenten Flink und Volt wuchs zwischen 2019 und 2021 von 0,9 Milliarden auf rund 4,9 Milliarden US-Dollar. Doch auf den coronabedingten Rausch folgte schnell die Ernüchterung: Mit dem Rückgang der pandemischen Bedrohung nahm auch der Hype um die Lieferdienste wieder ab. Dr. Konrad führt aus: "Die zentrale Frage lautet nun, ob die Branche auch ohne ihren Corona-Bonus weiter wachsen kann oder ob der Trend wieder in Richtung Vorkrisenniveau geht. An der Börse fällt die Antwort auf diese Frage derzeit eher verhalten aus: Ob Delivery Hero, Just Eat Takeaway oder HelloFresh – Investoren reagierten auf das Ende der Pandemie mit einer deutlichen Kurskorrektur, gefolgt von einer Seitwärtsbewegung mit noch unklarem Trend.

Zurückhaltung bliebt uns wohl in den nächsten Monaten erhalten
Mit Blick auf die kommenden Monate dürfte die Zurückhaltung der Anleger weiter anhalten, so Dr. Konrad weiter. Der Grund: Noch sei unklar, wie sich die Nachfrage nach Lieferdiensten in der Post-Corona-Wirtschaft entwickeln werde. Ob der Macht der Gewohnheit hielten Experten einen deutlichen Umsatzeinbruch allerdings für unwahrscheinlich. Hinzu komme: Sowohl sehr junge als auch ältere Kundengruppen, die während Corona erstmals in Kontakt mit dem Online-Handel gekommen seien, verfügten über weiteres Potential. Daher scheine eine vorsichtig optimistische Prognose durchaus realistisch – wenn auch mit deutlich kleineren Wachstumsraten als zuvor.

"Vergleiche zwischen E-Food-Anbietern und dem Siegeszug des Online-Buchhandels in den Nuller- und Zehnerjahren sind dagegen übertrieben", findet Dr. Konrad. "Zur Einordnung: 2021 belief sich der Online-Anteil am deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf nur zwei Prozent. Von einem Umsturz der großen Handelsketten im Sinne der Schumpeterischen Innovationslehre ist man hier also noch weit entfernt, wenngleich der Anteil in anderen Ländern zumeist etwas höher liegt. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass der Online-Bringdienst den stationären Handel künftig ablösen wird – Landgewinne in den urbanen Zentren ausgenommen."

Divergenzen und Konsolidierung
Trotz solcher Landgewinne wird das Geschäftsmodell der Lieferdienste voraussichtlich unsicher bleiben. Der Grund: Der Pandemiebonus, der den Unternehmen in den letzten zwei Jahren günstiges Kapital, Kunden und Mitarbeiter zu gespült hat, ist aufgebraucht. Konrad dazu: "Gleichzeitig befinden sich die meisten Anbieter noch immer tief in der Verlustzone. Selbst das Unternehmen Just Eat Takeaway, das über eine vergleichsweise gute Marktposition verfügt, hat in 2021 ein Minus von etwas mehr als einer Milliarde Euro eingefahren. Ein Verlustgeschäft, das Risikokapitalgeber derzeit noch bereit sind, mit ihren Finanzspritzen zu kompensieren. Doch irgendwann werden Geduld und Geldreserven aufgebraucht sein. Unter dem Druck schwarze Zahlen schreiben zu müssen, wird die Branche dann in eine Phase der Konsolidierung eintreten. Erste Anbieter sind der Selektion bereits zum Opfer gefallen. So hat Just Eat Takeaway Ende 2018 das Deutschlandgeschäft des Dax-Konzerns Delivery Hero übernommen."

Wie viele werden übrig bleiben?
Doch so unübersichtlich und heterogen der Weltmarkt für Lieferdienste auch sein mag: Klar ist, dass am Ende nur die beziehungsweise das Unternehmen mit den tiefsten Taschen überlebt. Sein Gewinn? Konrad: "Nicht weniger als ein natürliches Monopol, dessen Marktschließung aus gleich zwei Netzwerkeffekten bestehen könnte: Einer digitalen Bestell-Plattform und einer Logistik- Infrastruktur. So zumindest die Situation, wenn es zu einer horizontalen und vertikalen Integration aller Geschäftsfelder kommt. Denkbar wäre jedoch auch, dass sich mehrere Teil-Monopolisten herausbilden, die sich auf die verschiedenen Dienstleistungen der Branche –Bestellabwicklung, Lagerhaltung, Liefer-Logistik – spezialisieren. So oder so: Im Zuge der Konsolidierungswelle wird der Wettbewerb deutlich abnehmen, was den Überlebenden neben mehr Marktanteilen auch eine höhere Preissetzungsmacht verleiht. Zusammen mit einer wachstumsgetriebenen Kostendegression dürfte das womöglich für schwarze Zahlen reichen. Vorausgesetzt regulatorische Risiken wie eine Erhöhung der Lohnkosten durch Tarife bleiben aus."

Diversifikation ist Trumpf
Investoren, die künftig von den Monopolrenditen der Marktführer profitieren wollen, sollten im Ausscheidungsrennen der Lieferdienste auf mehrere Pferde setzen, findet Konrad. Zu groß sei die Heterogenität der Branche und zu ungewiss der Ausgang der Konsolidierungswelle, um einzelne Gewinner zu identifizieren. Eine breit diversifizierte Anlagestrategie sei deshalb klar im Vorteil. Auf diese Weise könnten Anleger von den Wachstumsperspektiven profitieren, ohne auf „dem falschen Fuß“ erwischt zu werden. (kb)

 

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