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ESMA will nun die ESG-Ratingagenturen an die Leine nehmen

ESMA fokussiert zwei „Schmerzpunkte“ im Hinblick auf ESG-Ratings. Zum einen fordert sie regulatorische Mindestanforderungen an ESG-Ratings, zum anderen beobachtet sie die Konsolidierung des Marktes für ESG-Ratings, getrieben von Credit Rating Agenturen und Finanzinformationsanbietern, mit Sorge.

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Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW
© LBBW

Die Umsetzung des European Green Deals wird teuer. Bereits vor Corona wurde dafür ein Investitionsvolumen von mindestens einer Billion Euro über die nächsten zehn Jahre (ab 2020) veranschlagt. Neben öffentlichen Geldern soll die zweite Säule aus privaten Investoren bestehen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Finanzindustrie. Mit der „Renewed Sustainable
Finance Strategy“-  kurz RSFS - plant die EU die nachhaltigen Investitionen zu stärken, die Rahmenwerke so auszurichten, dass grün finanziert werden kann und die Minimierung der Klima- und Umweltrisiken über das Finanzsystem einzusteuern und damit zu einer  „Ökologisierung von Finanzierungen“ beizutragen. Darüber informiert die LBBW.

Auuch andere Marktteilnehmer als Banken im Fokus grüner 
Dazu zählen insbesondere die Ratingagenturen. "Sowohl die klassischen Credit Rating Agencies (CRA) als auch die ESG-Ratingagenturen genießen hier eine besondere Aufmerksamkeit". weiß Alexandra Schadow, Senior Investment Analyst bei der LBBW. Die EU soll bis 2050 klimaneutral werden. 

ESMA prescht vor: ESG-Ratingagenturen gehören reguliert
Im Rahmen einer Konsultation zum RSFS vom 8. April 2020 bis zum 15. Juli 2020 fragte die EU-Kommission explizit nach den bislang vollkommen unregulierten ESG-Ratingagenturen. Dabei geht es sowohl um die Marktkonzentration der Ratingagenturen als auch um die Qualität der Analysen. Die Ergebnisse der Konsultation, an der insgesamt 648 Organisationen und Einzelpersonen teilnahmen, wurden am 10. Februar 2021 vorgelegt. Auch die ESMA (European Securities and Markets Authority) hat sich daran beteiligt. Zudem hat sie bereits am 28. Januar 2021 einen offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben mit der klaren Forderung, die ESG-Ratingagenturen zu regulieren.

Offener Brief der ESMA an die EU-Kommission
Im Zentrum der Argumentation der ESMA steht die wachsende Bedeutung des nachhaltigen Finanzwesens. Zur Einschätzung und Beurteilung von nachhaltigen Investments sind zuverlässige Bewertungen mit hoher Qualität auf Basis von belastbaren Informationen erforderlich. Ohne rechtsverbindliche Regeln wird das Risiko von Fehlallokation des Kapitals,
dem Verkauf falscher Produkte und von sogenanntem „Greenwashing“ als hoch eingestuft.

ESG-Ratings streuen hoch
Die ESMA hebt hervor, dass die ESG-Ratings der Agenturen im Vergleich zu Credit Ratings eine sehr hohe Streuung aufweisen. Dies wiederum kann bei deren Verwendung sehr unterschiedliche Konsequenzen haben; beispielsweise bei der Zusammensetzung eines
ESG-Benchmark Index, der auf ESG-Ratings fußt. 

Letztendlich fordert die ESMA folgende Punkte in einer Regulierung für die ESG-Ratings zu berücksichtigen:

1. Allgemeine rechtliche Definition darüber, was ein ESG-Rating ist und was es aussagt.
2. Jede juristische Einheit, die ESG-Ratings veröffentlicht, sollte verpflichtend registriert und einer öffentlichen Aufsicht unterstellt werden.
3. Spezifische Mindestanforderung an die ESG-Ratings sollen formuliert werden mit zuverlässiger Datenbasis und belastbarer Methodologie.
4. Berücksichtigung der aktuellen Wettbewerbssituation mit großen und kleinen Anbietern bei der Aufstellung der regulatorischen Anforderungen, wobei für kleinere Wettbewerber die Regelungen erleichtert werden können.

ESMA fordert regulatorische Maßnahmen
Unterstützung bekommt die ESMA von den Teilnehmern der Konsultation. Eine überwältigende Mehrheit von 74 Prozent ist der Meinung, dass die EU hinsichtlich Nachhaltigkeitsratings und -research Maßnahmen ergreifen soll. Der größte Wunsch ist dabei die Formulierung von Mindeststandards für Transparenz und Qualität. Zudem macht sich die ESMA Sorgen angesichts des hohen Konsolidierungsgrades, den die ESG-Ratingagenturen zwischenzeitlich erreicht haben. Hier befindet sich die ESMA in guter Gesellschaft. Im Rahmen der Konsultation waren von insgesamt 400 Teilnehmern 30 Prozent eher besorgt und 18 Prozent sehr besorgt über das entstehende Oligopol.

Konzentration wie im klassischen Credit-Rating-Geschäft
In der Tat ist die Entwicklung in den letzten Jahren aus unserer Sicht bemerkenswert und zeigt viele Parallelen zur Wettbewerbslandschaft der klassischen Ratingagenturen. Der Markt für ESG-Ratings ist hochdynamisch, und vor allem seit 2018 schlucken die Großen die Kleinen. Es mischen nicht nur klassische Ratingagenturen mit, sondern auch andere  Finanzinformationsanbieter. Dies ist sehr eindrucksvoll zu beobachten.

 Konzentrationsprozess schreitet fort, bekannte Ratingagenturen kaufen sich ein 
- ISS ESG: Die 1985 gegründete US-amerikanische ISS machte 2015 mit der Übernahme
der skandinavischen Ethix SRI Advisor den Schritt nach Europa. 2018 folgte der Kauf der deutschen oekom Research. Ende letzten Jahres übernahm dann die Deutsche Börse 80 Prozent von ISS ESG.

- MSCI ESG: Der große Finanzdienstleister verleibte sich bereits 2010 RiskMetrics und
die ESG Researchhäuser IRRC, KLD Research & Analytics und Innovest Strategic Value Advisors ein. 2014 folgte dann Governance Metrics International (GMI) Ratings. Zuletzt wurde 2019 mit dem Kauf der Carbon Delta das MSCI Climate Risk Center in Zürich etabliert.

- Sustainalytics: Aus den Einzelfirmen DSR (NL), Scoris (DE) und AIS (ES) entstand 2009
Sustainalytics. Im gleichen Jahr kam Jantzi Research dazu. In den Folgejahren akquirierte Sustainalytics weiter: Responsible Research (2012), ESG Analytics (2015), Solaron Sustainability Services (2018) und GES International (2019). Im Juli 2020 wurde Sustainalytics dann von dem amerikanischen Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar
übernommen. Die klassische Ratingagentur DBRS gehört bereits seit 2019 zu Morningstar.

- Vigeo Eiris: Eiris (1983) und Vigeo (2002) fusionierten 2015 nach zahlreichen Akquisitionen
auf beiden Seiten. Im gleichen Jahr wird die deutsche imug Partner von Vigeo Eiris. 2019 folgt die Übernahme von Vigeo Eiris durch die Ratingagentur Moody’s.

- RobecoSAM: 1995 gegründet war RobecoSAM Teil der niederländischen Robeco-Gruppe. 2019 würde RobecoSAM von der Ratingagentur S&P übernommen. Bereits 2016 kaufte S&P Trucost. 

Regeln sind gerechtfertigt
Die ESMA adressiert vor allem zwei „Schmerzpunkte“ im Hinblick auf die Zukunft der ESG-Ratings. Zum einen soll die Steuerung der Finanzströme in nachhaltige Projekte und Vorhaben, welche ein zentrales Anliegen des European Green Deals darstellt, durch ein adäquates ESG-Ratingsystem flankiert werden. Zum anderen beobachtet die ESMA die Oligopolisierung des Marktes für ESG-Ratings mit Sorge. Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW, sagt dazu: "Beide Anliegen sind unseres Erachtens nachvollziehbar. Die Risiken von „Greenwashing“ und eine Fehlallokation des Kapitals müssen aus unserer Sicht unbedingt vermieden werden. Und ein Oligopol, ähnlich wie im Falle der klassischen Credit Rating Agenturen, gilt es im Interesse der Vielfalt und Innovationsfähigkeit eines noch jungen Marktsegmentes zu vermeiden. Allerdings ist die Konsolidierung schon weit fortgeschritten. und die Ratingagenturen und andere große Finanzdienstleister werden dieses lukrative Zukunftsthema nicht kampflos aufgeben. Vielmehr werden sie versuchen, dieses Segment in ihr bestehendes Geschäftsmodell mehr und mehr zu integrieren." (kb)

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