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ESG-Screenings mit totem Winkel: Kann eine Tabakfirma nachhaltig sein?

Ratingagenturen lassen entscheidende Aspekte der ESG-Analyse außer Acht und verfolgen einen Top-Down-Ansatz, der zu widersinnigen Ergebnissen führt, wie etwa Tabakunternehmen, die bei ESG-Faktoren mit einer Bewertung von A hoch punkten, sagt Euan Ker, Sustainable Investment Analyst bei Aegon AM.

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Euan Ker, Nachhaltigkeitsanalyst bei Aegon Asset Management
© Aegon AM

„Rating-Agenturen wenden fehlerhafte Methoden an, die starke ESG-Ratings an grundsätzlich nicht nachhaltige Unternehmen vergeben“, erklärt Euan Ker, Sustainable Investment Analyst bei Aegon Asset Management. „ESG-Ratings von Drittanbietern können nur Inputs sein", sagt er. "Sie sind niemals die ganze Geschichte. ESG-Screens berücksichtigen in der Regel nicht die Nachhaltigkeit der Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens, da sie sich hauptsächlich darauf konzentrieren, wie ein Unternehmen wirtschaftet, und nicht, was es tut.“

MSCI gibt Imperial Brands eine ESG-Bewertung von A
Nach Meinung von Ker können die Ratings versehentlich Unternehmen eine hohe Nachhaltigkeitsbewertung zuschreiben, deren Produkte möglicherweise grundlegend nicht nachhaltig sind. MSCI gibt Imperial Brands (einem Tabakunternehmen) beispielsweise eine ESG-Bewertung von A. "Die Nachhaltigkeit der Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens ist entscheidend für seinen langfristigen strategischen Erfolg. Ein nicht nachhaltiges Produkt wie Kohle bereitet jedem Managementteam großes strategisches Kopfzerbrechen, genauso wie ein nachhaltiges einen großen Schub an Chancen mit sich bringen sollte."

ESG-Screenings von Rating-Anbietern haben einen signifikanten toten Winkel
Dieser tote Winkel werde sichtbar, wenn es um die Abdeckung und die Screening-Tools gehe. Dies führe dazu, dass Investoren nur ein kleines Feld von gleichwertigen Auswahlmöglichkeiten hätten, sagt Ker. "ESG-Screens haben keine wirklich globale Abdeckung. Sie basieren auf Unternehmensangaben, was großkapitalisierte, reife Unternehmen begünstigt und Small-Cap-, Mid-Cap- und Emerging-Market-Unternehmen benachteiligt." Viele Peer-Strategien neigten dazu, ausschließlich in führende Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit zu investieren, das heißt in Firmen, die bereits sehr nachhaltige Produkte und Praktiken hätten. Nachhaltige Marktführer seien jedoch in der Regel gut bekannt und gut erforscht, was bedeute, dass die Aussicht auf die Entdeckung von falsch bewerteten Aktien geringer sei.

Verschiedene ESG-Screening-Tools liefern manchmal sehr unterschiedliche Ergebnisse
Es gibt Tausende von Datenpunkten zur Auswahl, aber welche sind wirklich wesentlich für die langfristige Nachhaltigkeit eines Unternehmens? Nach Erfahrung von Ker gilt 'weniger ist mehr'. Manchmal fällt es schwer zu verstehen, wie die Rating-Agenturen ihre Wirkungskategorien definieren. Stattdessen erklärt Ker, dass sein Team es vorziehe, sich auf die Signifikanz und einen Bottom-up-Ansatz bei der Bewertung von ESG-Kriterien zu konzentrieren.

Bottom-up-Analyse bei ESG ist eindeutig vorzuziehen
"Aufgrund des qualitativen Charakters von Nachhaltigkeit wird es immer Debatten, Grauzonen und Nuancen geben, weshalb das Thema ganz einfach von unten nach oben angegangen werden muss, nicht aus einer thematischen Perspektive. Eine rigorose Bottom-up-Analyse erfasst die Nuancen der tatsächlichen Produktauswirkungen und ESG-Faktoren am besten, um ein Unternehmen zu bewerten. Anders zu sein ist eine Chance. Die Gefahr, einfach ESG-Ratings von der Stange zu verwenden, besteht darin, dass man sich auf eine Vielzahl von ESG-Produkten von der Stange" verlässt. Unser Fokus auf Mid-Cap-Nachhaltigkeits-'Verbesserer' schafft ein differenziertes Portfolio und ermöglicht es uns, Kapital in Unternehmen zu allokieren, von denen wir glauben, dass sie wirklich etwas bewirken", meint Ker. (kb)

 

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