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ESG bietet Alpha in Krisenzeiten

Investoren verwenden diese nicht-finanziellen Kriterien, also ESG-Kriterien - zunehmend als Teil ihres Analyseprozesses, um wesentliche Risiken und Wachstumschancen zu identifizieren. Die Corona-Krise ist der ultimative Lackmustest für Unternehmen und Geschäftsführungen, die ESG-Kriterien anwenden.

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Nina Lagron, Head of Large Cap Equities bei La Française AM
© La Française Asset Management

"Diese von den üblichen finanziellen Kennzahlen unabhängigen Kriterien stehen tatsächlich immer mehr Mittelpunkt der Strategien vieler Unternehmen. Jedes Unternehmen, das einen ganzheitlichen Ansatz zur Wertschöpfung verfolgt, befindet sich bereits auf dem langen Weg der Transformation, der es Schritt für Schritt flexibler macht", sagt Nina Lagron, Head of Large Cap Equities bei La Française AMsset Management. Dadurch sei das jeweilige Unternehmen eher in der Lage, kurzfristige Schocks aufzufangen. Schwarze Schwäne könnten viel besser verkraftet werden, wenn bereits ein flexibles zukunftsorientiertes Denken gegeben ist. Unternehmen, die ESG-Kriterien integrierten, seien zudem agiler und schlanker.

Agil, schlank und zukunftsfit dank ESG
Während des jüngsten Abschwungs am Aktienmarkt schnitten solide ESG-Unternehmen sowohl in Bullen- als auch in Bärenmärkten besser ab als ihre Konkurrenten. "Zugegebenermaßen ist der Zeithorizont kurz, und wir sollten nicht verallgemeinern", gibt Lagron zu bedenken. "Am Jahresende wird es jedoch interessant sein, die Performance im Jahr 2020 zu analysieren."

Auch nach Branchenverzerrungen bleibt noch Performance übrig
Es wäre vorstellbar, dass bei der ausgeprägten Outperformance seit Anfang 2020 vor allem technische Faktoren wie Branchenverzerrungen eine Rolle spielten. Doch selbst wenn man diese Verzerrungen herausrechne, schnitten starke ESG-Unternehmen in den meisten Branchen besser ab, weiß Lagron zu berichten.

Regionale Outperformanceunterschiede
Regional gesehen ist die Outperformance außerhalb Europas – insbesondere in den USA – ausgeprägter. Dort werden unabhängige finanzielle Kriterien noch nicht so lange berücksichtigt und sind daher weniger verbreitet. Unterschiede in den Sozial- und Umweltregularien zwischen Europa und den USA können auch zu deutlicheren Unterschieden zwischen Unternehmen mit überdurchschnittlichen ESG-Standards führen.

Im Bärenmarkt zählt vor allem "S" und "G" - Soziales und Governance
"In Bärenmärkten war es unserer Ansicht nach vor allem die Stärke der Social- und Governance-Kriterien, die zu dieser relativen Stabilität führte: Das gute Personalmanagement, das einen umfassenden Mitarbeiterschutz ermöglichte, sowie einen Reorganisationsprozess, minimierte Disruption. Die Investoren waren daher optimistisch, dass diese Unternehmen schneller wieder öffnen können als ihre Konkurrenten", beobachtet Lagron.

Gleichzeitig führte eine stabile Governance zu einer transparenten Kommunikation mit Investoren und zur Übernahme von Verantwortung gegenüber ihren Stakeholdern. Die Investoren wurden beruhigt und aktiv miteinbezogen. Viele Beobachter waren überrascht, als ESG-starke Unternehmen während der Hausse ihre Vergleichsgruppen übertrafen – vor allem, weil zyklische Aktien sich besser entwickelten als defensive Werte. 

Investoren nutzen Corona-Tiefs für höhere ESG-Investitionen
Am bisherigen Tiefpunkt des aktuellen Marktgeschehens während der Corona-Krise öffnete sich für ESG-Aktien ein Zeitfenster. Lagron dazu: "Investoren nutzten den Rückgang der Aktienkurse, um höhere ESG-Investitionen zu tätigen, die sie möglicherweise verpasst hatten. Dies erklärt zum Teil die anschließende starke Erholung. Es mag utopisch sein, zu glauben, dass die Welt nach der Krise grundlegend grüner sein wird als zuvor. Sollte jedoch ein erheblicher Teil der staatlichen Konjunkturmaßnahmen beispielsweise auf nachhaltige Infrastruktur und E-Mobilität ausgerichtet sein, ist dies möglich. Die Klimakrise ist durch die aktuelle Pandemie nicht verschwunden. Im Gegenteil, sie wird jetzt als eine noch größere Bedrohung für die Menschheit betrachtet." 

Die Expertin von La Francaise glaubt, dass die Outperformance von ESG-Aktien mit fundamentalen Faktoren in Zusammenhang gebracht werden kann: "Unserer Ansicht nach war es nicht nur der momentane Mangel an Transparenz, der die Investoren dazu veranlasste, in die sicheren Häfen der ESG-Titel mit hoher Bewertung zu flüchten, um den Sturm zu überstehen. Wir glauben, dass ESG-Unternehmen in Bären- und Bullenmärkten bessere Investmentmöglichkeiten bieten."

Kleinerer CO2-Fußabdruck bedeutete ebenfalls Outperformance in der Corona-Krise 
Unternehmen mit einem niedrigeren CO2-Fußabdruck im Branchenvergleich verzeichneten ebenfalls eine Outperformance, da die Dringlichkeit des Klimawandels allgegenwärtig bleibt. "Bei dieser Betrachtung beziehen wir den fossilen Energiesektor nicht mit ein, da er angesichts des starken Rückgangs der Ölpreise massiv unter Druck geraten ist. Würde man ihn berücksichtigen, wäre die Diskrepanz zwischen kohlenstoffarmen und herkömmlichen Emittenten noch größer", sagt Lagron.

Zwei Erklärungen für die Outperformance von kohlenstoffarmen Unternehmen 
Erstens:Um einen niedrigeren CO2-Fußabdruck zu erreichen, muss ein Unternehmen grundlegend umstrukturiert werden. Buchstäblich alle internen und externen Prozesse wurden auf den Kopf gestellt und digitalisiert werden. Im Ergebnis herrschen jetzt kürzere Entscheidungswege vor,  und die jeweilige Gesellschaft ist flexibler. Ein kohlenstoffarmes Unternehmen ist typischerweise moderner und kann eine Krise besser überstehen. Für die Unternehmen, die sich auf die langfristige Herausforderung der Klima-Problematik vorbereiten, kann die aktuelle Pandemie als ein Probelauf der ultimativen Katastrophe betrachtet werden.

Zweitens: Viele Investoren erwarten, dass „die Welt danach“ grüner sein wird, da die konjunkturellen Anreize Infrastrukturprogramme ankurbeln, die potentiell eine große Zahl von Arbeitsplätzen schaffen könnten. Da Social Distancing in naher Zukunft die Norm bleiben könnte, ist die stärkere Förderung für individuelle E-Mobilität in allen Formen ein Gewinn für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und den Kampf gegen den Klimawandel.

Wettbewerbsvorteil durch frühzeitige ESG-Implementierung
Dies scheint nicht verwunderlich, betrachtet man die Outperformance der Unternehmen mit einem hohen ESG-Scoring in den letzten Monaten. Dieser Trend kann jedoch nur bestätigt werden, wenn er über einen längeren Zeitraum analysiert wird. Insgesamt waren die betroffenen Unternehmen durch die frühe ESG-Einführung agiler und in der Lage, effizienter mit jeder Art von Ungewissheit umzugehen, wie zum Beispiel mit den Folgen der aktuellen Pandemie.

Konjunkturprogramme sollen ESG weiter nach vorne bringen
Rückblickend erweist sich die ESG-Einführung im derzeitigen schnelllebigen Umfeld als ein klarer Vorteil. Die Aussagen von Politikern, dass in der derzeit langsam einsetzenden Phase des langen Aufschwungs Nachhaltigkeitsaspekte bei der Gewährung von Hilfen und der Umsetzung von Konjunkturprogrammen berücksichtigt werden sollten, wirken nun wie ein Katalysator und können die Performancelücke zwischen ESG-Aktien und „herkömmlichen“ Unternehmen weiter vergrößern. (kb)

 

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