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Edmond de Rothschild AM: Die TikTok-Affäre ist eine tickende Zeitbombe

Ganze Generationen von CEOs sind mit der Globalisierung aufgewachsen, die mit einem teils rücksichtlosen globalen Wettbewerb einhergegangen ist. Aber: Die zugehörigen Regeln wurden bis dato von den Unternehmen eingehalten. Das scheint sich nun zu ändern.

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„Die TikTok-Affäre ist eine tickende Zeitbombe, die den internationalen Wettbewerb bedroht“, sagt Jacques-Aurélien Marcireau (Bild), Co-Head of Equities und Portfoliomanager des EdR Fund Big Data bei Edmond de Rothschild Asset Management.
© EdRAM

In der Vergangenheit gab es bereits hartnäckige Versuche, die Mobilfunkgesellschaften Nokia und Ericsson zu US-Unternehmen zu machen. Jetzt werden die USA in der aktuellen TikTok-Affäre der Welt wieder zeigen, dass in Washington über die internationalen Wettbewerbsbedingungen entschieden wird. Denn klar ist: Ein für die US-amerikanischen Interessen eindeutig ungünstiges Ergebnis wäre nicht akzeptabel. Bereits jetzt hat die Affäre den Grundsatz zerschlagen, dass Wettbewerb auf der Grundlage von Erfolgen geführt wird, die Unternehmen auf ihren jeweiligen Märkten erzielt haben – auch wenn dieser Mythos von China bereits massiv untergraben wurde.

Amerika definiert die Spielregeln zu seinen Gunsten mittels Regelbruch
Bis jetzt hatten die USA in ihrem eigenen Land keine ernst zu nehmende Konkurrenz im Bereich der Internetplattformen. Dann kam TikTok und hat die Karten neu gemischt. Nun steht der Konzern vor dem Dilemma, ob er seine US-Sparte an Microsoft verkaufen soll, oder er ganz aus dem Land verdrängt wird.

Drei Ebenen, die besonders vorteilhaft für Microsoft sind
Auf der politischen Ebene stehen die Aussichten sehr gut, dass einer Übernahme des Nordamerika-Geschäfts von TikTok durch Microsoft zu einem sehr vorteilhaften Preis nichts mehr im Wege steht, meint Jacques-Aurélien Marcireau. "Der Konzern hatte erst kürzlich den Zuschlag erhalten, die Cloud-Dienste der US-Regierung zu modernisieren. Auch blieb Microsoft von der öffentlichkeitswirksamen Kongress-Befragung der Internet-Giganten verschont, die beschuldigt wurden, ihre marktbeherrschenden Stellungen zu missbrauchen. All das zeigt, dass Microsoft ausgezeichnete Beziehungen zu Washington pflegt und im völligen Einklang mit der aktuellen Regierung steht." 

Auf der Ebene des fairen Wettbewerbs stünde eine Erlaubnis zur TikTok-Akquisition durch Microsoft im krassen Widerspruch zu den bisherigen Bemühungen, die GAFA-Unternehmen (Google, Apple, Facebook und Amazon) daran zu hindern, ihre Netzwerke durch Übernahmen zu stärken. Marcireau dazu: "Klar ist, dass Microsoft im Falle einer Übernahme mächtiger denn je würde. Denn sie erlaubt es dem Konzern, ein gemeinsames Netzwerk mit seinen anderen Bereichen wie den Cloud-Diensten und der Xbox aufzubauen."

Auf der internationalen Ebene würde dies bedeuten, dass die USA ihre Rolle als der Hüter der Globalisierungsregeln aufgegeben haben und stattdessen zu Verfahrensweisen übergehen, die in der Vergangenheit eher typisch für Schwellenländer und insbesondere China waren. Dieser Regelbruch würde es von nun an jedem Land auf der Welt erlauben, sich auf gleiche Art und Weise zu verhalten. Die zuvor ruhigen internationalen Beziehungen könnten sich in ein gegenseitiges Kräftemessen verwandeln.

Microsoft auf der gleichen Wellenlänge wie die US-Regierung
Diese Ereignisse zeigten, wie sehr Washington die Internet-Giganten unterstütze, die wiederum die Macht der USA beschützten. Es werfe auch die Frage auf, ob Europa künftig in der Lage sein werde, seine eigenen digitalen Champions zu erschaffen und die Interessen seiner Unternehmen in einer Welt zu verteidigen, in der das Kräfteverhältnis nun unweigerlich zugunsten der Stärksten verschoben sein werde, so Marcireau. (kb)

 

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