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DWS-Analyse: Diese verblüffende Korrelation gewinnt an Stärke

Warum der Ölpreis die langfristigen Inflationserwartungen des Rentenmarktes derzeit besonders stark zu beeinflussen scheint, erläutert Frank Engels, Global Head of Fixed Income bei der DWS, im jüngsten "Chart der Woche".

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Inflation und Ölpreis, Korrelation, Inflation-Linked-Bonds
Die Korrelation zwischen dem Rohölpreis und den Inflationserwartungen des Rentenmarkts ist zurzeit wieder sehr hoch. Zum Vergrößern der Grafik bitte rechts oben auf das Lupen-Icon klicken.
© DWS

Was viele Profianleger bei Korrelationsanalysen sicherlich schon länger aufgefallen ist, wird nun auch von der DWS bestätigt. Die Deutsche Bank-Tochter ging der Frage nach, ob und warum der Ölpreis die langfristigen Inflationserwartungen des Rentenmarktes derzeit besonders stark zu beeinflussen scheint.

"Inflationsprognosen waren schon immer ein heikles Geschäft. Selten jedoch schien die Sache schwieriger als nach einer Jahrhundert-Pandemie, durch die „der Warenkorb von Gütern und Dienstleistungen, die wir kaufen, derart plötzlich bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurde1", schreibt die DWS unter Verweis auf ein Werk von Goodhart, Charles und Manoj Pradhan (siehe unten). Umso bemerkenswerter sei es, dass eine bestimmte Methode zur Vorhersage längerfristiger Inflationserwartungen die Covid-Krise überraschend gut überstanden hat:

Der „Chart der Woche“ der DWS zeigt den Spotpreis für Öl im Vergleich zu den Breakeven-Inflationsraten, abgeleitet von zehnjährigen Bundesanleihen. Die hohe Korrelation zwischen den beiden – und ähnlichen Kennzahlen für US Treasuries – begeistert Marktpraktiker schon seit langem. Dabei gibt es kaum eindeutige Gründe, warum der heutige Ölpreis für die langfristigen Inflationserwartungen an den Anleihemärkten eine so große Rolle spielen sollte. Die Energiepreise spiegeln sich kontinuierlich in Verbraucherpreisindizes (VPI) wider. Tatsächlich waren die stark gestiegenen Öl- und Rohstoffpreise zusammen mit breiteren Unterbrechungen der Lieferkette die Hauptgründe für die jüngsten Inflationsspitzen. Aber die hohen Werte von heute sind die Basiseffekte des nächsten Jahres, erinnert die DWS. Dies scheint besonders relevant für einen Rohstoff, der so anfällig für „Boom-und-Bust-Zyklen“ (Berg- und Talzyklen) wie Öl ist. Man könnte auch erwarten, dass die Dekarbonisierung die Korrelation verringert. Stattdessen hat sie sich seit Beginn der Pandemie verstärkt.

Überraschend hohe Inflationserwartungen
"Drei sich ergänzende Erklärungen fallen einem hierzu ein. Ein genauer Blick auf das Chart oben zeigt, dass der jüngste Anstieg der Breakeven-Inflationsraten sogar den des Ölpreises übertroffen hat. „In der Praxis dauert es manchmal eine Weile, bis die Erwartungen neue Realitäten widerspiegeln“, betont Frank Engels, Global Head of Fixed Income bei der DWS. „Je länger und stärker der Anstieg der Energiepreise, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er die Erwartungen verschiebt.“

Das gilt nicht nur für Anleihemarktteilnehmer, sondern auch für Gewerkschaften, die Lohnforderungen stellen oder Unternehmen, die ihre Preisstrategien überdenken. Solche Zweitrundeneffekte erscheinen nach dem spektakulären Anstieg der Energiepreise in den letzten 18 Monaten zunehmend plausibel. Und schließlich könnte gerade die Tatsache, dass so viel anderes unsicher erscheint, einige Marktpraktiker dazu veranlasst haben, sich noch stärker als üblich auf ein bewährtes Werkzeug zu verlassen – ob dies theoretisch nun sinnvoll ist oder nicht. (aa)

1) Goodhart, Charles und Manoj Pradhan (2020). The Great Demographic Reversal: Ageing Societies, Waning Inequality and an Inflation Revival. Palgrave Macmillan, S. 214. Die beiden Autoren hatten auch schon früh darauf hingewiesen hat, dass es in solchen Zeiten „fast unmöglich (…) ist, sinnvolle und aussagekräftige Daten“ für irgendwelche Inflationsreihen zusammenzustellen. Zu den Auswirkungen dieser Tatsache siehe: https://dws.com/de/insights/cio-view/cio-view-quarterly/q3-2021/sense-and-nonsense-in-pandemic-times/?setLanguage=de

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