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Dr. Martin Hüfner wittert eine Renaissance der Bonds

Der Ökonom war in seinem Portfolio immer ein Anhänger von Bonds. In den letzten dreißig Jahren hat er mit festverzinslichen Wertpapieren Renditen erzielen können, die vergleichbar waren mit Aktien, deren Kurse aber wesentlich geringer schwankten. Das war eine schöne Zeit, kommt sie etwa wieder?

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
"Bonds sind in den letzten Jahren trotz der niedrigen Zinsen eine interessante Anlagealternative geworden, denn die Märkte sind breiter und innovativer geworden. In vielen Fällen schlagen sie in puncto Rendite die Aktienmärkte. Zudem hat das Damoklesschwert steigender Inflationsraten und zunehmender Zinsen an Schrecken verloren," sagt der Chefökonom der Münchner Investment-Boutique Assenagon.
© Assenagon Asset Management

Nichts dauert ewig am Kapitalmarkt und so ist auch der Stern der Bonds gesunken. Die Renditen von Staatsanlei­hen sind stark zurückgegangen, bei Laufzeiten von zehn Jahren waren sie in Deutschland zuletzt zeitweise negativ. Der Investor macht unter Berücksichtigung der Inflation re­ale Verluste, Kursgewinne kommen nur noch hin und wieder vor. Im Gegenteil, es gibt Befürchtungen, dass der Zinszyk­lus nach der über dreißig Jahre dauernden Abwärtsbewe­gung wieder nach oben weisen und es auf Dauer Kursver­luste am Rentenmarkt geben könnte.

Also Hände weg von Bonds?
"Nein," sagt Hüfner, "denn der Markt ist jetzt wieder in eine neue Phase eingetreten. Bonds werden inte­ressanter. Anleger sollten sich die Lage erneut anschauen und nicht an überholten Anlagemustern festhalten."

Vier Gründe für eine Neueinschätzung der Lage
Erstens: Die Angst vor einer größeren Geldentwertung geht zurück. Als die Inflationsrate 2015 von fast 0 Prozent nach oben drehte, waren viele der Meinung, dass die Zeit der Stabilität
vorbei sei. Die Preissteigerung würde mindestens auf zwei Prozent gehen, vielleicht sogar auch darüber. Dies auch deshalb, weil die EZB alle Hebel in Bewegung setzte, um die Reflationierung zu unterstützen. Aber was passierte? Nichts, jedenfalls nichts Schlimmes. Die Geldentwertung ging – trotz zeitweilig steigender Ölprei­se – nur maßvoll nach oben. Sie liegt jetzt im Euroraum bei 1,4 Prozent, deutlich unter dem, was man gemeinhin als Stabilität bezeichnet.

Der Markt ist in eine neue Phase eingetreten
Das ist kein Zufall. Hüfner: "Es gibt viele gute Gründe, die dafür spre­chen: Der erhöhte Wettbewerbsdruck auf den Weltmärkten durch Niedriglohnländer, Produktivitätssteigerungen durch die digitale Revolution, die rasante Verbreitung des Onlinehandels, die geringere Aggressivität der Gewerk­schaften, die Präferenz der Arbeitnehmer für sichere Ar­beitsplätze und mehr Freizeit statt deutlich höherer Löhne und noch mehr. An sich hätte man das alles schon früher sehen und zu pessimistische Inflations- und Zinsszenarien verwerfen müssen. Aber manchmal dauert es länger, bis sich struk­turelle Veränderungen in den Köpfen durchsetzen. Jetzt passiert es."

Zweitens: Bonds sind von der Rendite interessanter ge­worden. Das Anlageuniversum hat sich erweitert. Es be­steht nicht mehr nur noch aus "langweiligen" Staatsanleihen oder Pfandbriefen. Die Zahl der Unternehmensanleihen hat dramatisch zugenommen. Sie alle haben höhere Renditen. Selbst in Deutschland, das sich bei dieser Entwicklung zu­nächst noch schwerer tat, hat sich der Nominalwert der An­leihen von Unternehmen in den letzten fünfzehn Jahren mehr als verdreifacht. "Natürlich gibt es bei Unternehmensanleihen auch höhere Risiken. Aber wenn man Fonds mit Bonds von unterschied­lichen Emittenten kauft, kann man die Risiken begrenzen. Allein der iBoxx Deutschland, den die Bundesbank veröf­fentlicht und der viele verschiedene Bonds enthält, erbrach­te in den letzten zwölf Monaten eine Rendite von ordentli­chen vier Prozent," gibt der Ökonom zu bedenken.

Drittens: Bonds müssen sich nicht mehr hinter Aktien ver­stecken. Aktien gelten normalerweise als profitabler als Bonds. Die folgdene Grafik zeigt aber, dass dies auf lange Sicht gar nicht der Fall ist: Der iBoxx Deutschland ist in den letzten zwanzig Jahren insgesamt genauso stark gestiegen wie der deutsche Aktienindex DAX. In den meisten Jahren war der iBoxx sogar besser. Wer hätte das gedacht? Was auch wichtig ist: Die Schwankungen waren bei den Bonds viel geringer als bei den Aktien. Die großen Krisen 2000/03 oder 2008/09 waren beim iBoxx fast überhaupt nicht zu spüren.

Ungleiche Konkurrenten

DAX und iBoxx, Ende 1998 = 100

Quelle: Bundesbank

Viertens sind Bondmärkte seit einigen Jahren außeror­dentlich innovativ. Es gibt neben den 08/15-Anleihen immer mehr interessante Spezialsegmente. Ein Beispiel ist der gerade boomende Bereich der nachhaltigen Bonds (ESG), bei dem ethische As­pekte zu den Renditeerwägungen hinzukommen. Daneben gibt es Verbindungen zwischen Bonds und Versicherungen, bei denen die Kupons vom Eintreten bestimmter Versiche­-
rungsfälle abhängen. Auch die Koppelung von Bonds mit Aktien wird in den verschiedensten Varianten gespielt. Sie hat den Vorteil, dass die Rentabilität der Bonds durch die Ertragskraft der Dividendenpapiere weiter aufgebessert werden kann. Viele dieser Innovationen sind speziell für institutionelle In­vestoren konstruiert und werden vor allem von ihnen nach­gefragt.

Was bedeutet das für den Investor?
"Schauen Sie sich Bonds mit neuen Augen an", fordert Hüfner und setzt fort: "Sie sind nicht mehr nur noch ein stabiler Bodensatz in einem von Aktien und anderen rentablen Anlagen dominierten Portefeuille. Sie gewinnen gerade angesichts der hohen Schwankungs­anfälligkeit der Märkte, des nachlassenden Wirtschafts­wachstums und der steigenden politischen Risiken beson­dere Bedeutung. Allerdings sind die höheren Renditen der Bonds auch mit größeren Risiken verbunden. Risikosteierung ist also oberstes Gebot." (kb)

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