Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

News Übersicht

| Märkte
twitterlinkedInXING

Dr. Martin Hüfner: "Unterschätzen Sie Dividendenrenditen nicht!"

Das Verhältnis von Bonds zu Aktien hat sich durch die Niedrigzinspolitik umgekehrt. Das bedeutet eine Renaissance der Dividendenrenditen. Sie waren in den letzten zehn Jahren trotz Kurssteigerungen erstaunlich stabil und geben einen kontinuierlichen Einkommensstrom, helfen im Crash aber auch nicht.

hüfner_martin_2015_2.jpg
Dr. Martin W. Hüfner, Chief Economist der Müncher Asset Management-Boutique Assenagon, sagt: »Es gibt nach wie vor Nischen, in denen man auch am Rentenmarkt Geld verdienen kann.«
 
© Assenagon AM

Der Charme der Bonds hatte damals. als das Zinsniveau noch ein anders war, viele Gründe. Hüfner dazu; "Einmal natürlich die hohen Zinsen. 30-jährige Bundesanleihen ren­tierten Anfang der 90er-Jahre über zehn Prozent, das ergab einen kontinuierlichen Einkommensstrom, zum anderen die verlässliche Risikoab­schätzung. Man konnte Bonds in festgelegten Risikostufen erwerben. Wer kein Risiko eingehen wollte, entschied sich für Staatsanleihen etwa der USA oder der Bundesrepublik Deutschland. Wer mehr Risiken wollte, konnte italienische, griechische oder auch argentinische Bonds erwerben. Zu­dem war der Markt liquide. Man konnte sich von den Papie­ren jederzeit trennen. Wenn man Kursgewinne berücksich­tigte, war die Rendite der Bonds nicht schlechter als die der viel gelobten Aktien."

Goldenen Zeiten sind passé
Wer heute Bonds als Langfristanlage kauft, weiß angesichts der Minusrenditen von vornherein, dass er ein Verlustgeschäft macht. Bei Til­gung der Papiere erhält er weniger als er ursprünglich an­gelegt hat. Von einem kontinuierlichen Einkommensstrom durch die Kupons kann schon gar nicht mehr die Rede sein. Eigentlich kann man jedem nur raten: Hände weg von Bonds.

In der Praxis ist es allerdings nicht ganz so schlimm
"Es gibt nach wie vor Nischen, in denen man auch am Rentenmarkt Geld verdienen kann. Aber es sind eben nur Nischen, die zum Teil mit erheblichen Risiken verbunden sind. So kann man statt Staatsanleihen Unternehmenspapiere kaufen. Viele von ihnen werfen auch jetzt noch positive Renditen ab. Allerdings können Unternehmen pleitegehen. Dann ist man sein ganzes Geld los oder zumindest einen Teil. Eine andere Möglichkeit ist, auf Kurssteigerungen durch Zinssenkungen zu spekulieren. Seit Beginn dieses Jahres sind die Zinsen zeitweise um einen Prozentpunkt zurückge­gangen. Das ergab erhebliche Kursgewinne. Denn wenn die Zinsen sinken, steigen die Kurse. Allerdings können sich die Zinsen erhöhen. Dann ist man arm dran", räsoniert Hüfner.

Professionelle Hilfe tut not
Angesichts all dieser Risiken, empfiehlt es sich, am Bond­markt nicht auf eigene Faust zu investieren, sondern sich professionelle Hilfe zu holen. Konkret: Das Geld in Fonds anzulegen. Gute Fonds konnten in diesem Jahr trotz Minus­zinsen beachtliche Renditen erzielen. Hüfner führt aus: "Der iBoxx Deutsch­land, der Rentenmarkt-Index, den die Bundesbank veröf­fentlicht und der neben Staats- auch Unternehmensanleihen enthält, erbrachte seit Jahresbeginn eine Rendite von 4,9 Prozent. Der Bloomberg Barclays Global Aggregate Bonds-Index liegt heute um acht Prozent  über Vorjahr. Viele private Fonds waren noch besser. Das ist alles nicht schlecht. Allerdings kann niemand garantieren, dass das auch im kommenden Jahr wieder so sein wird, schon gar nicht, dass es über­haupt wieder positive Renditen geben wird."

Wenn von Bonds der Lack ab ist, was dann?
Am nahelie­gendsten sind natürlich Aktien. Auch sie bringen gute Erträ­ge, vor allem, wenn man sie langfristig hält. Wer einen Anla­gehorizont von über 15 Jahre hat, konnte beim DAX in der Nachkriegszeit eigentlich keine Verluste machen. Trotzdem scheuen traditionelle Bondanleger Dividendenpapiere wie der Teufel das Weihwasser. Sie verweisen immer wieder auf die Kursrisiken, in unsicheren Zeiten wie heute auch auf die Gefahr eines Crashs.

Bleiben Zwischenformen zwischen Bonds und Aktien
Eine ist, sich bei Aktien auf die Dividendenrendite zu fokussieren. Dividendenrenditen wurden in der Vergangenheit oft ver­nachlässigt, weil sie niedriger als die Bondrenditen waren. Die Grafik zeigt, dass das seit der großen Finanzkrise nicht mehr der Fall ist. Das Verhältnis Bonds zu Aktien hat sich auf den Kopf gestellt. Seitdem werfen die im DAX enthalte­nen Aktien kontinuierlich stabile Renditen von drei bis vier Prozent ab. Ein ordentliches Ergebnis in Zeiten von Minuszinsen. Bondrenditen sind davon meilenweit entfernt. Sie waren zuletzt negativ. Dividendenrenditen schützen zwar nicht vor Kursrisiken, geben aber mehr Sicherheit als Plain Vanilla-Aktien.

Interessant ist, dass die Dividendenrenditen in den letzten Jahren trotz der Kurssteigerungen weitgehend gleich ge­blieben sind (siehe Grafik). Das zeigt, dass die Unternehmen ihre Ausschüttungen mit steigenden Kursen angehoben haben. Interessant auch, dass nach amerikanischen Statistiken die Dividendenrendi­ten im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon einmal weit über den Bondrenditen lagen. Damals verlangten die Investoren höhere Erträge als Kompensation für die höheren Risiken der Aktien.

Aktien schlagen Bonds

Quelle: Bloomberg

Mischfonds als Ausweg
"Früher war ihr Charme, dass Bonds die Sicherheit garantierten (und ein klein wenig Rendite durch die Kupons), Aktien dagegen den Ertrag durch die Kursgewinne. Jetzt haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Heute kommen die Kursgewinne von den Bonds, der Bo­densatz der Rendite dagegen von den Aktien. Attraktiv sind gemischte Fonds aber nach wie vor", analysiert Hüfner.

Was bedeutet das für den Investor?
Der Rat des Ökonomen lautet: "Auch wenn es schwerfallen sollte: Switchen Sie von Bonds zu Aktien, vor allem zu solchen mit hohen Dividendenrendi­ten. Da können Sie auch in Zeiten von Minuszinsen noch Geld verdienen. Wenn es allerdings richtig kracht, dann nutzen Ihnen auch die höheren Renditen nichts. Wenn die Bondrenditen wieder einmal steigen sollten, dann können sie immer noch zu Festverzinslichen zurückkehren." (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren