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Dr. Karin Kneissl am INSURANCE DAY 2018: "Rechnen Sie mit vis major!"

Am „INSURANCE DAY 2018“ von „Institutional Money“ und dem "VVO" hielt Österreichs Außenministerin Dr. Karin Kneissl eine Key-Note-Speech, in der sie unter anderem über das Thema „Vertrauen“ sprach und dabei einen Bogen von der Geopolitik bis zur individuellen Investmententscheidung spannte.

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Dr. Karin Kneissl am Insurance Day 2018 von Institutional Money: "Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich".
© Marlene Fröhlich für Institutional Money

Österreichs Bundesministerin für Europa, Integration und Äußeres, Dr. Karin Kneissl, hielt am 11. September 2018 in Wien am „INSURANCE DAY 2018“ von „Institutional Money“ und dem „Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO)“ einen vielbeachteten Vortrag über die derzeitige geopolitische Lage und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Finanzbranche respektive die individuellen Anlageentscheidungen institutioneller Investoren.

Vis major
Bezugnehmend auf das Vortragsdatum „9/11“ meinte Kneissl, dass aus geopolitischer Sicht an diesem Tage eine Zeitenwende begonnen habe. Für die Finanzbranche wäre dies aber wohl der 15. September 2008, als Lehman Brothers zahlungsunfähig wurde. Die Juristin erinnerte daran, dass solche einschneidenden Ereignisse nicht oder nur äußerst schwer vorhersehbar seien und damit Politik und die Finanzbranche Gemeinsamkeiten aufwiesen. Diese Geschehnisse seien am besten mit dem außerhalb des Planbaren befindlichen „Schwarzen Schwan“ von Nassim Taleb vergleichbar. Marktakteure müssten immer mit dem Eintreten von „Force majeure“ oder "vis major" (höhere Gewalt) rechnen. Sie erinnerte daran, dass viele Probleme in Politik oder Finanzwesen nicht „plötzlich vom Himmel fielen“, sondern sich bereits im Vorfeld ankündigten. Man müsse sich allerdings die Zeit nehmen, genauer hinzusehen.

Denken in Szenarien angemahnt
Politiker und Investoren dürften aus diesem Grund nicht nur die bisherige, jüngere Geschichte linear fortschreiben, sondern müssten in Szenarien denken, das Unerwartete und damit auch abrupte Systembrüche erwarten. Die Geschichte lehre, dass alle Generationen immer wieder mit rapiden, unerwarteten Entwicklungen konfrontiert wurden. Zum besseren Verstehen und Antizipieren des „Unerwarteten“ helfe Investoren humanistische Bildung, Literatur und Historie, betonte Kneissl.

Blick zurück sorgt für mehr Übersicht
Im Schnelldurchlauf ließ Kneissl die letzten Jahrhunderte und deren Schlüsselereignisse Revue passieren. So ging das 19. Jahrhundert von 1815 (Wiener Kongress) bis zum Jahr 1918 (Weltkriegsende, Zerfall imperialer Strukturen wie der k.u.k Monarchie in Österreich). Das 20. Jahrhundert war im Vergleich dazu ein relativ kurzer, von Kriegen überschatteter Zeitraum zwischen 1918 und 1989 (Niedergang der kommunistischen Diktatur, Mauerfall). Das 21. Jahrhundert begann ihrer Ansicht nach schon 1990 mit der steigenden Bedeutung der Digitalisierung.

Die Außenministerin erinnerte daran, dass Globalisierung keine Einbahnstraße und nicht selbstverständlich sei: 1914 profitierten Bürger in der alten Monarchie von der Stabilität eines Goldstandards, von einem großen, von Freihandel geprägten Wirtschaftsraum in Zentraleuropa und echauffierten sich über preisdrückende, viel zu günstige Getreide-Exporte aus den USA. „Kapitalismus funktionierte bereits früher“, erklärte Kneissl.

Wie man früher und heute nach Bagdad kommt...
Wie Kneissl in Anspielung auf die heutige instabile politische Lage anmerkte, war es damals im Gegensatz zu unserer „modernen“ Zeit ohne Probleme möglich, in Berlin in einen Zug zu steigen und diesen erst in Bagdad wieder zu verlassen. „Versuchen Sie das einmal heute“, merkte Kneissl an.

Systeme können kollabieren
Nach dem „überraschenden“ Weltkrieg war die Monarchie Geschichte, es folgte eine Ära von Armut, Hunger und Hyperinflation sowie der Trend zu  mehr Protektionismus, um die eigenen, nationalen Interessen zu schützen. Investoren sollten daraus lernen, dass sich eine als fix betrachtete Ordnung über Nacht ändern und ein Paradigmenwechsel eintreten könne.

Pacta sunt servanda gilt heute leider nicht mehr uneingeschränkt
Vor dem Hintergrund eines offenbar ausbrechenden Handelskriegs und dem Aufkündigen des Uran-Abkommens mit dem Iran seitens der USA meinte Kneissl, dass es sehr bedauerlich sei, dass internationale Vereinbarungen und Verträge immer öfter vorzeitig aufgekündigt und damit die Unterschriften von Politikern immer weniger gelten würden. „Pacta sunt servanda“ erinnerte die Juristin an den wohl wichtigsten Satz des römischen Rechts, von dem Rechtssicherheit und darauf aufbauend der Wohlstand aller Bürger abhängen.

Vertrauen als Nukleus internationaler Kooperation
Dabei wäre es gerade vor den großen Herausforderungen der Zukunft ratsam, auch auf internationaler Ebene vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Dafür benötige es jedoch Vertrauen, das zwar innerhalb kürzester Zeit verloren gehen kann, aber nur über lange Zeit wieder aufgebaut werden könne. „Vertrauen muss man sich erarbeiten!“, betonte die Diplomatin mehrfach und gab damit eine der „roten Linien“ des diesjährigen Insurance Day vor, da die nachfolgenden Vortragenden, die Kneissls Ausführungen aufmerksam zuhörten, immer wieder darauf referenzierten.

Wie die folgenden Vorträge/Diskussionen des „INSURANCE DAYs“ zur Private Debt oder Infrastruktur zeigten, würden institutionelle Investoren aus Verantwortungsgründen keine größeren Investments tätigen, falls ihre Engagements nicht auf juristisch stabilen Grundlagen basierten und irgendwann sogar Gefahr laufen würden, von populistischen Politikern im Nachhinein benachteiligt zu werden. (aa/kb)

 

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