Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

DPAM-Rentenchef: "Die Finanzmärkte suchen nach ungesunden Grenzen"

Wie sich die Renditen beziehungsweise Zinsstrukturkurven entwickeln könnten und warum Investoren bei der Zinskurve auf das Jahr 2026 blicken sollten, erklärt Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM.

Peter De Coensel, Investment-Chef von Degroof Petercam Asset Management (DPAM)
Peter De Coensel, Degroof Petercam Asset Management (DPAM)
© DPAM

Die Anleihenmärkte befinden sich weiterhin im „Angst-Modus“. Offenbar stand der Auslöser im Zusammenhang mit der wenig erfolgreichen Auktion siebenjähriger US-Treasuries am 25. Februar. Die US-Renditekurve hat sich weiter abgeflacht. Ein Großteil des Ausverkaufs fand im Bereich der fünf- bis siebenjährigen Laufzeiten statt, rekapituliert Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM in einer aktuellen Marktanalyse.

Blick auf 2026
Der DPAM-Rentenchef wagt darüber hinaus einen Ausblick über den Zeitpunkt hinaus, an dem die FED beginnen wird, die Zinsen anzuheben und ihr QE-Kaufprogramm zu justieren. Dieser Zeitpunkt sei nicht Mitte 2023, wenn die Märkte eine erste FED-Anhebung in Richtung 0,25 Prozent bis 0,50 Prozent fordern. Und auch nicht Ende 2021 oder Anfang 2022, wenn die meisten Sell-Side-Strategen davon ausgehen, dass die FED die monatlichen Vermögenskäufe von derzeit 120 Milliarden US-Dollar pro Monat reduziert. Der DPAM-Experte hat sich angeschaut, wie der Anleihenmarkt die US-Renditekurve im März 2026 einpreist.

Dazu hat er die nominale US-Treasury-Renditekurve sowie die Fünf-Jahres-Forward-Sätze unter Berücksichtigung der Laufzeitrisiko- und Inflationsrisikoprämie analysiert. Demnach preist der Anleihenmarkt einen Straffungszyklus der FED von sieben bis acht Leitzinserhöhungen ein.

Annahmen, dass die FED mit der Nullzins-Politik „verheiratet“ ist, seien laut dem DPAM-Rentenchef ein Trugschluss: "Man kann davon ausgehen, dass die FED in dem Moment, in dem sie irgendwo zwischen 2023 und 2024 mit Zinserhöhungen beginnt, diese um etwa 1,00 Prozent pro Jahr anheben wird. Nehmen wir an, dass sie die Leitzinsen auf 1,75 bis 2,00 Prozent erhöht, würde dies die FED etwa 50 Basispunkte unter ihre aktuelle langfristige Zinsprognose von 2,50 Prozent bringen. Die Pandemie hat jedoch sowohl die Beschäftigungsformel als auch die Globalisierungsformel verändert. Beide könnten letztlich den Leitzins drücken."

Lange Laufzeiten interessant
Weiterhin interessant sei dass die 10- und 30-jährigen US-Renditen auf einem ähnlichen Niveau liegen. Mit einer zehnjährigen Rendite von 2,42 Prozent und einer 30-jährigen Rendite von 2,48 Prozent ist die Differenz zwischen dem 10- und 30-jährigen Satz auf sechs Basispunkte geschrumpft.

"Am 25.2. lag der Höhepunkt der sich verschärfenden Spannung zwischen den 10- und 30-jährigen Renditen bei einem Niveau von 87 Basispunkten. In den letzten 44 Jahren waren drei sehr kurze Phasen zu beobachten, in denen dieser wichtige Indikator über 100 Basispunkte stieg. Wäre dies der Fall, könnte eine Investition in 30-jährige US-Treasuries oder 30-jährige hochwertige Unternehmensanleihen heute sehr lohnend sein", merkt De Coensel an.

Europa: Status Quo sollte erhalten bleiben
Untersucht man die aktuelle und 5-Jahres-Forward-Renditekurve deutscher Bundesanleihen wird deutlich, dass der Markt einen sehr langsamen und späten Zinserhöhungszyklus der EZB erwartet. Bei Zinserhöhungsschritten von zehn Basispunkten könnten wir bis 2026 zwei Zinserhöhungen sehen. Effektiv könnte dies heißen, dass es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen kompletten „Status quo“ der EZB-Politik in den nächsten fünf Jahren gibt.

Zudem flacht sich die Renditekurve deutlich ab. Allerdings sind die Ausschläge im deutschen Abflachungsprozess geringer als in den USA. Dies deutet auf die Einzigartigkeit bzw. den starken Status hin, den die deutsche Renditekurve für Staatsanleihen genießt. Es handelt sich um den „Flucht-in-Sicherheit“-Anleihenmarkt par excellence. Investoren sehen Bundesanleihen als „Versicherungsinstrument“. Deshalb ist es Teil des Versicherungspakets, negative Renditen in Kauf zu nehmen.

Vergleich mit Japan
Desweiteren sieht De Coensel starke Parallelen zwischen den Niveaus der 10- und 30-jährigen deutschen Renditen und der Situation in Japan. Wenn man bedenkt, dass die japanischen Leitzinsen bei -0,10 Prozent eingefroren sind, passen zehnjährige japanische Staatsanleihen mit 0,15  bzw. +0,75 Prozent bei dreißigjährigen Papieren gut zu den EZB-Leitzinsen um -0,30 Prozent und den oben genannten 0,22 Prozent und 0,38 Prozent bei 10- bzw. 30-jährigen Bundesanleihen im Jahr 2026.

„Heute sollten wir mehr denn je die Relevanz und Bedeutung des kurzfristigen Erfolgs an den Finanzmärkten in Form der Vorhersage von Marktentwicklungen auf Sechs- bzw. Zwölf-Monatssicht bzw. der Erzielung kurzfristiger Gewinne hinterfragen“, meint De Coensel.

Die Finanzmärkte suchen diesbezüglich nach ungesunden Grenzen, warnt  der DPAM-Rentenchef. Die Große Finanzkrise von 2008/2009 wurzelte in den Exzessen bei strukturierten Anleihenlösungen mit Bezug auf Hypotheken und Krediten. "Wird die nächste Finanzkrise ihre Wurzeln in den Exzessen haben, die durch strukturierte Aktienlösungen repräsentiert werden, wie die neuartigen ‚Special Purpose Acquisition Companies‘ (SPACs) oder Nischen-ETFs – sei es mit oder ohne Leverage? Die Zukunft wird für Anleiheninvestoren herausfordernd sein, aber nicht in dem Maße, dass Flucht aus der Anlageklasse mehr Trost bieten würde. Ganz im Gegenteil", erklärt De Coensel abschließend. (aa)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren