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Deutsche Bank untersucht Devisengeschäfte ihres Ex-Starverkäufers

Viele Jahre lang war Amedeo Ferri-Ricchi ein wichtiger Ertragsbringer in der riesigen Devisenhandelsabteilung der Deutschen Bank und erwirtschaftete einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr.

Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing
Deutsche Bank CEO Christian Sewing 
© Deutsche Bank

Sein Erfolg beim Verkauf komplizierter Hedging-Derivate an Unternehmen in Spanien war unter den Londoner Händlern legendär. Kollegen blickten neidisch auf seine Gewinne. Andere Banken versuchten, ihn abzuwerben, so etwa Goldman Sachs im Jahr 2017.

Ein Teil dieses Geschäfts ist im Visier einer internen Untersuchung
Ermittelt wird, ob Produkte missbräuchlich an Kunden verkauft wurden, wie Informanten berichten. Die Untersuchung, die nach dem Ausscheiden von Ferri-Ricchi aus der Bank eingeleitet wurde, ist unter dem Namen “Project Teal” bekannt und spielte eine Rolle beim Ausscheiden mehrerer Mitarbeiter und leitender Angestellter.

Wurden spanische Firmen über den Tisch gezogen?
Komplexe Devisengeschäfte, die spanischen Unternehmen zum Verhängnis wurden, haben zu Klagen und aufsichtsrechtlichen Beschwerden gegen mehrere Großbanken geführt. Die interne Untersuchung der Deutschen Bank befasst sich mit Dutzenden Transaktionen und hat bereits zu einigen Vergleichen geführt. All dies erschwert die Bemühungen von Vorstandschef Christian Sewing, das Kreditinstitut nach jahrelangen Krisen, die seinen Ruf geschädigt und Milliarden US-Dollar gekostet haben, wieder auf Vordermann zu bringen.

500 Millionen eingeklagt
Die potenziell hohen Summen, um die es dabei geht, wurden diesen Monat deutlich, als eine 500-Millionen-Euro-Klage der spanischen Hotelkette Palladium Group vor dem High Court in London bekannt wurde. In der Klage wird behauptet, dass das auf Ibiza ansässige Unternehmen Hunderte von “hochkomplexen” Geschäften mit der Frankfurter Bank abgeschlossen habe, bei denen es für Palladium “unmöglich” gewesen sei, den Preis zu bestimmen, den Wert zu schätzen oder die Risiken zu verstehen.

Die Klage “entbehrt jeder Grundlage und wir werden uns energisch dagegen verteidigen”, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank letzte Woche per E-Mail gegenüber Bloomberg. Der Bank seien derzeit keine weiteren Klagen der betroffenen Unternehmen bekannt, und sie rechne auch nicht damit, dass mögliche künftige Forderungen in dieser Angelegenheit ebenso groß sein werden, so der Sprecher.

Ferri-Ricchis ehemalige Abteilung wohl im Zentrum von Untersuchungen
Ferri-Ricchi wird von Palladium nicht als Beklagter geführt, wird in der Klagschrift aber als Hauptkontakt der Deutschen Bank mit dem spanischen Unternehmen bezeichnet. Er kam 2005 zur Deutschen Bank und war bekannt für sein Fachwissen über Swaps und Derivate, die im Mittelpunkt seiner Doktorarbeit an der spanischen Universidad Complutense de Madrid standen. Über seine Anwälte bestreitet er die Vorwürfe in der Palladium-Klage oder dass er jemals an einem missbräuchlichen Verkauf beteiligt gewesen sei. Auch in eine interne Untersuchung der Deutschen Bank sei er nicht verwickelt. Gut Informierte wollen wissen, dass die Geschäftseinheit, die einst von Ferri-Ricchi geleitet wurde - er verließ die Bank Mitte 2019 und arbeitet nun bei JB Drax Honore -, ein wichtiger Bestandteil der laufenden Untersuchung sei. 

Ibiza-Besuch
In der Klage wird behauptet, dass die Beziehung zwischen Palladium und der Deutschen Bank begann, nachdem Ferri-Ricchi im Oktober 2012 nach Ibiza gereist war, um sich mit der Familie Matutes, den Eigentümern der Hotelgesellschaft, zu treffen. Dort habe er eine Strategie vorgestellt, die als “DB Haven Liability Cheapener” bezeichnet wurde.

Milliardenschweres Notional
Im Januar 2013 stieg Palladium in die Strategie ein. Hunderte Transaktionen folgten zwischen 2014 und 2019. Palladium behauptet, dass die Deutsche Bank, als eine Reihe von ihnen floppte, für eine Umstrukturierung warb, die zu zusätzlichen Gebühren und letztlich zu weiteren Verlusten führte. Das spanische Unternehmen behauptet, dass ihm von der Deutschen Bank so viele Produkte verkauft worden seien, dass sie in der Spitze im Oktober 2017 einen Nominalwert von 5,6 Milliarden Euro hatten, was die Bilanz des Unternehmens in den Schatten stellte.

Insgesamt gab es mehr als 250 Transaktionen
Die letzte war ein Doppelwährungsgeschäft am 11. Oktober 2019, heißt es in der Klage, in der behauptet wird, dass alle wesentlichen Deals über Ferri-Ricchi selbst abgewickelt worden seien, oder über Deutschen Bank-Mitarbeiter, die auf seine Anweisung hin oder aufgrund seiner Beziehung zu Palladium handelten.

Widrigkeiten für Sewing
Die interne Untersuchung der Deutschen Bank geht auf Ende 2019 zurück. Für Sewing, der sich gerade auf die Mammutaufgabe des Unternehmensumbaus konzentrierte, entstanden neue Widrigkeiten, als spanische Kunden anfingen, sich über Verluste bei Derivaten zu beschweren, die sie von der Deutschen Bank gekauft hatten. Ernesto Mercadante, ein frisch eingestellter Mitarbeiter von Goldman Sachs im Bereich Devisenhandel, hatte ebenfalls Bedenken wegen der Geschäfte bei seinen Vorgesetzten angemeldet, die sie schließlich bis hinauf zum CEO trugen. “Es gibt eine laufende Untersuchung”, sagte die Deutsche Bank in einer Erklärung. Die Bank will sich nicht weiter äußern, bis “alle Elemente” der Überprüfung abgeschlossen seien.

Komplexe Produkte verkauft
Die Bedenken konzentrieren sich auf Devisenkontrakte wie so genannte Targeted Accrual Redemption Forwards, die an zahlreiche Unternehmen verkauft worden waren. Diese komplexen Produkte bieten Schutz gegen Währungsrisiken, können aber leicht selbst zu massiven Verlusten führen. Ein Großteil der Untersuchung konzentriert sich auf Kunden in Südeuropa, insbesondere in Spanien, wobei eine Reihe von Unternehmen behauptet, sie seien finanziell geschädigt worden.

Positionsschluss bringt unangehme Wahrheiten auf den Tisch
Als Mercadante im Jahr 2019 die Bücher der Devisenabteilung überprüfte, alarmierte er nicht nur seine Manager. Zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge machte er sich auch daran, die Positionen einiger Kontrakte zu schließen, anstatt sie weiter zu verlängern. Dadurch kristallisierten sich die Verluste für die Kunden heraus, die sich angesammelt hatten und die sie nun decken mussten. 

Waren Kunden überfordert?
Projekt Teal konzentriert sich auf die Frage, ob die Kunden die Produkte vollständig verstanden haben oder ob sie in irgendeiner Weise getäuscht wurden. In Anbetracht des Risikos sollte der Verkauf dieser Produkte anspruchsvollen Kunden vorbehalten sein, und die Untersuchung der Deutschen Bank befasst sich mit der Frage, wie die Kunden kategorisiert wurden, um den Verkauf zu ermöglichen. 

In ihrer Reaktion zur Klage von Palladium ist die Deutsche Bank jedenfalls eindeutig: Das Unternehmen sei “ein versierter Investor mit umfangreicher Erfahrung im Umgang mit Derivaten”, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank letzte Woche. Das Unternehmen nutze Derivate seit mehreren Jahren “ohne Beanstandung”. (kb)

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