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Der Bär trottet von dannen. Zurecht?

Risk-on läuft dank der Ausweitung der Liquidität und den damit verbundenen positiven Effekten für den Finanzmärkte. Die Aktienmärkte steigen seither, Investoren werden an die Märkte zurückgezwungen, meint Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Aber Achtung: Eine Rezession könnte 2020 noch kommen.

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Charttechniker Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest
© wellenreiter-invest.de

Der eine oder andere, bisher hartnäckig gebliebene Bär lässt den Kopf hängen, senkt die Pfoten und trottet von dannen. Die bisher pessimistische Stimmung der Anleger wird auch dieses Mal prozyklisch mit dem Markt mitlaufen und steigen, so Rethfeld. Die Zinsspanne 10 Jahre minus 3 Monate eroberte am 11. Oktober 2019 die Null-Linie zurück und notiert mit +0,21 Punkten komfortabel darüber. Das Tief von -0,52 stammt vom 28. August. Erstmals invertierte diese Zinsspanne am 22. März 2019.

Zinsspanne war in der Vergangenheit ein zuverlässiger US-Rezessionsindikator
Ihre Eigenschaft als Signalgeber wurde von einigen Analysten immer wieder kritisch gesehen und wird auch jetzt bezweifelt. Kein Indikator ist zu einhundert Prozent zuverlässig, und auch diese Zinsspanne wird irgendwann Fehlsignale liefern. Die Gemeinheit dieses Indikators ist aber, dass er dann so zuschlägt, wenn die Börsenwelt gerade durchatmet und meint, das Schlimmste sei überstanden. Die US-Rezession setzt durchschnittlich zehn Monate nach dem ersten Inversionssignal ein. Dieser Wert weist über die letzten fünfzig Jahre eine Schwankungsbreite zwischen 5 und 16 Monaten auf, wie die folgende Tabelle zeigt.

Zinsstruktur 10 Jahre minus 3 Monate

Quelle: Wellenreiter-Invest

Das Rechenexempel, das den Zusammenhang zwischen erster Inversion (Zinsdifferenz 10 Jahre minus 3 Monate in den USA), Hochpunkt des S&P 500 und dem Rezessionsbeginn beschreibt, besteht aus einer Konstanten, nämlich dem Datum der ersten Inversion vom 22. März 2019, und eben zwei Variablen, dem Hoch des S&P 500 sowie dem Beginn der Rezession. Rethfeld dazu: "Man kann mit diesen Zahlen etwas jonglieren. Als Hochpunkt des S&P 500 galt bisher der Juli. Dieser liegt nun mindestens im November, und falls der US-Leitindex weiter steigt, auch später. Der Zeitraum zwischen Inversionsbeginn und dem Hochpunkt des S&P 500 (frühester Zeitpunkt November 2019) beträgt bereits sieben Monate."

Wann die Rezession spätestens beginnen könnte
Rethfeld steckt auf den den „längstüblichen“ Zeitraum ab, um einen handfesten Wert für einen möglichen US-Rezessionsbeginn zu erhalten. Den längsten Zeitraum (16 Monate) zwischen erster Inversion und Rezessionsbeginn hat bisher die Finanzkrise mit sich gebracht. Würden die 16 Monate auch dieses Mal ausgereizt, so wäre mit einem Rezessionsbeginn im Juli 2020 zu rechnen. Auch das Hoch des S&P könnte nach hinten rutschen, ohne dass das Modell aus den Fugen gerät. Die folgende Tabelle zeigt die beschriebene Version mit Rezessionsbeginn im Juli und einem S&P 500-Hoch im April 2020. 

Quelle: Wellenreiter-Invest

In den vergangenen 50 Jahren erfolgte das Hoch des S&P 500 durchschnittlich vier Monate nach der ersten Inversion, die Rezession begann durchschnittlich zehn Monate später.

Fazit
Das Zeitfenster für eine US-Rezession bleibt bis zum Sommer 2020 offen, analysiert Rethfeld. "Selbst wenn der S&P 500 erst im April 2020 ein Hoch markieren und eine US-Rezession erst im Juli 2020 beginnen würde, wäre dies statistisch plausibel. Die Durchschnittswerte würden zwar übertroffen, die maximalen Grenzen aber eingehalten werden." 

Diese Betrachtung ist eine statistische. Globale Wirtschaftszahlen deuten eine Erholung an, die Zentralbanken liefern Liquidität. Die bessere Hälfte des Jahres läuft, die Stimmung sollte steigen. Rezessionen sind „Peak“ zu „Trough“-Angelegenheiten, werden also vom wirtschaftlichen Hochpunkt zum Tiefpunkt gemessen. "Es wäre verwunderlich gewesen, wenn die US-Rezession in einer vom Pessimismus getragenen Phase begonnen hätte", so Rethfeld. "Wenn die Notenbanken beginnen, über Zinserhöhungen nachdenken - das sollte noch einige Monate dauern - und die Anlegerstimmung deutlich besser ist, dann könnte die US-Rezession ihren Weg aufnehmen." Für die dann wenigen Bären wäre dies ein gefundenes Fressen. (kb)

 

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