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Das war die diesjährige BAI Alternative Investor Conference (AIC) inkl. Fotogalerie

Bei der diesjährigen BAI Alternative Investor Conference (AIC) am 12. und 13. Mai in Frankfurt trafen sich rund 370 Experten, darunter kapitalanlageverantwortliche institutionelle Investoren, Produktanbieter und Dienstleister, um über neueste Erkenntnisse und Trends in der Alternative Investments Industrie zu diskutieren.  INSTITUTIONAL MONEY war vorort und durch Ingrid Punz vertreten. Bei dieser Gelegenheit wurden die Highlights dieser Veranstaltung festgehalten. Die besten Fotos finden Sie hier.
 
Themen wie Insurance Linked Securities, Ausgestaltungsmöglichkeiten von Infrastrukturinvestments und kapitaleffiziente Investments in erneuerbare Energien, globale Megatrends und deren Auswirkungen auf das Private Equity-Umfeld, neue Risikomanagementansätze für Alternative Investments sowie AIFMD und Solvency II standen auf der Agenda. Dabei zeigte sich, dass Alternative Investments im aktuellen Niedrigzinsumfeld als Chance auf höhere Renditen begriffen werden. Auch deren positive Eigenschaften im Hinblick auf Risikominderung werden bei deutschen Investoren zum Thema.
 
Investitionen in erneuerbare Energien und Infrastruktur zur Renditesteigerung?
 
Dr. Gerd Weidenfeld, Leiter Corporate Finance bei der Gothaer Asset Management AG, schildert edie Erfahrungen seines Hauses mit Infrastrukturinvestments und zog eine positive Bilanz. Weidenfeld meinte, man wolle aufgrund der guten Erfahrungen bis 2017 bis  zu einer Milliarde Euro investieren, dann komme ohnehin ein neues EEG und damit ein neuer Mechanismus. Wie dieser genau aussiehe, wisse man noch nicht, aber sicher sei, dass dann damit Hand in Hand auch Renditen kämen. Zum Thema des Ausbalancierens des Portfolios meinte Weidenfeld, dass man nun nach dem Überwinden der Kinderkrankheiten die ersten vorsichtigen Schritte in Richtung offshore-Parks mache. Er konstatierte, dass erneuerbare Energien und Infrastruktur sehr spezielle Assetklassen seien und nur wenig mit den bekannten Versicherungsportfolios zu tun hätten. Diese Assets folgten einer eigenen Gesetzmäßigkeit.
 
Weidenfeld meinte, dass diese Art von Investments grundsätzlich gut zu seinem Haus passten. Allerdings seien aktuell die Rahmenbedingungen noch nicht optimal, insbesondere durch die hohe Eigenkapitalunterlegung unter Solvency II. Auch sei der erneuerbare Energiemarkt ein sehr fragmentierter mit vielen Playern.
 
Bei der Assetklasse Infrastruktur sei es genau entgegengesetzt: Hier wären die Tickets sehr groß und hart umkämpft, außerdem handle es sich um große Player, und in Deutschland gebe es kaum Angebot. Laut Weidenfeld sei Sourcing das zentrale Thema. Skalierbare Plattformen seien unerlässlich, um nicht in der Komplexität zu ersticken. Weidenfelds Resümee: „Beide Assetklassen sind nicht risikolos, und auch Konsolidierung ist ein Thema,, das bedeutet einen extrem hohen Aufwand. Diese speziellen Themen haben dazu geführt, dass viele Versicherer über Infrastruktur reden, aber bis dato nicht viel gemacht haben. Unter einem Prozent der deutschen Assekuranz ist in dieser Assetklasse investiert.“
 
Asset Allokation bei langfristig aktuellem Niedrigzinsszenario?
 
Charlotte Klinnert, Vorstand der Pensionskasse Deutsches Rotes Kreuz, meinte, dass man ein derartiges, fünf Jahre andauerndes Niedrigzinsszenario noch tragen könne, ohne die Asset Allocation entscheidend verändern zu müssen, aber irgendwann würde es auch in ihrem Haus nicht mehr reichen. Klinnert betonte, dass sie das Portfolio aufgrund der Größe der PK Deutsches Rotes Kreuz und der Risikotragfähigkeit nicht signifikant umstrukturieren könne, ohne um mehr Risikotragfähigkeit ansuchen zu müssen: „Eine komplette Umstrukturierung würde selbst, wenn es die Regulierung hergäbe, nicht funktionieren, da wir laufende Erträge brauchen, die wir zuverlässig abrufen können müssen.“
 
Michael Hanssler, Vorstandsvorsitzender der Gerda Henkel Stiftung, meinte in Bezug auf  ein lange währendes Niedrigzinsszenario, dass man die Allokation ganz genau so beibehalten würde. Hanssler weiter: „Es zeigt sich aber auch, dass viele Stiftungen Ihr Portfolio umstrukturieren müssen, weil sie sonst ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Bei Versicherungsunternehmen ist das aufgrund der staatlichen Regulierung natürlich anders, aber privatrechtlich organisierten Stiftungen sind vergleichsweise frei“. Hanssler zeigte sich davon überzeugt, dass ein großer Teil deutscher Stiftungen Veränderungen in der Asset Allocation in Kauf nehmen müsse, wobei er Änderungen nur in Richtung Equity sah.
 
Zu der Frage, ob Stiftungen dann in fünf Jahren Alternative Investment Quoten von 60 Prozent wie in Amerika hätten, meinte Hanssler, dass er dies nicht glaube. Der Vergleich mit den USA hinke aus mehreren Gründen, da der Durchschnitt der deutschen Stiftungen bei 1,5 bis zwei Millionen Euro Vermögen liege. Die großen Stiftungen wüssten schon was zu tun sei. Der Hauptunterschied besteht darin, dass die Stiftungen in Deutschland in ihren Statuten die Aufrechterhaltung des Kapitals hätten, die Amerikaner hingegen die gesetzliche Verpflichtung, mindestesten fünf Prozent ihres Vermögens zum Jahresende unabhängig von der Kapitalmarktsituation auszuschütten. Hansslers Fazit: „Ich glaube nicht dass wir amerikanische Stiftungsverhältnisse bekommen, aber dem deutschen Stiftungssektor täte es gut - übrigens auch im Hinblick auf Private Equity -, sich über Alternative Anlagen besser zu informieren.
 
Laut Paul Wessling, Vorstand der Gerther Versicherung, stelle sich die Frage, ob man Teams und Ressourcen aufbaue, um die Voraussetzungen für Anlagen in Alternative Investments zu schaffen. Renten würden aktuell ohnehin nur noch auf Nachfrage angeboten. „Die Versicherer versuchen derzeit, von der Produktseite her das biometrische Langlebigkeitsrisiko zu verarbeiten", so Wessling weiter. Es stelle sich die Frage, ob die Versicherer wirklich darauf eingingen und sich anlagetechnisch in den alternativen Bereich, im Speziellen auch im Private Equity- und Private Debt-Bereich vorwagen würden. Dies bedeute, dass man sich von der Buy-and-Hold-Strategie verabschiede und aktiv verschiedene Assetklassen bearbeiten, bewirtschaften und recherchieren müsse. Ob man das in eigenen Teams allokiere oder mit anderen Versicherern Pools bilde, sei einer weitere Frage. Noch seien diese Teams nicht da. Wessling hatte dabei nicht die  ganz großen Adressen im Auge, sondern Versicherer mit Assets zwischen einer und zehn Milliarden Euro under Management. Insbesondere mittelständischen Unternehmen müssten sich die Frage stellen, wer diese Assetklassen hereinholen werde, vor allem beim VVaG sei es sehr schwierig, unter den Risikoanforderungen die entsprechenden Eigenmittel zu generieren. Da befänden sich Versicherer am Scheideweg, viele machten "busines as usual" und steckten den Kopf in den Sand in der Hoffnung auf künftig wieder steigende Zinsen.
 
Wessling weiter: „Wenn das Umfeld so bleibt, muss man die Leistungsversprechen reduzieren, unter Solvency II genau wie unter Solvency I. Am Ende wird die Rechnung  der Versicherungsnehmer bezahlen müssen, wenn die Assekuranz den Rechnungszins nicht erwirtschaften kann." Er, Wessling, möchte gar nicht wissen, wie viele Versicherer dieses Jahr durch den Stresstest gefallen seien. Jedenfalls würden es von Jahr zu Jahr immer mehr, weil die Prämissen von 2005 heute nicht mehr haltbar seien. Dabei stelle sich natürlich die Frage, wie attraktiv die Produkte dann noch seien. Laut Wessling zeige sich, dass die Versicherer darauf mit einer eindeutigen Tendenz in Richtung Indexpolicen reagierten.
 
Makroökonomische und geopolitische Risiken
 
Aktuell sind die makroökonomischen und geopolitischen Risiken nur schwer einzuschätzen. Dies belegte auch die Ted-Abstimmung unter den Teilnehmern. Die Einschätzungen divergierten stark: Inflation, Deflation, Bekämpfung des Eurokollaps oder terroristische Anschläge bzw. Krieg oder doch der „Schwarze Schwan“ wurden als Bedrohng wahrgenommen. Der generelle Konsens war, dass etwas bevorstehen, von dem man aber nicht wisse, was es denn genau sei.
 
Wo finden sich Opportunitäten?
 
Bei der Ted-Abstimmung zur Frage „Welche Anlageklassen/-strategien bieten aus heutiger Sicht die größten Opportunitäten in den nächsten ein bis zwei Jahren?“ lag Private Equity mit 23,9 % an erster Stelle, gefolgt von Secured Loans/Private Debt mit 19,4 %. 14,4% der Abstimmenden sahen Möglichkeiten bei Equities, 12,4 % bei Absolute Return, 10,4 % favorisierten Infrastructure, 6 % Real Estate, 5,5 % Commodities und - wohl wenig überraschend - nur 0,5 % sahen Möglichkeiten bei Fixed Income. (ip/kb)
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