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Das war der 7. INSURANCE DAY 2016 inklusive Fotogalerie

Am 13. September 2016 trafen sich bereits zum siebenten Mal Vertreter von Versicherungsgesellschaften aus Deutschland und Österreich auf Einladung des Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) und INSTITUTIONAL MONEY zum siebenteiligen Vortragsreigen in den ehemaligen Wiener Börsensälen

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Die Veranstaltung stieß auch dieses Jahr auf sehr großes Interesse.
 
© Marlene Fröhlich

Neben der Vorstellung Solvenzkapital optimierter Produkte als Antwort auf Regulierung und Niedrigzinsniveau aus dem Bereich von Risikoprämien, Private Debt und teilabgesicherten Aktien umfasste das diesjährige Programm Erfahrungsberichte bei der Umsetzung des gesamtheitlichen Regelwerks aus dem Blickwinkel der Aufsicht wie auch der Beaufsichtigten. Kritisches verhieß eine wissenschaftliche Analyse einiger Schwachpunkte des Regulariums.

Neben Finanzvorständen, Asset-, Risiko- sowie Compliance Managern aus deutschen und österreichischen Versicherern waren bereits zum sechsten Mal Vertreter der Asset Management-Industrie zugelassen, die die Möglichkeit nutzten, ihr Verständnis für die Assekuranz und deren spezifischen Anlagebedürfnisse im Lichte der Solvency II-Anforderungen zu schärfen und Kontakte zu pflegen. Dieses Jahr erfolgte die Begrüßung seitens INSTITUTIONAL MONEY durch Relationship Managerin Ingrid Punz (Bild links), die sich bei den beiden "Urgesteinen der Solvency II-Genese" Mag. Rudolf Diewald und Mag. Oskar Ulreich, die beide in die Pension übertreten, für die langjährige erfolgreiche Kooperation bedankte.

 

Die neue Leiterin Wirtschaft und Finanzen des VVO, Mag. Marietta Preiss, die die Nachfolge von Mag. Rudolf Diewald in dieser Funktion antritt, bestand ihre Feuertaufe mit Bravour und führte gekonnt durch den Tag. In Ihrem Eröffnungsstatement meinte Preiss, dass  sich die Assekuranz intensiv auf Solvency II vorbereitet hat. Erste  Meldeerfordernisse gemäß dem neuen Regime - Day 1 und Quartalsmeldungen - waren bereits an die Aufsichtsbehörden zu übermitteln. Zusätzlich wurde von den Aufsichtbehörden gefordert bis 15. Juli einen Stress Test zu erfüllen, der in Österreich alle Gesellschaften umfasste. Die Ergebnisse des Stress Tests werden Anfang Dezember von der FMA  bzw. EIOPA veröffentlicht. Das wirtschaftspolitische Umfeld ist für das Asset Management weiterhin herausfordernd. Das Quantitative Easing Programm der Europäischen Zentralbank, mit einem Volumen von fast 1,8 Billionen Euro, läuft im März 2017 aus. Die langfristigen Auswirkungen der Referendumsentscheidung für den Brexit sind nicht abschätzbar. Die Assekuranz muss damit rechnen, dass die Niedrigzinsphase mittel- wenn nicht -langfristig anhält.

Erfahrungsbericht der FMA bei der Solvency II-Umsetzung

Den Eröffnungsvortrag bestritt wie schon im Vorjahr Dr. Stanislava Saria (Bild links), Abteilungsleiterin Querschnittthemen der Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht bei der FMA. Neben den gemachten Erfahrungen standen angedachten Neuerungen und Reviews des Solvency II-Regime im Fokus ihres Vortrages. 

Zwar gab es schon zum 30.09.2016 einen Vorschlag zur Regelung von Verbriefungen, die dem Grundsatz „Sustance over Form“ folgt und auf den wirtschaftlichen Gehalt abstellt. Auch eine Gleichrichtung der Interessenslage von Originatoren und Investoren wird darin einfordert, indem der Originator einen materiellen Nettoanteil am den zugrundeliegenden Asses behält. Der Kommissions-Entwurf zielt auf Anreize zur Belebung des Securitization-Geschäfts ab, indem eine Privilegierung sogenannten STS (Simple – Transparent – Standardized)-Verbriefungen angestrebt wird, doch stockt dieser Gesetzwerdungsvorgang erheblich, denn dem EU-Parlament gehen die Regeln nicht weit genug. Ob damit am Ende gar keine Erleichterungen kommen und das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird, bleibt abzuwarten.

Kaum in Kraft, sind Änderungen bei Solvency II programmiert, etwa beim Equity-Expsoure oder auch bei Infrastruktur-Investments, die erleichtert werden sollen. Hier droht ein ähnliches Schicksal wie bei Verbriefungen: Was als Erleichterung angedacht wurde, könnte sich letztendlich als Erschwernis entpuppen. Zum Vortrag von Dr. Saria geht es hier.

Columbia Threadneedle: Alternative Beta im UCITS-Mantel

Diese interessante Anlagealternative zu traditionellen Investments zeigte William Landes (Bild rechts), Head of Global Investment Solutions and Alternative Investments bei Columbia Threadneedle, auf. Dabei handelt es sich um einen erstmals in Form eines UCITS-Fonds investierbaren nicht-direktionalen Alternative-Beta-Ansatz, bei dem in 25 bis 40 zu einander fast unkorrelierte liquide Risikoprämien mit einem Volatilitätsziel von 7,5 Prozent nach einem Risikoparitäts-Ansatz investiert wird.

Dabei erwiesen sich diese paarweisen Korrelationen der einzelnen Risikoprämien auch in Krisenzeiten als erstaunlich stabil. Damit wird es möglich, zu niedrigen Kosten und auf liquide Art und Weise in die typischerweise von Hedgefonds zu hohen Gebühren vereinnahmten Risikoprämien zu investieren. Quasi oben drauf gibt es bei dem vorgestellten Threadneedle (Lux) Diversified Alternative Risk Premia Fund noch einen von Makro-Überlegungen getriebene taktische Positionierung, mit der Alpha zusätzlich zum Alternative Beta erzielt werden soll. Die Zusammenfassung seines Vortrags findet sich hier.

Ein Praktiker erzählt über Höhen und Tiefen bei der Umsetzung

Ronald Laszlo (Bild links), Head of Enterprise Risk Management bei der Vienna Insurance Group (VIG), die ein partielles internes Modell für Immobilien und den Nicht-Leben-Bereich von der FMA abgenommen bekam, gab in seinem Vortrag einen Einblick in die Erfahrungen seines Hauses mit der Umsetzung des Regelwerks. Dabei habe man sich wacker geschlagen, aber es sei noch einiges zu tun, so Laszlo, dessen Vortrag unter dem Titel "Solvency II - Via Mala oder Via Sacra?" stand. Per se sei die Regulierung nicht negativ zu sehen, führe sie doch zu einem höheren Schutz von Versicherungsnehmern, schaffe mehr Transparenz gegenüber Konsumenten, Aufsicht und Investoren und führe zu einem vereinheitlichen Versicherungsmarkt. Als Nachteil empfindet er die Tatsache, dass die marked-to-market Bewertung auf der Aktiv- und der Passivseite zu einer erhöhten Ergebnisvolatilität und einer entsprechenden Volatilität in den Kapitalanforderungen, vor allem in Hinblick auf Zinsen, führt.

Warum VIG ein partielles internes Modell der Standardformel in zwei Bereichen vorzog und welches die künftigen Herausforderungen sind, finden Sie in der Zusammenfassung seines Vortrags hier.

Rettet Private Debt die Renditen der Assekuranz?

Der nächste Vortrag gehörte Arnaud Mounier (Bild rechts), Managing Director Insurance Business Development von AB (vormals AllianceBernstein). Er stellte die Vorteile von Private Debt Investment heraus, ohne die damit verbundenen Schwierigkeiten in der tatsächlichen Umsetzung zu verschweigen.

Auf der Habenseite ist der Renditeaufschlag gegenüber klassischen Corporate Bonds zu vermelden, der je nach Risikograd des Investments von 10 bis 25 Basispunkten (bps) im Low Risk-Bereich bis zu einer Spanne von 250 bis 400 bei Transitional Commercial Real Estate reicht. Bei letzterem handelt es sich um Restrukturierungsfinanzierung von Gewerbeimmobilien, die nach Einstieg eines Private Equity-Investors für drei bis fünf Jahre abgeschlossen werden und im BBB-/ non-rated-Bereich angesiedelt sind. Damit kostet es nicht allzuviel Solvenzkapital. Auch die Recovery Rate bei Ausfällen ist im Privatkreditbereich höher. 

Diversifikations- und Renditevorteile als Belohung für erhöhten Aufwand

Ebenfalls von Vorteil ist die Diversifikation zu Corporates in Bezug auf die Positionierung im Kreditzyklus: Während bei Unternehmensanleihen die Covenants (Schutzklauseln für Investoren) schwächer werden und man sich auf dem Höhepunkt des Zykus befinde, sei dies laut Mounier bei Residential Mortgages in den USA anders. Dort seien die Bewertungen abseits der Major Cities konservativ und man stehe erst am Anfang eines Zyklus. Wer auf Private Debt zugeht, muss aber eine selektive Due Diligence betreiben, entsprechende Teams strukturieren, um schnell Deals analysieren zu können und auch Fragestellungen in Bezug auf Verbuchungen, Steuern und anderes mehr gelöst haben. Bei AB geht man Investoren dabei gerne zur Hand, zur ausführlicheren Zusammenfassung seines Vortrags geht es hier.

Wissenschaft stellt Solvency II auf den Prüstand

Professor Dr. Helmut Gründl (Bild links) forscht im Bereich der Versicherungsregulierung und analysiert messerscharf die Schwachstellen des Solvency II-Regimes. Den Zeitpunkt der Einführung von Solvency II hält Gründl nicht für ideal, das ganzheitliche System der Risikosteuerung hingegen für richtig. Im Gegensatz dazu sei die Bankenregulierung nur modulartig. Dank Solvency II zeige die Branche ein stärkeres Risikobewusstsein und könne auch Preiserhöhungen durchsetzen. Es werde zu Produktentwicklungen im Lebensversicherungsbereich und einer Verringerung der Garantieverzinsung kommen, ist Gründl überzeugt. Auch in der Anlagepolitik hat er Auswirkungen von Solvency II wahrgenommen: "Die Versicherer zeigen einen Trend in Richtung "BBB"-Qualitäten". 

Wer rechnet das Standardmodell einmal nach?

Problematisch erachtet Gründl beispielsweise, dass das Standardmodell mit groben Vereinfachungen arbeite. Zudem sei es hoch an der Zeit, dieses Standardmodell mit all seinen Annahmen einmal nachzurechnen, ob man damit tatsächlich einen 200-Jahres-Verkust abfedern könne. In welchen Bereichen Professor Gründl Verzerrungen ortet und wie man diesen begegnen sollte respektive welche Risiken von diesen ausgehen, findet sich im Detail in der Zusammenfassung seines Referats hier.

Optimierte europäische Aktien-Allokation made by Amundi

An Aktien und ihrer Risikoprämie führt laut Gilbert Soubie (Bild rechts), Head of Insurance Business Development bei Amundi, angesichts der noch immer nur durchschnittlich teuren Bewertung im Vergleich zu den überteuerten Rentenmärkten kein Weg vorbei. Allerdings seien Ansätze gefragt, die das SCR-Erfordernis gegenüber Long-only genauso wie die Drawdown reduzierten, um versicherungstauglich zu sein. Anhand eines konkreten Fallbeispiels zeigte Soubie, wie man einen Mismatch der Duration auf der Aktiv- und der Passivseite abbauen und Credit durch Equity und Real Estate substitutieren sollte, um dank Diversifikation und einer optimierten Aktien-Allokation sowohl die Rendite zu steigern als auch das Solvenzkapital-Erfordernis zu verringern. 

Soubies Lösungsansatz besteht aus einer jeweils zu Jahresanfang durch Amundi (Rating: A+) gestellte, explizite Kapitalgarantie für 80 Prozent des Kapitals in Verbindung mit einem dynamischen CPPI-Modell für europäische Aktien. Dieses CPPI ist natürlich pfadabhängig und es besteht die Gefahr, aus dem Risky Asset ausgestoppt zu werden, doch zeigen die real seit 2010 in Mandaten gelaufenen europäischen Aktien-Strategien (ohne Garantie) eine bessere Sharpe Ratio als der Euro STOXX 50 Index. Kombiniert man diese mit der revolvierenden 80-prozentigen Kapitalgarantie, braucht man nicht nur bloß 20 Prozent SCR-Unterlegung, sondern hat auch wesentlich geringere Drawdowns und eine verringerte Volatilität. Die Garantiekosten betragen übrigens nur 20 Basispunkte. Hier findet sich eine detailiertere Zusammenfassung.

Big Picture der Versicherungslandschaft 

Gewohnt souverän und blendend disponiert zeigte sich Mag. Oskar Ulreich (Bild links), bis vor kurzem FMA Abteilungsleiter, FMA - Versicherungsaufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionskassen, bei seinem Tour d`Horizon durch die Versicherungslandschaft der letzten Jahrzehnte. Dabei konnte er sich so manche spitze Bemerkung und so manchen Seitenhieb auf die Anlagebranche nicht verkneifen. Schließlich wurden einige eierlegende Wollmilchsäue durchs Dorf getrieben, die sich bei näherer Beschau als das Gegenteil entpuppten. Bei vielen, wenn auch nicht allen Unsinnigkeiten blieb die Assekuranz außen vor.

Auch mit Selbstkritik sparte Ulreich nicht, hatte man doch die Sprengkraft der ABS/MBS-Problematik Anfang 2008 nicht in ihrer vollen Tragweite erkannt. Jedenfalls sorgte der Veteran, der wohl ein wenig Abstand zu seiner Aufsehertätigkeit erst noch finden muss, für einen tiefsinnigen und doch gleichzeitig vergnüglichen Abschluss der Veranstaltung. (kb)

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