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Darum jagen aktivistische Hedgefonds eher frauengeführten Firmen nach

Kommunikation statt Konflikt: Weibliche CEOs sind für Hedgefonds offensichtlich interessanter, da Frauen an der Unternehmensspitze für aktivistische Aktionäre ansprechbarer als Männer sind. Frauen suchen offensichtlich eher das Gespräch und nach konstruktiven Lösungen.

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Dr. Reint E. Gropp ist seit 2014 Präsident des IWH und Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Am IWH leitet er die Abteilung Gesetzgebung, Regulierung und Faktormärkte kommissarisch. Er ist Associate Fellow des Centre for Economic Policy Research (CEPR) und Berater verschiedener Zentralbanken. 2021 wurde er zum Sprecher der Sektion-B-Institute der Leibniz-Gemeinschaft gewählt. Gropp hat Volkswirtschaftslehre an der  Universität Freiburg und der University of Wisconsin, Madison, studiert. Im Jahr 1994 schloss er dort seine Promotion in Economics ab. Vor seinem Amtsantritt am IWH war er Professor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und hatte dort die Stiftungsprofessur für Sustainable Banking and Finance inne. Zuvor war er in verschiedenen Positionen für den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie für die Europäische Zentralbank (EZB) tätig, zuletzt als Deputy Head der Financial Research Division.
© IWH

Wer hätte das gedacht: Der Wert frauengeführter Unternehmen wird durch die Inter­vention aktivistischer Investoren stärker erhöht als der von Unter­nehmen mit männlichen CEOs. Das geht aus einer aktuellen Ver­öffentlichung von Iftekhar Hasan (Fordham University und IWH) und Qiang Wu (Rensselaer Polytechnic Institute, RPI) am Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor. „Die Ergeb­nisse zeigen, dass weibliche CEOs aufgrund ihrer starken kommu­nikativen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten besonders von der Intervention von aktivistischen Hedgefonds profitieren“, er­klärt Iftekhar Hasan. Denn im Durchschnitt erhöht das Eingreifen eines aktivistischen Hedgefonds den Wert des Unternehmens ex post. Um das zu erreichen, setzen aktivistische Hedgefonds wie Carl Icahn, Trian Fundmanagement oder Elliott bevorzugt auf Kommunikation und Kooperation mit dem Management.

Set-Up der Studie
Für die Studie wurde eine Stichprobe von 42.831 US-Firmendaten und 2.410 Er­eignissen aktivistischer Hedgefonds in der Zeitspanne von 2003 bis 2018 analysiert. In diesem Zeitraum stieg die wirtschaftliche Bedeutung aktivistischer Hedgefonds zudem signifikant. Verwalteten sie 2003 in den USA noch zwölf Milliarden US-Dollar, waren es 2018 bereits mehr als 100  Milliarden US-Dollar. Für die Erhebung gingen die Wissen­schaftler folgenden Fragen nach: Gibt es einen systematischen Zusammenhang zwi­schen weiblichen CEOs und aktivistischen Hedgefonds und falls ja, warum? Gehen diese Investoren bei weiblichen CEOs anders vor als bei männlichen? Schneiden von Frauen geführte Zielfirmen nach der Beteiligung anders ab?

Aktivistische Hedgefonds nehmen frauengeführte Unternehmen stärker ins Visier
Die Wahrscheinlichkeit, das Interesse eines aktivistischen Hedgefonds zu wecken, ist für ein Unternehmen mit einem weiblichen CEO um 52% höher. „Diese Studie zeigt nicht nur genderspezifische Unterschiede auf, sondern liefert auch einen Hinweis auf den Zusammenhang von Soft Skills und Wirtschaftlichkeit“, kommentiert IWH-Präsident Reint Gropp.

Quelle: IWH

Kommunikation und Kollaboration 
Aktivis­tische Hedgefonds sind nun einmal auf Kommunikation und Kollaboration mit den CEOs angewiesen: Der durchschnittliche Anteil von aktivistischen Hedgefonds an den Unter­nehmen, in die sie investieren, liegt bei unter neun Prozent und ist damit weit von einer Kontroll­beteiligung entfernt. Das häufigste Ziel von Hedgefonds-Aktivismus – fast die Hälfte aller Hedgefonds-Aktivismus-Ereignisse – ist, den Shareholder-Value durch Kommunikation mit dem Management zu erhöhen. Erst, wenn das Management nicht mit den aktivis­tischen Investoren zusammenarbeiten will, fahren letztere Kampagnen, um andere Aktionäre ins Boot zu holen.

Weibliche CEOs kommunizieren und kooperieren eher mit aktivistischen Hedgefonds
Der transformationale Stil weiblicher CEOs hat einen signifikanten Einfluss darauf, wie Aktivismus-Kampagnen die Zielfirmen umgestalten und den Aktienkurs verbessern. Weibliche CEOs kommunizieren und kooperieren mit den Vertretern aktivistischer Hedgefonds, anstatt mit ihnen auf Konfrontation zu gehen. Dies senkt die Implementie­rungskosten und erhöht die Erfolgsquoten. Dadurch steigen die erwarteten Renditen für den Hedgefonds. Weibliche CEOs nehmen aufgrund ihrer Soft Skills den Rat und die Expertise von Hedgefonds-Aktivisten eher an und verbessen dadurch die operative Leistung.

Männer reagieren zumeist anders: aggressiv, egozentrisch, machtorientiert
Männer neigen dazu, aggressiver, egozentrischer und machtorientierter in Verhandlungen zu sein. Dementsprechend ist es wahrscheinlicher, dass sie die Vor­schläge der Hedgefonds-Aktivisten abschmettern. Dies führt zu für beide Seiten kost­spieligen Machtkämpfen, die den Wert des Unternehmens eher reduzieren als erhöhen. Wie aus den Daten hervorgeht, sind weibliche CEOs signifikant häufiger in der Lage, solche Machtkämpfe beizulegen als männliche Unternehmenslenker. „Das belegt, dass Kommunikation und Zusammenarbeit während der Aktivismus-Kampagnen mit weib­lichen CEOs wahrscheinlicher sind“, so Hasan.

Gegenprobe
Die Studienautoren haben die Gegenprobe gemacht: Sinkt der Kommunikationsbedarf der aktivistischen Hedgefonds, weil sie keine aktive Beteiligung anstreben, dann ver­schwindet auch der Gender-Effekt. Verglichen wurden dafür die Anträge der US-Finanzaufsichtsbehörde SEC für einen Erwerb von mehr als fünf Prozent der Aktien. Dabei gibt es in den USA zwei Gruppen: das Schedule 13D und die Ausnahmegenehmigung 13G. Letztere können Investoren unter anderem dann beantragen, wenn sie sich nicht aktiv im Unternehmen einmischen wollen. Wenn aktivistische Hedge-Fonds 13G beantragen, wobei sie quasi passiv ins Unternehmen einsteigen und daher nicht mit der Unternehmensleitung kooperieren müssen, gibt es keine Präferenz für weibliche CEOs.

Operative Profitabilität steigt bei frauengeführten Firmen stärker
Die Studie hat auch die dynamischen Veränderungen von Zielunternehmen zwei Jahre vor und bis zu zwei Jahre nach dem Hedgefonds-Engagement analysiert. „Nach Bereini­gung um Branchen- und Jahreseffekte erhöhen sowohl weiblich als auch männlich ge­führte Zielunternehmen ihre operative Profitabilität in den zwei Jahren nach dem Einstieg, aber der Anstieg ist bei weiblich geführten Zielunternehmen signifikant größer“, fasst Gropp zusammen. Dieses Ergebnis stimmt mit den Zielen der Hedgefonds-Aktivisten, die Dividendenausschüttung und Performance zu erhöhen, überein. (kb)

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