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Christian Kopf, Union Investment: „Angst ist nicht angebracht“

Der Leiter Portfoliomanagement Renten und Währungen von Union Investment erklärte vor Großanlegern in Wien, wie Investoren auch im Zinstal interessante Renditen erzielen können. Das funktioniert auch bei Negativzinsen, sofern die Zinsstrukturkurve mitspielt.

BIP-Wachstum in den wichtigsten Weltregionen
Prognose zum BIP-Wachstum in den wichtigsten Weltregionen
Union Investment ging zuletzt von obigen Wachstumsraten aus. Es wird sich aber zeigen, in wie weit der Ausbruch des Corona-Virus auf Chinas Wirtschaftswachstum auswirken wird.
 
© Union Investment

„Angst ist nicht angebracht. Es wäre ein Fehler, nicht investiert zu sein“, sagte Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Währungen bei Union Investment anlässlich der hauseigenen Veranstaltung „Kapitalmarkt Perspektiven“, deren Road Show-Auftakt vor wenigen Tagen in Wien war. Deutschland steht by the way in den kommenden Tagen und Wochen im Road Show-Kalender der Genossen.

Nach einem Rückblick auf die Performances der verschiedenen Aktien, Renten- bzw. Credit-Segmente (siehe Grafik oben in der Bildergalerie) und deren Treiber im Jahr 2019 ging Kopf auf das Schrumpfgeld-Experiment im österreichischen Wörgl Anfang der 1930er-Jahre ein, um darauf aufbauend einen Bogen zur heutigen, ebenfalls „unorthodoxen“ EZB-Geldpolitik zu spannen. Nach einer niedrigen BIP-Wachstumsschätzung und einer Zinsprognose (USA: zwei Senkungen in diesem Jahr, die EZB hält die Füße still) für 2020 ging Kopf der für Investoren entscheidenden Frage nach, wie weit die Zinsen noch sinken können.

Mut zum Risiko
„Negativzinsen sind kein Hindernis für Kursgewinne“, erinnerte Kopf angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre am Rentenmarkt. Auch wenn die Zinsen am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve durch die Zentralbankpolitik im Negativbereich sind, sei für Investoren entscheidend, dass die Zinsen zumindest am langen Ende im positiven Bereich liegen. In so einem Fall können Investoren Long-Positionen am langen Ende eingehen und über das Eingehen von Durationsrisiken durch Zeitablauf respektive Carry-Strategien nennenswerte Kursgewinne erzielen.

Diese Spekulation auf Kursgewinne bzw. Rollerträge, funktioniere laut Kopfe für viele, eher kurzfristig orientierte Marktteilnehmer sogar dann noch, wenn die Zinsen am langen Ende im negativen Bereich lägen, sofern die Zinskurve ausreichend steil sei (siehe die grafische Erklärung oben in der Bildergalerie)

Zentralbanken haben nur wenig Einfluss auf das lange Ende
Renditen von minus 0,75 Prozent – kurzfristig im Rahmen von Panikkäufen sogar minus 1,0 Prozent - bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen Ende August 2019 beruhten, wie Kopf betonte, nicht – wie vielleicht viele Anleger glauben würden - auf den Anleihenkäufen der EZB. Denn erst nach dem Ende des EZB-Ankaufsprogramms Ende 2018 setzte der rapide Renditeverfall ein (siehe Grafik hier) Kurstreibend waren die Erwartungen der Rentenmarktakteure über die zukünftigen Inflations- und Wachstumsentwicklungen und die daraus ableitbaren zukünftigen Zentralbankzinsen. „Der Markt preiste im September 2019 anhaltend negative Einlagezinsen von -0,75 Prozent über viele Jahre hinweg ein“, sagte Kopf.

Der Union Investment Rentenchef warnte – wie er berechtigterweise stolz erklärte - als einer der wenigen Rentenexperten im Spätsommer vor einem „Minsky-Moment“ an den Rentenmärkten. Seiner Ansicht nach stellen die am Markt temporär eingepreisten minus 0,75 Prozent Einlagezinssatz (derzeit: Minus 0,5 Prozent) zumindest in der Eurozone eine Untergrenze da, die – ausgenommen in schweren Krisenzeiten – über einen längeren Zeitraum nur schwer zu unterbieten sei.

Denn ab dieser Minuszinshöhe würden viele Investoren ihre Geldmarktbestände veräußern und lieber in Geldscheine, Gold oder andere Fluchthäfen umschichten. Große Marktplayer machen das auch wirklich: So soll ein sehr großer Rückversicherer aus München zu jenen Akteuren gehören, der einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag in Cash bunkert, um Negativzinsen zu vermeiden…

Für kleinere Währungsräume als die Eurozone, beispielsweise die Schweiz, kann sich Kopf jedoch noch niedrigere Zinsen als die genannten minus 0,75 Prozent vorstellen.

Entscheidendes IWF-Treffen
Laut Einschätzung von Kopf sei die „Zinswende“ am Freitag, den 18. Oktober 2019 erfolgt. Denn an diesem Tag trafen sich bei einem IWF-Treffen die führenden Zentralbanker der Welt und diskutierten u.a. auch über langfristig negativen Auswirkungen von zu niedrigen, marktverzerrenden Zinsen. „Seit damals gehen die Zinsen wieder in die andere Richtung“, erklärte Kopf. So habe die Schwedische Zentralbank mittlerweile wieder einen Zinsschritt nach oben gemacht. Die Schweizer Nationalbank (SNB) machte laut Kopf einen „Zinserhöhung durch die Hintertür“, in dem die SNB den Banken höherer Freibeträge zugesteht, ab denen Negativzinsen verrechnet werden. „Die Zentralbanker sehen, dass sie mit ihrer Niedrigzinspolitik das Bankensystem ruinieren“, sagte Kopf.

Es sei aber fraglich, wie die Zentralbanken aus dieser verzwickten, geldpolitischen Lage herauskommen können, denn höhere Zinsen würden sich viele Staatshaushalte und irgendwann auch viele Unternehmen nicht mehr leisten können bzw. wollen. Eine nachhaltige Zinswende mit spürbar höheren Zinsen sei daher noch viele, viele Jahre entfernt, sodass Investoren weiterhin am Rentenmarkt auf der Long-Seite Geld verdienen könnten.

Was kaufen?
Trotz in absoluten Zahlen extrem niedriger Zinsen empfiehlt Rentenexperte Kopf Investoren einerseits Exposure in Aktien (sic!) und natürlich Engagements in ausgewählten Anleihesegmenten. Denn die Risikoprämien, also die Zinsaufschläge zu Anleihen bester Bonität, bewegen sich laut Kopf vielfach noch immer im neutralen, fair bewerteten Bereich (siehe die Grafik oben in der Bildergalerie). Kopf empfahl Rentensegmente wie Verbriefungen, Euro-Peripherie-Anleihen (Italien), Internationale Corporate Bonds oder Emerging Market Debt (zB: Rumänien, Ukraine).

Aber auch Spezialitäten wie Hybrid-Anleihen seien sehr interessant, da eine hohe Investorennachfrage auf begrenztes Angebot stoße und damit Kurssteigerungspotenzial bestünde. In diesem Fall sei aber eine Fondslösung ratsam, beispielsweise der „UniInstitutional Corporate Hybrid Bonds“, der laut Factsheet mit Kennzahlen wie eine durchschnittliche Rendite von 1,6 Prozent oder eine durchschnittliche Kuponhöhe von 3,7 Prozent aufwarten kann. (aa)

 

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