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Buy the Dip: Wird das dieses Mal auch wieder funktionieren?

US-Aktien stehen an der Schwelle zum Bärenmarkt. Soll man jetzt einsteigen? Bernd Hartmann, Head of CIO Office und Chefstratege der VP Bank glaubt, dass "Buy the Dip" diesmal nicht funktionieren wird. Er erwartet statt dessen eine Phase anhaltender Unsicherheit und Orientierungssuche.

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Bernd Hartmann, Head of CIO Office und Chefstratege der VP Bank
© VP Bank

In den letzten Jahren hat es sich gelohnt, auf «buy the dip» zu setzen. Der aktuelle Ausverkauf folge jedoch einem anderen Muster als frühere Korrekturen, sagt Bernd Hartmann, Head of CIO Office und Chefstratege der VP Bank. "Der letzte große Einbruch vor zwei Jahren war zwar äußerst heftig, dauerte aber gerade mal einen Monat bevor eine schnelle Erholung einsetzte. Mit der Pandemie hatten die Märkte ein großes neues Thema zu verarbeiten. 

Derzeit büßt die Börse seit Jahresbeginn sukzessive ein
Der Markt verarbeitet eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Zu Jahresbeginn war es die Erkenntnis, dass die Inflation stärker ansteigt und sich hartnäckiger hält als erwartet. Die Notenbanken mussten einen Kurswechsel einläuten, der Renditeanstieg setzte vor allem den Wachstumswerten zu. Schließlich fallen ihre abdiskontierten Gewinne bei höheren Zinsen tiefer aus. Die russische Invasion in der Ukraine führte zu einem Einpreisen geopolitischer Risiken. Dies und die harten Lockdowns in China verzögern eine Entspannung in den Lieferketten. Zuletzt schlugen Konjunkturängste auf Aktien der Einzelhändler durch. 

Auffällig: US-Aktienmarkt hält sich nicht besser als andere Börsenplätze
Die japanische, aber auch viele europäische Börsen schlagen sich seit Jahresbeginn vorteilhafter. Dies liegt auch daran, dass Technologiewerte den Markt nicht (mehr) stützen, ihre Bewertungsprämie hat sie besonders korrekturanfällig gemacht.

Performance in Prozent

Quellen: Bloomberg, VP Bank

Buy the dip funktioniert nicht mehr
Analysen belegen, dass es sich lohnt, gegen den Strom zu schwimmen und bei schlechter Anlegerstimmung und erodiertem Risikoappetit Positionen aufzubauen. In den vergangenen zehn Jahren hat es sich für Anleger meist ausgezahlt, jegliche Schwäche blind für Zukäufe am Aktien- oder Kreditmarkt zu nutzen. Eine Situations-Analyse brauchte es hierfür nicht. 

Bernd Hartmann und seine Kollegen bei der VP Bank gehen aber davon aus, dass die Zeiten eines blinden «buy the dip» vorerst vorüber sein dürften. Das Haus sieht dafür zwei Gründe, beide haben mit den Notenbanken zu tun.

Prioritäten der Notenbank
Die «Buy-the-Dip»-Mentalität ist eng mit der Geldpolitik der letzten Jahre verbunden gewesen. Ausgehend von der Finanzkrise war die Geldpolitik auf den Kampf gegen deflationäre Tendenzen ausgelegt, um so für Vertrauen und Wirtschaftswachstum zu sorgen. Die fehlende Inflation ermöglichte dieses Verhalten, das gleichgerichtet mit den Interessen der Anleger war. Investoren konnten sich darauf verlassen, dass beim Aufziehen einer neuen Krise die Notenbank bereit war, ihre Geldpolitik erneut zu lockern ("Notenbank-Put")-.

Bis dahin war die Bereitschaft, rasch unterstützend einzugreifen, jeweils recht hoch. Nun aber dürfte sie auf einem deutlich tieferen Niveau liegen. Denn die Notenbanken verfolgen angesichts der hohen und hartnäckigen Teuerung eine andere Priorität. Und dieser Kurs ist nicht mehr im Sinne des Anlegers, denn eine restriktivere Geldpolitik lastet auf der Nachfrage. Gleichzeitig sorgen die gestiegenen Anleiherenditen dafür, dass Aktien nicht mehr als alternativlos wahrgenommen werden.

Risiken bekommen einen Preis
Der Kurswechsel der Notenbanken bringt für Investoren noch eine weitere Veränderung. Durch die Bereitschaft der Notenbanken, Wirtschaft und Anleger zu unterstützen, lohnte es sich, möglichst viel Risiko einzugehen. Folglich wurden Risiken vielerorts nicht mehr adäquat bepreist. Am Kreditmarkt sorgte dies für historisch tiefe Kreditaufschläge. Am Aktienmarkt führte es während der Pandemie dazu, dass eine Generation junger Investoren, die sich in Internetforen organisierte, auf marode Unternehmen setzte und diese Aktien in schwindelerregende Höhen trieb. Der Markt der Kryptowährungen hat ebenfalls von diesem Verhalten profitiert. Nun dürfte eine Phase anstehen, in der Risiken adäquater bepreist werden. Die Verzerrungen betreffen zwar weniger den breiten Aktienmarkt, doch die Neuordnung dürfte die Anlegerstimmung länger beschäftigen. 

Erwartungen hinterfragen
Angesichts der Fülle der aktuellen Herausforderungen erscheint eine schnelle Aufhellung der Großwetterlage unwahrscheinlich. Auf viele der Fragen gibt es wohl keine schnelle Antworten. 

Das sind neben der Inflations- und Konjunkturentwicklung die Auswirkungen der Rückführung der US-Notenbankbilanz. Ebenso unklar ist, wie lange es braucht, bis die Lieferketten wieder eingespielt sind. Deren negativer Einfluss in Kombination mit den höheren Rohstoffpreisen auf der einen und dem hohen Auftragsbestand auf der anderen Seite, sorgt für eine hohe Prognoseunsicherheit bei den Analysten. Bisher konnten die Unternehmen die Margen dank höherer Umsätze mehrheitlich erfolgreich verteidigen und den Gesamtgewinn ausbauen. Davon gehen aktuell auch die Analysten aus, doch je länger die Probleme anhalten, desto stärker dürfte dies durchschlagen. 

Die Quote der Unternehmen, die mit ihren jüngst präsentierten Bilanzzahlen die Analysten-Erwartungen übertreffen konnten, lag im Schnitt der letzten Jahre. Allerdings wurden Unternehmen, die die Vorgaben nicht treffen konnten oder deren Ausblick enttäuschte, ungewöhnlich hart mit oftmals zweistelliger Kurskorrektur abgestraft. Gleichzeitig reagierten die Aktien bei positiven Überraschungen nur moderat. Diese asymmetrische Reaktion zeigt, wie hoch die Erwartungen sind.

Wie weiter?
Das Finanzmarktumfeld hat sich in den letzten Wochen verändert. Die Erfahrung zeigt, dass der Markt Zeit braucht, um sich auf das neue Umfeld einzustellen. Mit den zuletzt wieder rückläufigen Inflationserwartungen gibt es zwar erste positive Anzeichen, doch die Korrektur führt dazu, dass die Märkte zunächst einiges verarbeiten müssen. Anleger sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass eine schnelle Wende einsetzt. Angesichts der langen Strecke von Einbußen und der schlechten Anlegerstimmung ist eine Gegenbewegung jederzeit möglich, doch bleibt diese fundamental nicht unterstützt, wird sie nicht nachhaltig sein. "Wir erwarten eine Phase anhaltender Unsicherheit und Orientierungssuche", sagt Bernd Hartmann. 

Hartmann empfiehlt, an einer defensiven Positionierung festzuhalten
"In unserer taktischen Positionierung halten wir deshalb die Aktienquote, insbesondere in den USA und Europa, weiterhin untergewichtet. Gleichzeitig zeichnen sich am Horizont bereits interessante Opportunitäten ab, denn der Markt straft derzeit Aktien undifferenziert ab. Kommt es zu einer Stabilisierung, werden Investoren mit solchen Unternehmen überproportional profitieren." (kb)

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