Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Mit Rohstoffen das Portfolio diversifizieren.

Ad

Zu Zeiten schwacher Aktienmärkte zeigt sich die Bedeutung der Diversifikation. Gerade Öl und Industriemetalle können ein Gegengewicht zu volatilen Aktien sein. Mit Exchange Traded Commodities (ETCs) investieren Finanzprofis 1:1 und besichert in Rohstoffe.

Anzeige
| Regulierung
twitterlinkedInXING

Brüsseler Durchbruch, Brexit ist da: Was aber sagt das Unterhaus dazu?

In der neues Ausgabe des "Strategy Alert Bonds" befassen sich Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter des Bereichs Research der LBBW, und Senior Economist Dirk Chlench mit den nächsten Schritten nach dem Verhandlungsmarathon. Kommt ein EU-Sondergipfel im November?

Uwe Burkert
Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter des Bereichs Research der LBBW
© LBBW

Heute ist der Tag der Wahrheit in London. Nach Monaten harter Verhandlungen haben sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich gestern auf Ebene der Verhandlungsführer auf einen Entwurf für ein Austrittsabkommen geeinigt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Europäische Kommission am selben Tag ihren Notfallplan für das Szenario eines
„Hard Brexit“ veröffentlicht hat.

Was sagen Kabinett und Unterhaus zum Ergebnis? 
Die britische Regierungschefin Theresa May steht nun vor der schwierigen Aufgabe, den Kompromiss durch ihr Kabinett und das britische Parlament zu bringen. Die „Hard-Brexiteers“
in den Reihen der konservativen Abgeordneten haben ihre Kollegen im Kabinett zwar aufgefordert, gegen den Entwurf des Austrittsabkommens zu stimmen. Da die Zeitung „The Sun“ aber meldet, dass wichtige Minister, darunter der Brexit-Minister Dominic Raab und der
Außenminister Jeremy Hunt, den gefundenen Kompromiss unterstützen wollen, ist damit zu rechnen, dass das britische Kabinett mehrheitlich für die Annahme des Kompromisse votieren wird. Die Kabinettsmitglieder konnten den Entwurf gestern im Amtssitz der Premierministerin
einsehen. Heute Nachmittag soll das Kabinett über den Kompromiss abschließend beraten. Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte noch für Ende November ein Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zur Diskussion des Kompromisses einberufen werden. Der 25.
November, ein Sonntag, gilt als wahrscheinlichtestes Datum.

Bleibt das Vereinigte Königreich in der Zollunion?
Den Gerüchten zufolge soll der Kompromiss beinhalten, dass das Vereinigte Königreich in der Europäischen Zollunion verbleiben wird, um damit eine Zollgrenze zwischen der Republik Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland zu vermeiden, und zwar
solange, bis eine friedenssichernde Lösung für Nordirland gefunden ist. 

Aber genau ein solcher Vorschlag lag vor rund einem Monat auf dem Tisch. Damals soll Theresa May aus Furcht vor einer Revolte in ihrem Kabinett vor einer Zustimmung zurückgeschreckt haben. Es sei daher zu mutmaßen, dass Theresa May entweder ihren Mut wiedergefunden habe oder aber die EU-Verhandlungsführer ihr nun etwas entgegengekommen seien, mutmaßen die LBBW-Ökonomen.

Größte Hürde für Zustandekommen des Kompromisses ist das britische Unterhaus 
Dort verfügen die Konservativen über keine eigene Mehrheit. Theresa May führt eine Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die nordirische Partei DUP an. Deren Volksvertreter werden mit Argusaugen darauf achten, dass der gefundenen Kompromiss keine Sonderregelung für Nordirland enthält und somit die territoriale Integrität des Vereinigten Königreichs untergräbt. In den Reihen der Tory-Fraktion befinden sich schätzungsweise 60 bis 80 Abgeordnete, die vehement gegen ein Verbleib des UK in Zollunion und EU-Binnenmarkt sind. Auf Stimmen aus den Reihen der Opposition kann Theresa May auch nicht setzen.
Der zurückliegende Labour-Parteitag hat gezeigt, dass die Arbeiterpartei nicht gewillt ist, ein von May ausgehandeltes Ausstiegsabkommen im Unterhaus zu unterstützen.

Und doch könnte Mays Vorhaben gelingen...
"Gleichwohl ist es unseres Erachtens wahrscheinlich, dass es Theresa May trotz des
geschilderten Gegenwindes gelingen wird, den Entwurf des Kompromisses durch das britische Unterhaus zu bringen, da bei einer Ablehnung des Kompromisses Neuwahlen des Unterhauses drohen. Im Fall von Neuwahlen müssen die „Hard-Brexiteers“ jedoch befürchten,
dass Labour die Wahl gewinnt und einen Soft-Brexit oder sogar einen Ausstieg aus dem Brexit betreiben würde. Somit könnten sich die „Hard-Brexiteers“ im Unterhaus gezwungen sehen, zähneknirschend dem Entwurf des Ausstiegsabkommens zuzustimmen", schreibt Dirk Chlench.

Hauptszenario der LBBW scheint wohl einzutreffen
Die aktuelle Entwicklung stehe im Einklang mit dem Hauptszenario des Hauses, heißt es da weizer im "Strategy Alert". Demnach werden sich die EU und das Vereinigte Königreich für die Zeit nach dem EU-Austritt im März 2019 auf eine knapp zwei Jahre laufende
Übergangsperiode verständigen, an die sich der Abschluss eines Freihandelsabkommens anschließt. Das neu konzipiertes LBBW-Brexit-Barometer zeigt bereits seit einigen Tagen abnehmende Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer an. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen