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Brexit hat London bei Schwellenländern jedenfalls nicht geschadet

Die Entscheidung zum Brexit vor fünf Jahren ließ viele glauben, London könnte seine Vormachtstellung als globales Finanzzentrum verlieren. In Bezug auf Schwellenländer scheint das Gegenteil eingetreten zu sein.

Boris Johnson
Boris Johnson hat gut lachen: London als Finanzzentrum erfindet sich laufend neu und kann seine Stellung in vielen Sparten behaupten, in manchen sogar ausbauen. 
© Simon Dawson / Bloomberg

Der Brexit hat zu einem Anstieg im Handel von Währungen und Anleihen aus sich entwickelnden Ländern in der britischen Hauptstadt geführt. Seit Juni 2016, als Großbritannien für den Austritt aus der EU gestimmt hat, ist der Handel mit chinesischen Yuan, der indischen Rupie und dem russischen Rubel massiv angestiegen, wie Daten der Bank von England zeigen, aus denen Bloomberg zitiert. Ähnlich sieht es bei Bonds aus.

Im Devisenhandel nach gewissen Verlagerungen ist London wieder dick im Geschäft
“Nach dem Brexit gab es eine gewisse Verlagerung in europäische Hauptstädte, aber nicht so dramatisch, wie die Leute 2016 befürchtet haben”, sagt Simon Harvey, leitender Wähungsanalyst in London bei Monex Europa. “Der Aufstieg von Dublin und Frankfurt und die Gefahr, dass New York oder Tokio London als führendes Devisendrehkreuz überholen, sind keine großen Probleme.”

London Trades
Die täglichen Handelsvolumina in Schwellenländerwährungen sind seit dem Brexit gestiegen. So überstieg etwa Londons Anteil am Yuan-Handel – der meistgehandelten Schwellenländer-Währung – jenen in New York um mehr als das Vierfache. 

Eurobond-Listing in London gehen durch die Decke
Im vergangenen Jahr wurden Eurobonds in Höhe von beispiellosen 124 Milliarden UD-Dollar in London gelistet, gegenüber 16 Milliarden Dollar in 2016, so von Bloomberg zusammengestellte Daten. In Frankfurt gab es in diesem Zeitraum kaum Zuwächse.

Etabliertes bleibt weitgehend bestehen
Globale Banken, Vermögensverwalter und Finanzinstitute haben einen wesentlichen Teil ihrer Geschäfte in London gelassen. Die Sorge, gut etablierte Geschäftsabläufe zu stören, ist ein starker Anreiz zu bleiben.

Die einen gehen zum Teil - und andere kommen
Obschon Banken von Goldman Sachs bis J.P. Morgan seit dem Referendum im Juni 2016 Arbeitsplätze und Vermögenswerte in Höhe von 1,6 Billionen US-Dollar in die EU verlagert haben, zog es die Entwicklungsländer nach London. Für diese könnte der Brexit sogar engere Handels- und Finanzabkommen nach sich ziehen.

Devisenhandel
Im Devisenhandel verteidigte London seine Führung beim russischen Rubel, der türkischen Lira und dem südafrikanischen Rand. Der Marktanteil der Stadt im Handel mit der indischen Rupie, dem chinesischen Yuan, dem südkoreanischen Won und dem brasilianischer Real stiegen sogar, so die Bank von England.

Im Derivatehandel leidet London
Dennoch sind die Abflüsse erheblich, die London nach dem Brexit erlitten hat. Etwa 2,3 Billionen Pfund (2,7 Billionen Euro) an Derivatehandel in Euro, Pfund und Dollar sind verschwunden, schätzen Deloitte und IHS Markit. Der Anteil von Londoner am Euro-Zinsswapmarkt ist im Januar auf zehn Prozent zurückgegangen, verglichen mit fast 40 Prozent  im Juli. Amsterdam ist mittlerweile Europas größtes Zentrum für den Aktienhandel.

Alles nur vorübergehend?
Manche argumentieren außerdem, die zunehmende Aktivität im Bereich der Schwellenländer sei möglicherweise vorübergehend. Die Pandemie habe Bondemissionen angeheizt, um renditehungrige Anleger im aktuellen Niedrigzinsumfeld zu bedienen. “Probleme wie sehr niedrige Zinssätze und ein schwächerer US-Dollar zwingen die Leute dazu, in Schwellenländern nach höheren Renditen Ausschau zu halten”, sagt Niki Beattie, die Chefin von Market Structure Partners. “Manche denken auch, dass wir uns in den westlichen Märkten in einer massiven Blase befinden und Schwellenländer eine Alternative darstellen.”

IPO-Markt leidet
Ein weiterer Bereich, der gelitten hat, ist der Markt für Börsengänge. Nur ein Unternehmen aus Entwicklungsländern – der in Moskau ansässiger Einzelhändler Fix Price Group -- hat in diesem Jahr Aktien in London verkauft, verglichen mit acht im Jahr 2017, so Dealogic. Aber das kann auch damit zu tun haben, dass Unternehmen eher auf ihre lokalen Aktienmärkte setzen.

Bond Listings
Der Anteil Londons an den Eurobond-Listings ist seit dem Brexit deutlich gestiegen.

Verkäufe von Hartwährungsanleihen durch Schwellenländer sind von 2017 bis 2020 um acht Prozent gestiegen verglichen mit dem Vierjahreszeitraum von 2016 bis 2019, so von Bloomberg gesammelte Daten. Unter diesen nahmen Transaktionen in London um 38 Prozent zu, während Notierungen um mehr als das Siebenfache anstiegen. Im Vergleich dazu verzeichneten Hongkong und New York kaum Veränderungen bei Notierungen.

Gewisse Vorteile lassen sich nicht wegdiskutieren
Auch wenn bestehende Konkurrenten und aufstrebende Handelszentren London weiterhin Geschäft abnehmen werden, gibt es einige Vorteile, die das britische Drehkreuz stets auszeichnen dürfte, sagt Luis Costa, Stratege bei der Citigroup, der in London’s Canada Square sitzt. “Das hat mit Kreditrecht zu tun, mit der Sprache, mit mehr Flexibilität auf den Arbeitsmärkten verglichen mit Skandinavien, Frankreich oder Deutschland", so Costa. "Ich glaube, im Laufe der Zeit werden wir etwas mehr Verteilung sehen, aber aufgrund dieses Erbes ist es sehr schwer vorstellbar, dass London in den Ranglisten zurückfällt." (kb)

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