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Big 4-Problem: Die großen Wirtschaftsprüfer kriegen es nicht gebacken

Zwei Jahrzehnte voller Finanzkatastrophen - vom Zusammenbruch von Enron 2001 bis zum Zusammenbruch von Wirecard 2020 - haben bei den vier großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen Probleme offenbart, die die Aufsichtsbehörden nur schwer lösen können.

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Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander: Zum Aufbau einer besseren Welt hat EY (vormals Ernst & Young) im Fall Wirecard jedenfalls nichts beigetragen.
© EY

Das Fehlen von 1,9 Milliarden Euro aus der Wirecard-Bilanz führte zur Verhaftung des Vorstandsvorsitzenden, einem Insolvenzantrag des deutschen Zahlungsabwicklers und einer Menge Schuldzuweisungen. Einige richten sich gegen die BaFin, der Versäumnisse bei der Aufsicht angekreidet werden. Als „ausgeklügelten“ Betrug, den selbst eine sehr gründliche Untersuchung wohl nicht aufgedeckt hätte, bezeichnete der Wirtschaftsprüfer von Wirecard, Ernst & Young, den Vorfall.

Trotzdem steht nun auch EY in der Schusslinie
Das Unternehmen wurde am Dienstag auf die Liste der Beschuldigten in einer Sammelklage gegen Wirecard gesetzt. Ihm wird vorgeworfen, seine grundlegendsten Pflichten nicht erfüllt zu haben. Es sei ein systemisches Problem, mit dem nicht nur EY, sondern auch KPMG, Deloitte und PriceWaterhouseCoopers - also die Big Four der Wirtschaftsprüferwelt -  konfrontiert seien, sagt Atul Shah, Professor für Rechnungslegung und Finanzen an der City University of London. “Nach dem Crash von 2008 wurde kaum ein Prüfer mit einer Geld- oder Haftstrafe belegt, weil er die Gesellschaft nicht gewarnt hatte”, so Shah im Talk mit Bloomberg. “Danach wurde es schlimmer - der gemeinsame Faktor ist das kulturelle Problem.”

Schwierige Doppelrolle als Wirtschaftsprüfer und Berater
Die Großen Vier haben jeweils lukrative Beratungssegmente aufgebaut, mit denen sie McKinsey & Co. und anderen Unternehmen Konkurrenz machen, und die im Gegensatz zur Bilanzprüfung die Möglichkeit für Umsatzwachstum und Markenaufbau bieten. Die Aufsichtsbehörden argumentieren, dass dies zu einem Interessenkonflikt führe: Die Prüfer würden dazu verleitet, sich bei der Prüfung zurückzuhalten, um ihre Chancen auf Beratungsmandate nicht zu schmälern.

Zerschlagung als Antwort?
Wegen der Rolle von EY als Bilanzprüfer von Wirecard machen deutsche Politiker nun Druck auf die Aufsichtsbehörden und fordern - wie bereits ihre britischen Kollegen - eine Zerschlagung der Großen Vier. Sven Giegold, deutscher Abgeordneter im Europaparlament, hat dieses aufgefordert, eine Untersuchung zu Wirecard einzuleiten. “Wir müssen die falschen Anreize für Abschlussprüfer beenden”, sagte Giegold. “Prüfungsgesellschaften und Beratungsgeschäft müssen vollständig getrennt werden.”

Starker Einfluss der Big Four auf die Aufsichtsbehörden
In Großbritannien, wo die Großen Vier stark vertreten sind, fordern Kritiker bereits seit fast einem Jahrzehnt Reformen - aber mit wenig Erfolg. Das könnte daran liegen, dass der Einfluss der Unternehmen auf die Aufsichtsbehörden zu stark ist, um eine Zerschlagung möglich zu machen. “Im Bereich Prüfungsregulierung gibt es nur wenige neutrale Stimmen”, sagt Karthik Ramanna, Professor an der Universität Oxford und verweist auf ehemalige Wirtschaftsprüfer der Großen Vier, die Funktionen bei den Aufsichtsbehörden übernommen haben. “Alumni gibt es zuhauf.” (kb)

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