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Bernhard Matthes zu Chancen und Risiken des 750 Milliarden Euro-Plans

Der aktuelle Plan der EU-Kommission könnte europäischen Vermögenswerten Rückenwind verleihen und damit eine Chance für europäische Aktien eröffnen, ihre historische Underperformance gegenüber US-amerikanischen Pendants zu reduzieren, findet Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management.

Bernhard Matthes
Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management
© Bank für Kirche und Caritas

"Die Geldmittel könnten punktuell tatsächlich sinnvolle, notwendige Investitionen anstoßen. Allerdings ist der Preis dafür hoch: Mit den geplanten 750 Milliarden Euro wird das Fell eines nicht erlegten Bären verteilt", analysiert Bernhard Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management. Die EU verfügt über keine "Reserven" oder "Mittel" in dieser Höhe, sondern müsse das Programm schuldenfinanzieren. In Anbetracht der bereits sehr hohen Schuldenstände in Europa und der Schuldenausweitung für nationale Programme bestehe  dafür jedoch eigentlich kein Spielraum.

Künftige Wachstumschancen beschädigt
Eine noch höhere Verschuldung lastet auf dem künftigen Wachstumspotential und der möglichen Produktivität Europas und geht zu Lasten der ohnehin schon überproportional belasteten nachfolgenden Generationen. Mastthes: "Die Corona-Krise hat die Verwundbarkeit kritischer Bereiche aufgezeigt: Im Sinne einer umfassenden Vorsorge und Vorbereitung könnte Europa mit dem jetzt vorgelegten Plan krisenfester gemacht werden und insbesondere in Bereichen wie Gesundheit, Energieinfrastruktur (Stichwort: Blackout-Gefahr) oder der Sicherung der Nahrungsmittelversorgung die Resilienz gestärkt werden."

Mehr Resilienz ist vonnöten
Die fatalen Auswirkungen von „Schwarzen Schwänen“ im Bereich Nahrungsmittelversorgung zeigten sich beim Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815, fährt Matthes fort. "Dem Ausbruch folgte durch die Sonnenverdunklung in Europa ein „Jahr ohne Sommer“, also ohne Ernte und mit katastrophalen Hungersnöten. Im Zuge des Riskmanagements sollten wir auf derartige Ereignisse vorbereitet sein, sind es jedoch nicht. Ein solches jederzeit mögliches Ereignis hätte auch heute dramatische Folgen."

UV-C Lampen wäre ein solches Instrument zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit
Ein Beispiel für eine sinnvolle Investition im Bereich "Public Health" wäre der flächendeckende Einsatz von UV-C Lampen im öffentlichen Bereich (Busse, Bahnen, Krankenhäuser, Veranstaltungsräume, usw.), findet Matthes: "Diese Lampen können nachweislich Krankheitserreger wie Viren und Bakterien abtöten. Ihr Einsatz könnte helfen, Folgekosten im Gesundheitswesen reduzieren und dadurch einen sinnvollen Return on Investment erzielen."

Das Programm der EU müsste an klare Bedingungen geknüpft sein
Verwendungszwecke müssten klar definiert sein, die Mittel müssten in sinnvolle und bedarfsgerechte Infrastrukturmaßnahmen fließen. Beispielsweise könnte in Deutschland mit diesen Geldern der lange überfällige flächendeckende Ausbau von Breitbandnetzen und einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur auch im ländlichen Raum endlich umgesetzt werden, meint Matthes.

Keine ideologischen Experimente und keine Schuldervergemeinschaftung bitte!
Eine Zweckentfremdung der Gelder für ideologische Projekte ohne messbaren Nutzen müsste unbedingt verhindert werden. Keinesfalls dürfen die Mittel zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werden - dafür gebe es den ESM. Grundsätzlich sei das Programm, wie jeder staatliche Verteilmechanismus, anfällig für Misswirtschaft, Korruption, Vetternwirtschaft und Ineffizienzen in Verteilung und Verwendung und bedürfte daher bei Umsetzung einer sehr guten Aufsicht. Das Programm der EU dürfe kein Einstieg in eine dauerhafte Vergemeinschaftung der Staatsschulden sein, weil damit keine Wettbewerbsfähigkeit in den "Nehmerländern" hergestellt werden könne. Zur Umsetzungswahrscheinlichkeit des Plans gebe es derzeit ohnehin ein großes Fragezeichen in Anbetracht der berechtigten Bedenken der "Sparsamen Vier" und einiger osteuropäischer Staaten wie etwa Tschechien. (kb)

 

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